Blue Note Tone Poet Serie: Hank Mobleys „Dippin’“ - Boogaloo im Blue-Note-Sound

Die audiophile BLUE NOTE TONE POET SERIE wurde im Jahr 2019 anlässlich des 80-jährigen Jubiläums von Blue Note Records ins Leben gerufen und zeichnet sich durch einen kompromisslosen Qualitätsanspruch aus. Das Mastering erfolgt komplett analog von den originalen Erste-Generation-Masterbändern. Kuratiert und produziert wird die Reihe von Joe Harley (Mitbegründer von Music Matters, bekannt als „Tone Poet“). Das Mastering übernimmt Kevin Gray bei Cohearent Audio. Die LPs werden als 180g-Vinyl bei Record Technology Incorporated (RTI) in den USA gepresst. Die Alben kommen in laminierten Tip-On-Gatefold-Sleeves von Stoughton Printing, oft ergänzt durch unveröffentlichte Session-Fotos, sowie in wattierten Innenhüllen. Im Fokus der Reihe stehen nicht nur bekannte Meilensteine, sondern auch unterschätzte Klassiker, Vinyl-Premieren historischer Sessions sowie Alben von Partner-Labels wie Pacific Jazz oder Capitol Records.
Hank Mobley und „Dippin’“: ein Quintett in Bestform
Als Hank Mobley am 18. Juni 1965 im Studio von Rudy Van Gelder „Dippin’“ aufnahm, war er gerade aus einer schwierigen persönlichen Phase zurückgekehrt. Nun arbeitete er wieder intensiv für Blue Note: Im selben Jahr entstanden auch die Alben „The Turnaround“ und „A Caddy for Daddy“. „Dippin’“ erschien 1966 und zeigt Mobley als einen der prägenden Tenorsaxofonisten des Hard Bop, mit einem geschmeidigen, bluesnahen Ton und viel Gespür für Groove.
An seiner Seite steht ein Quintett, das sofort auf Betriebstemperatur kommt: Lee Morgan an der Trompete, Harold Mabern Jr. am Piano, Larry Ridley am Bass und Billy Higgins am Schlagzeug. Morgan war damals auch mit dem Erfolg seines Boogaloo-Hits „The Sidewinder“ präsent; auf „Dippin’“ liefert er den passenden Gegenpol zu Mobleys entspanntem Fluss.
Vom Boogaloo bis zur Ballade
Schon der Opener „The Dip“ setzt auf einen funkigen Puls. „Recado Bossa Nova“ wechselt in einen beweglichen Brasilien-Groove, während „The Vamp“ mit modaler Spannung Fahrt aufnimmt. Mobley und Morgan schärfen den Dialog, Higgins hält die Musik mit präzisem, elastischem Spiel in Bewegung.
Dann nimmt das Album Tempo heraus: In „I See Your Face Before Me“ zeigt Mobley seine lyrische Seite, warm und unaufgeregt. „Ballin’“ führt zurück zum swingenden Hard Bop. Gerade diese Wechsel machen „Dippin’“ so zugänglich: Die Musik bleibt melodisch und direkt, ohne ihren harmonischen Reiz zu verlieren.
Ein Klassiker aus Mobleys Glanzzeit
„Dippin’“ vereint die Qualitäten, für die Mobley geschätzt wird: melodische Einfälle, einen entspannten Ton und Soli, die sich selbstverständlich in den Groove einfügen. Das Quintett klingt dabei geschlossen, aber nie statisch. Sechs Stücke lang hält das Album die Balance zwischen unmittelbarer Energie und musikalischer Raffinesse – ein überzeugendes Porträt von Mobley in einer besonders produktiven Phase.





