Blue Note Tone Poet Serie - Saxofon-Perlen aus den Sixties

Die erste audiophile LP-Serie von Blue Note Records ist ein weltweiter Erfolg. Kuratiert wird sie von Joe Harley, genannt der „Tone Poet“, vom renommierten amerikanischen Vinyl-Label Music Matters. Die Fertigung erfolgt mit rein analogen Produktionsschritten vom Erste-Generation-Masterband bis zur 180g-Pressung bei Record Technology Incorporated (RTI) in den USA. Den luxuriösen Rahmen bilden laminierte Tip-On-Gatefold-Sleeves und wattierte Innenhüllen.
Ike Quebec - Bossa Nova Soul Samba
1962 war das Jahr, in dem das Bossa-Nova-Fieber in den USA um sich zu greifen begann. Im April veröffentlichten Stan Getz und Charlie Byrd mit “Jazz Samba” das erste amerikanische Bossa-Album, dem im Oktober “Big Band Bossa Nova” von Stan Getz und Gary McFarland sowie im Dezember ein gleichnamiges Album von Quincy Jones folgte. Im Schatten dieser Bestseller nahm der Tenorsaxofonist Ike Quebec im Oktober 1962 sein Album “Bossa Nova Soul Samba” für Blue Note auf – ein melodiöses Meisterwerk, zu dem der glänzend aufgelegte Gitarrist Kenny Burrell maßgeblich beitrug. Einfühlsam unterstützt wurden die beiden Solisten von dem Bassisten Wendell Marshall, dem Schlagzeuger Willie Bobo und dem Shékere-Spieler Garvin Masseaux.
Quebec erwies sich hier keineswegs als Trittbrettfahrer, sondern verlieh dem neuen Stil aus Brasilien mit seinem sinnlichen Ton und einer deftigen Portion Blues eine ganz eigene Note. Bei der Zusammenstellung des Programms verzichtete er geschickt auf die Bossa-Nova-Hits von Tom Jobim, João Gilberto und Luiz Bonfá, die alle anderen spielten. Stattdessen präsentierte er vier international wenig bekannte brasilianische Stücke aus einer Zeit, als es die Bossa Nova noch gar nicht gab, zwei eigene Kompositionen (“Me ‘n You” und “Blue Samba”) und ein Stück von Burrell (“Loie”). Darüber hinaus verwandelte er auf raffinierte Weise zwei klassische Kompositionen – “Goin’ Home”, eine Überarbeitung des Themas des Largos aus der 9. Sinfonie von Antonín Dvořák, und “Liebestraum Nr. 3” von Franz Liszt – in Bossa Novas. “Das gesamte Projekt ist durchdacht konzipiert und wunderschön umgesetzt”, schrieb Steve Huey in seiner AllMusic-Rezension. “Die Bossa Nova wird als neues Mittel des persönlichen Ausdrucks behandelt und nicht nur als Modeerscheinung, aus der man Kapital schlagen kann.” Umso tragischer war es, dass dies Quebecs letztes Album sein sollte. Nur drei Monate später starb der Tenorsaxofonist im Alter von 44 Jahren an Lungenkrebs.
Jackie McLean - Vertigo
Auf sage und schreibe 21 Alben dokumentierte Blue Note Records zwischen 1959 und 1967 eine der kreativsten Phasen in der Karriere des Altsaxofonisten Jackie McLean – und dabei sind die vielen Alben, auf denen er für das Label als Sideman mitwirkte, noch nicht einmal eingerechnet. Zwei Monate bevor er den Meilenstein “One Step Beyond” einspielte, hatte der McLean im Februar 1963 in Rudy Van Gelders Studio ein besonders dynamisches Quintett mit dem Trompeter Donald Byrd, dem Pianisten Herbie Hancock, dem Bassisten Butch Warren und dem jungen Schlagzeuger Tony Williams für eine Aufnahmesession versammelt: “Vertigo”.
Das stilistisch sehr abwechslungsreiche Programm bestand aus je zwei Eigenkompositionen von McLean (“Vertigo” und “Cheers”) und Byrd (“Marney” und “Dusty Foot”) sowie einem Stück von Hancock (“Yams”), der kurz danach zusammen mit Tony Williams Mitglied des zweiten großen Quintetts von Miles Davis werden sollte. Da Blue Note damals aber die etwas avantgardistischeren McLean-Alben “One Step Beyond” und “Destination… Out!” veröffentlichte, verschwanden die Aufnahmen im Archiv. Erst 1980 erschienen sie als Teil der “Connoisseur”-Reihe unter dem Titel “Vertigo”. Dabei wurde das Material der Session mit der Aufnahme einer klassischen Hard-Bop-Nummer des Pianisten Walter Davis Jr. gekoppelt, die wegen Platzmangels 1959 nicht auf McLeans Blue-Note-Debütalbum “New Soil” gepasst hatte.





