British Jazz Explosion: Henry Lowthers „Child Song“ - britischer Jazz auf neuen Wegen

Die Serie BRITISH JAZZ EXPLOSION wird mit einem weiteren Kultalbum des britischen Jazz fortgesetzt. Es wurde in den Abbey Road Studios von den originalen Stereo-Analogbändern gemastert und auf 180-g-Vinyl gepresst. Enthalten ist ein vierseitiges Faltblatt mit Abbildungen der Bandkartons und einem neuen Text des Jazz-Experten und Serienproduzenten Tony Higgins.
Henry Lowther zwischen Jazz und Rock
Als Trompeter der Keef Hartley Band stand Henry Lowther 1969 in Woodstock auf der Bühne. Zuvor hatte er unter anderem mit John Mayall und Manfred Mann gespielt; zugleich war er in der britischen Jazzszene aktiv. „Child Song“, sein Debüt als Bandleader, erschien 1970 bei Deram, eine Gelegenheit, all diese Erfahrungen in seine eigene Musik zu überführen. Das Album fand damals nur ein kleines Publikum, sein späterer Sammlerstatus erzählt eine andere Geschichte.
„Child Song“: British Jazz mit elektrischem Puls
Lowther stellt Trompete, Flügelhorn und Violine neben Tony Roberts’ Saxofon und Bassklarinette, Mike McNaughts E-Piano, Daryl Runswick am Bass und Mike Travis am Schlagzeug. Die elektrische Besetzung trifft auf freie Passagen, klare Melodien und wechselnde Rhythmen. In der Musik klingt der Aufbruch des Jazz-Rock an, doch Lowther hält die Stücke offen und beweglich. Der Einfluss von Miles Davis’ „In a Silent Way“ ist hörbar – eine Platte, die Lowther kurz vor den Aufnahmen entdeckt hatte.
Ein seltenes Debüt aus der britischen Jazzszene
Die sechs Stücke – darunter „Introduction“, „Plaything (Child Song and Anima)“ und „Puppet Song“ – entfalten ein Album, das sich nicht auf eine Richtung festlegen lässt. Mal stehen Lowthers lyrisches Spiel und die Melodie im Vordergrund, mal prägen elektrische Klangflächen und freiere Formen den Verlauf. Gerade diese Offenheit macht „Child Song“ zu einem spannenden Dokument seiner Zeit: ein eigenwilliger Beitrag zur kreativen British-Jazz-Szene um 1970, der lange schwer zu finden war.





