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British Jazz Explosion
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British Jazz Explosion: Explosive Raritäten aus England

Der britische Jazz feiert ein erstaunliches Comeback. In der LP-Serie British Jazz Explosion kann man jetzt außergewöhnliche Alben der Saxofonisten Alan Skidmore und Joe Harriott wiederentdecken.
British Jazz Explosion - Alan Skidmore / Joe Harriott
British Jazz Explosion - Alan Skidmore / Joe Harriott
(c) Fontana Records
16.10.2026

Manchmal bedarf es einer Explosion, um über Jahrzehnte verfestigte Traditionen aufzubrechen und den damit einhergehenden kreativen Stillstand zu beenden. Britische Jazzmusiker hatten sich lange Zeit sehr eng am Sound und am Repertoire ihrer US-amerikanischen Vorbilder orientiert und, abgesehen von einigen Ausnahmen, nur wenig Eigenständiges hervorgebracht. Anfang der 1960er Jahre, als die Beatles und die Rolling Stones die Charts stürmten, dämmerte immer mehr jungen britischen Jazzmusikern und Komponisten, dass es auch für sie nicht mehr ausreichte, die Stars des amerikanischen Jazz zu kopieren. Sie mussten endlich ihre eigene Identität und ihren eigenen Stil finden, wenn sie gehört werden wollten. So kam es 1965 zur ersten sogenannten „British Jazz Explosion“, deren Druckwelle auch auf dem europäischen Festland noch zu spüren war und durch Musiker wie den Gitarristen John McLaughlin und den Bassisten Dave Holland sogar die USA erreichte.

Jetzt, wo eine „New UK Jazz Explosion“ mit aktuellen Protagonisten wie Shabaka Hutchings, Nubya Garcia und dem Ezra Collective den Jazz mit Genres wie Afrobeat, Dub und Hip-Hop bereichert und junge Hörer für ihn gewinnt, blickt die Szene auch wieder verstärkt zurück auf die britischen Meisterwerke der Sechziger und Siebziger Jahre, die längere Zeit vergessen schienen, obwohl die entsprechenden Schallplatten in Sammlerkreisen Mondpreise erzielten.

Erste Wiederentdeckung durch Gilles Peterson und Tony Higgins

Einen ersten Rückblick auf die damalige Szene boten vor über zwanzig Jahren die beiden „Impressed“-Compilations, die von DJ und Radiomacher Gilles Peterson und dem DJ, Musikhistoriker und Filmemacher Tony Higgins zusammengestellt wurden. Sie präsentierten einige der innovativsten, dynamischsten und experimentellsten Aufnahmen dieser Ära, konnten den Appetit der neugierig gewordenen, jüngeren Jazzfans jedoch nicht wirklich stillen.

Das gelingt zum Glück der im Jahr 2021 begonnenen und von Tony Higgins kuratierten LP-Reihe British Jazz Explosion. Neben der Compilation „Journeys in Modern Jazz: Britain“ wurden in ihr inzwischen komplette Alben von Neil Ardley/Ian Carr/Don Rendell, Zbigniew Namysłowski, Harry Beckett, dem Don Rendell Quintet, Kenny Wheeler & The John Dankworth Orchestra, John Surman & John Warren, dem Mike Taylor Trio, dem Mike Taylor Quartet, dem John Cameron Quartet und dem New Jazz Orchestra auf Vinyl wiederveröffentlicht – und das in optimaler Fertigungsqualität und Aufmachung. Viele dieser Klassiker waren auf Vinyl seit langem vergriffen und wurden zu hohen Preisen gehandelt. Jetzt wird die Reihe mit zwei weiteren Alben fortgesetzt: „Once Upon A Time” vom Alan Skidmore Quintet und „High Spirits” vom Joe Harriott Quintet. 

Das britische Pendant zu John Coltrane

Als der Tenorsaxofonist Alan Skidmore 1969 beim Montreux Jazz Festival sein neu gegründetes Quintett mit Kenny Wheeler (Flügelhorn), John Taylor (Piano), Harry Miller (Bass) und Tony Oxley (Schlagzeug) zum ersten Mal vorstellte, mögen viele im Publikum mit den Achseln gezuckt haben. Dass diese Musiker schon bald zu den größten Stars der britischen und europäischen Jazzszene zählen würden, ahnte damals wohl noch niemand. Das Quintett gewann in diesem Jahr drei der sechs in Montreux vergebenen Preise: den Pressepreis, den Preis für die beste Gruppe und Skidmore selbst erhielt den Preis für den besten Solisten.

Die Kunde von der Preisflut weckte das Interesse des Produzenten Peter Eden, der für das britische Label Deram Records tätig war und zuvor bereits mit Mike Westbrook und John Surman zusammengearbeitet hatte. Noch im selben Jahr verschaffte er dem Saxofonisten, der anfangs oft als das britische Pendant zu John Coltrane bezeichnet wurde, die Gelegenheit, mit dem Quintett sein Debütalbum „Once Upon a Time“ aufzunehmen. Es wurde im Februar 1970 veröffentlicht. Neben Eigenkompositionen von Alan Skidmore („Free for Al“), Tony Oxley („Majaera“) und John Taylor („The Yolk“) ist das Quintett hier zudem mit zwei wunderbaren Kompositionen von John Surman („Once Upon a Time“ und „Image“) sowie einem Stück des kanadischen Saxofonisten John Warren („Old San Juan“) zu hören.

Auf der Internetseite LondonJazzCollector heißt es zu dem Album: „Das ist kultiger britischer Jazz, losgelöst von seinen US-amerikanischen Wurzeln, mit bahnbrechenden Künstlern, einer Originalität, die in Richtung Avantgarde tendiert, und einer Abkehr vom europäischen Klassizismus der späten 1960er Jahre“.

Ein Avantgardist auf melodischen Abwegen

Der aus Jamaika stammende Altsaxofonist Joe Harriott (1928–1973) machte sich in Großbritannien zunächst als exzellenter Bebop-Solist einen Namen, bevor er sich 1960 dem zuwandte, was er selbst als „abstrakte“ oder „frei geformte“ Musik bezeichnete. Umso überraschender war 1965 das Album „High Spirits“, das ihn von einer ungewohnt melodischen Seite zeigte. Zusammen mit den Musikern seines Quintetts – dem ebenfalls aus der Karibik stammenden Trompeter Shake Keane, dem schottischen Pianisten Pat Smythe, dem Bassisten Coleridge Goode und dem Schlagzeuger Bobby Orr – unternahm Harriott einen Abstecher in die Welt der Theatermusik. 

Dafür fertigte Smythe jazzige Arrangements von acht Stücken des Musicals „High Spirits“, das 1964 sowohl am New Yorker Broadway als auch im Londoner West End ein Renner gewesen war. Die Kritiken jener Zeit hoben vor allem das musikalische Können dieses Ensembles hervor. So bezeichnete der Melody Maker Harriotts Quintett als „die derzeit wohl beste Gruppe der britischen Szene“, während der Record Mirror schrieb: „Dass es überhaupt funktioniert, ist überraschend; dass es so gut funktioniert, ist verblüffend.“

British Jazz Explosion: Neu gemastert auf 180g-Vinyl

Beide Alben erscheinen jetzt im Rahmen der gefeierten Serie Serie British Jazz Explosion erstmals seit ihrer Premiere wieder auf Vinyl. Gemastert wurde in den Abbey Road Studios von den originalen Stereo-Analogbändern, und auf 180g-Vinyl gepresst. Enthalten ist jeweils ein vierseitiges Faltblatt mit Abbildungen der originalen Tonbandkartons und einem neuen, ausführlichen Text von Serienproduzent Tony Higgins.

The Alan Skidmore Quintet - Once Upon A Time_Packshot
The Alan Skidmore Quintet: Once Upon A Time (British Jazz Explosion LP)
16. Okt. 2026

Musik von British Jazz Explosion

The Alan Skidmore Quintet - Once Upon A Time_Packshot
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16. Okt. 2026

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