Blue Note Tone Poet Serie: Ein Kronjuwel für die Bop-Kollektion

Die audiophile BLUE NOTE TONE POET SERIE wurde im Jahr 2019 anlässlich des 80-jährigen Jubiläums von Blue Note Records ins Leben gerufen und zeichnet sich durch einen kompromisslosen Qualitätsanspruch aus. Das Mastering erfolgt komplett analog von den originalen Erste-Generation-Masterbändern. Kuratiert und produziert wird die Reihe von Joe Harley (Mitbegründer von Music Matters, bekannt als „Tone Poet“). Das Mastering übernimmt Kevin Gray bei Cohearent Audio. Die LPs werden als 180g-Vinyl bei Record Technology Incorporated (RTI) in den USA gepresst. Die Alben kommen in laminierten Tip-On-Gatefold-Sleeves von Stoughton Printing, oft ergänzt durch unveröffentlichte Session-Fotos, sowie in wattierten Innenhüllen. Im Fokus der Reihe stehen nicht nur bekannte Meilensteine, sondern auch unterschätzte Klassiker, Vinyl-Premieren historischer Sessions sowie Alben von Partner-Labels wie Pacific Jazz oder Capitol Records.
Der frischgebackene Highschool-Abgänger Sonny Rollins war noch keine 19 Jahre alt, als er 1949 in New York von Blue Note Records die Chance erhielt, an drei hochkarätigen Aufnahmesessions von Babs Gonzalez, Bud Powell und Fats Navarro teilzunehmen. Seine Solokarriere startete der vielversprechende Tenorsaxofonist allerdings vier Jahre später bei den Kollegen von Prestige Records, für die er eine Serie aufregender Alben mit klangvollen Titeln wie „Tenor Madness“ und „Saxophone Colossus“ aufnahm. Erst im Dezember 1956 gelang es dem Blue-Note-Produzenten Alfred Lion, den inzwischen gereiften Rollins für vier großartige Alben als Bandleader zu seinem Label zu holen, das damals als das Aushängeschild der prosperierenden Hardbop-Szene galt.
Hinter dem nüchternen Titel „Sonny Rollins, Vol. 2“ verbirgt sich eines der besten Alben, die der Tenorsaxofonist in den gesamten 1950er Jahren aufgenommen hat. Bei der Session am 14. April 1957 präsentierte sich Rollins mit einem absolut traumhaft besetzten Quintett: J. J. Johnson an der Posaune, Horace Silver am Klavier, Paul Chambers am Bass und Art Blakey am Schlagzeug. Das Programm beginnt mit zwei ausgelassenen Eigenkompositionen von Rollins („Why Don’t I?” und „Wail March”) und endet mit Interpretationen zweier populärer Songs („You Stepped Out of a Dream” und „Poor Butterfly”).
Die absoluten Höhepunkte des Albums sind jedoch die unwiderstehlichen Versionen der beiden Thelonious-Monk-Klassiker „Reflections“ und „Misterioso“. In der ersten Nummer übernimmt Thelonious Monk den Platz von Horace Silver am Klavier, in der zweiten glänzen die beiden Ausnahmekönner nacheinander mit sehr unterschiedlichen Soli. Für Freunde von energiegeladenem Bebop und Hard Bop ist dieses Album, das wegen seines schlichten Titels leider manchmal übersehen wird, ein absolutes Muss!





