Blue Note Tone Poet Serie: Klangpoet mit texanischen Wurzeln

Die audiophile BLUE NOTE TONE POET SERIE wurde im Jahr 2019 anlässlich des 80-jährigen Jubiläums von Blue Note Records ins Leben gerufen und zeichnet sich durch einen kompromisslosen Qualitätsanspruch aus. Das Mastering erfolgt komplett analog von den originalen Erste-Generation-Masterbändern. Kuratiert und produziert wird die Reihe von Joe Harley (Mitbegründer von Music Matters, bekannt als „Tone Poet“). Das Mastering übernimmt Kevin Gray bei Cohearent Audio. Die LPs werden als 180g-Vinyl bei Record Technology Incorporated (RTI) in den USA gepresst. Die Alben kommen in laminierten Tip-On-Gatefold-Sleeves von Stoughton Printing, oft ergänzt durch unveröffentlichte Session-Fotos, sowie in wattierten Innenhüllen. Im Fokus der Reihe stehen nicht nur bekannte Meilensteine, sondern auch unterschätzte Klassiker, Vinyl-Premieren historischer Sessions sowie Alben von Partner-Labels wie Pacific Jazz oder Capitol Records.
Als typischer Vertreter der texanischen Schule der Tenorsaxofonisten besaß Booker Ervin (1930–1970) einen selbstbewussten, kraftvollen und bluesgetränkten Sound, in dem jedoch auch stets eine gewisse Verwundbarkeit mitschwang. Bekannt wurde er Ende der 1950er Jahre durch die intensive Zusammenarbeit mit dem Bassisten und Komponisten Charles Mingus. Als Mitglied von dessen Band etablierte er sich als Solist mit einer unverwechselbaren Stimme und war unter anderem an der Einspielung der Alben „Jazz Portraits – Mingus In Wonderland“ (United Artists, 1959), „Mingus Ah Um“ und „Mingus Dynasty“ (Columbia, 1959 und 1960), „Blues and Roots“ (Atlantic, 1960) sowie „Mingus Mingus Mingus Mingus Mingus“ (Impulse, 1964) beteiligt.
1960 begann Booker Ervin seine relativ kurze, aber dennoch erstaunlich produktive und vielseitige Solokarriere – in nur neun Jahren nahm er für Labels wie Prestige, Pacific Jazz und Blue Note 19 Alben als Bandleader auf. „Structurally Sound“ entstand im Dezember 1966 in Los Angeles für Richard Bocks Label Pacific Jazz. Ervin, der rund zwei Jahre lang in Barcelona gelebt und in ganz Europa gearbeitet hatte, war erst wenige Monate zuvor in die USA zurückgekehrt. Anstatt bei der Aufnahmesession auf bewährte Begleiter von früheren Alben zurückzugreifen, formierte er ein neues Quintett mit talentierten Musikern, die es seines Erachtens verdienten, öfter gehört zu werden: der junge Trompeter Charles Tolliver, der Pianist John Hicks, der Bassist Red Mitchell und der Schlagzeuger Lenny McBrowne.
Das Repertoire umfasste Eigenkompositionen von Ervin („Boo’s Blues”) und Tolliver („Franess”), Klassiker aus dem Great American Songbook („Dancing in the Dark”, „You’re My Everything” und „Deep Night”) sowie Stücke der namhaften Jazzkomponisten Billy Strayhorn („Take the A Train”), Oliver Nelson („Stolen Moments”) und Randy Weston („Berkshire Blues”). “Structurally Sound” war ein erstes Beispiel dafür, wie Booker Ervin seinen Stil nach seiner Rückkehr aus Europa weiterentwickelte. Leider konnte er danach nur noch drei eigene Alben einspielen, bevor er im Alter von 39 Jahren, am 31. August 1970, in New York an einem Nierenleiden verstarb.





