Blue Note Tone Poet Serie: Jimmy Smiths „The Sermon!“ - die Orgel predigt den Blues

Die audiophile BLUE NOTE TONE POET SERIE wurde im Jahr 2019 anlässlich des 80-jährigen Jubiläums von Blue Note Records ins Leben gerufen und zeichnet sich durch einen kompromisslosen Qualitätsanspruch aus. Das Mastering erfolgt komplett analog von den originalen Erste-Generation-Masterbändern. Kuratiert und produziert wird die Reihe von Joe Harley (Mitbegründer von Music Matters, bekannt als „Tone Poet“). Das Mastering übernimmt Kevin Gray bei Cohearent Audio. Die LPs werden als 180g-Vinyl bei Record Technology Incorporated (RTI) in den USA gepresst. Die Alben kommen in laminierten Tip-On-Gatefold-Sleeves von Stoughton Printing, oft ergänzt durch unveröffentlichte Session-Fotos, sowie in wattierten Innenhüllen. Im Fokus der Reihe stehen nicht nur bekannte Meilensteine, sondern auch unterschätzte Klassiker, Vinyl-Premieren historischer Sessions sowie Alben von Partner-Labels wie Pacific Jazz oder Capitol Records.
Jimmy Smith bringt die Hammond B−3 ins Rampenlicht
Nachdem Blue-Note-Mitgründer Alfred Lion Jimmy Smith 1956 entdeckte, machte der Organist die Hammond B−3 rasch zu einer prägenden Stimme des Jazz. „The Sermon!“ bündelt Smiths Sinn für Gospel und Blues in drei langen Stücken. Die Aufnahmen entstanden an zwei Tagen, im August 1957 und im Februar 1958, im Ballsaal des Manhattan Towers Hotels. Tonmeister Rudy Van Gelder fing die spontane Energie der Sessions ein, nicht bei einem Konzert in einem vollbesetzten Club, sondern in einem ungewöhnlich geräumigen Aufnahmeort. Das Album kam 1959 heraus.
„The Sermon!“: ein Blues über eine ganze LP-Seite
Der Titeltrack nimmt die komplette erste Seite ein: ein ausgedehnter Zwölf-Takt-Blues, der sich mit Smiths federnder Basslinie und einer lockeren, swingenden Band immer weiter entfaltet. Lee Morgan, Lou Donaldson und Tina Brooks setzen markante Soli; Kenny Burrells zurückhaltende Gitarrenakkorde und Art Blakeys geschmeidiger Beat geben dem Stück Raum. Die Besetzung wechselte zwischen den Aufnahmetagen, die All-Stars treten also nicht alle gemeinsam in jedem Stück auf.
Von „J.O.S.“ bis „Flamingo“: drei Sessions, drei Klangbilder
„J.O.S.“ wurde bereits 1957 aufgenommen und klingt mit Morgan, George Coleman, Eddie McFadden und Donald Bailey kompakter. Zum Abschluss führt „Flamingo“ in eine andere Stimmung: Smith tritt etwas zurück, während Morgan mit einer nachdenklichen Trompetenlinie die Ballade prägt und Burrells feines Gitarrenspiel den Ton aufnimmt. So zeigt „The Sermon!“ nicht nur Smiths kraftvolle Orgel, sondern auch sein Gespür dafür, wann seine Mitspieler glänzen sollen. Soul Jazz und Hard Bop verbinden sich hier zu Musik, die zugleich erdig und elegant klingt.





