Verve Vault Serie: Bill Evans’ triumphale Rückkehr ins Village Vanguard

VERVE VAULT SERIE heißt die LP-Edition des legendären Labels, die mit zwei Veröffentlichungen pro Monat die Herzen von Jazz- und Vinylfans höherschlagen lassen will. Obwohl die Schallplatten moderat gepreist sind, wird in allen Aspekten der Produktion auf Qualität geachtet: Alle Alben werden von Ryan K. Smith bei Sterling Sound von den analogen Originalbändern gemastert und bei Optimal auf 180-Gramm-Vinyl gepresst. Die ikonischen Artworks werden unverändert faksimiliert, sofern es sich im Original um Gatefold-Hüllen handelte, werden diese beibehalten. Das Repertoire der Serie setzt sich aus berühmten Klassikern sowie von Sammlern gesuchten Perlen von Verve Records und deren Schwesterlabels wie Impulse!, Mercury und Cadet zusammen.
Kurz nachdem er mit dem Sextett von Miles Davis das hochgelobte Album „Kind of Blue“ aufgenommen hatte, gründete Pianist Bill Evans Mitte 1959 sein Trio mit dem Bassisten Scott LaFaro und dem Schlagzeuger Paul Motian. Diese Formation gilt wegen des außergewöhnlich symbiotischen Zusammenspiels der Musiker bis heute als das wegweisende Piano-Trio des modernen Jazz. Nach zwei Studioalben – das erste, „Portrait in Jazz“, entstand im Dezember 1959, das zweite, „Explorations“, im Februar 1961 – trat das gefeierte Trio im Juni 1961 ein zweiwöchiges Engagement im New Yorker Village Vanguard an. Am letzten Tag, dem 25. Juni, wurden für das Label Riverside die Aufnahmen für zwei der populärsten und besten Alben von Bill Evans aufgezeichnet: „Sunday at the Village Vanguard“ und „Waltz for Debby“.
Wie Evans später sagte, hatte das Trio an diesem Tag einen neuen Zenit erreicht. Nur elf Tage später, am 6. Juli 1961, kam der hochtalentierte Scott LaFaro im Alter von nur 25 Jahren bei einem Autounfall ums Leben. Sein Tod erschütterte Evans so sehr, dass er über Monate hinweg nicht öffentlich spielte und auch keine Aufnahmen machte. Das Trio blieb jedoch auch in den folgenden Jahren das bevorzugte Format des Pianisten, wenngleich er es mit wechselnden Bassisten und Schlagzeugern bildete.
In das Village Vanguard, an das er so wehmütige Erinnerungen hatte, kehrte Bill Evans erst im August 1967 zurück. Diesmal begleiteten ihn der junge Bassist Eddie Gómez und der Schlagzeuger Philly Joe Jones, mit dem der Pianist bereits auf seinen frühen Alben für Riverside und Milestone gespielt hatte. Dabei entstanden an zwei Abenden die Aufnahmen für das Doppelalbum „California Here I Come“, das allerdings erst 1982, zwei Jahre nach dem Tod des brillanten Pianisten, von Verve Records veröffentlicht wurde. Seinen etwas irreführenden Titel verdankt das Album dem gleichnamigen Broadway-Song von Buddy DeSylva, Joseph Meyer und Al Jolson.
Neben drei wunderbaren Eigenkompositionen von Evans interpretiert das prächtig aufgelegte Trio mit viel Elan und rhythmischem Feuer ein Dutzend Jazzstandards – darunter „‘Round Midnight“, „In a Sentimental Mood“ und „Stella by Starlight“ – sowie den damals neuen Hit „Alfie“ von Burt Bacharach und Hal David. Als das Doppelalbum im Jahr 2005 auf CD veröffentlicht wurde, schrieb All About Jazz in einer Rezension: „Diese Formation mit dem Bassisten Eddie Gómez und dem Schlagzeuger Philly Joe Jones war zwar bei weitem nicht so einflussreich wie sein bahnbrechendes Trio aus den frühen 60er Jahren mit Scott LaFaro und Paul Motian, verdeutlicht aber dennoch die makellose Anmut eines der einflussreichsten Pianisten des Jazz.
Die Stücke auf ‘California Here I Come’ sind allesamt kurz, doch die Musiker packen so viel wundervolle Musik wie möglich in die oftmals nur vier- und fünfminütigen Nummern. Mit ihrer Lyrismus und ihrer sanften Kraft verdeutlicht diese Platte, warum Evans auch 38 Jahre nach dieser Aufnahme und 25 Jahre nach seinem viel zu frühen Tod noch immer einen musikalischen Zauber ausübt.“





