Verve Acoustic Sounds Serie - drei Musterbeispiele der Jazz-Vielfalt

Mit der Verve Acoustic Sounds Serie bietet Verve Vinyl-Fans in Zusammenarbeit mit dem bekannten amerikanischen Acoustic-Sounds-Label seine erste audiophile LP-Serie. Die Fertigung erfolgt mit rein analogen Produktionsschritten vom Erste-Generation-Masterband bis zur 180g-Pressung bei Quality Record Pressings in den USA. Den luxuriösen Rahmen bieten laminierte Tip-On-Gatefold-Sleeves und wattierte Innenhüllen. Auch Alben von Verve-Schwesterlabels wie Impulse!, Mercury und Emarcy finden sich in der hochwertigen Serie wieder.
Lester Young feat. Roy Eldridge & Harry “Sweets” Edison – Laughin’ to Keep from Cryin’
Mit seinem lässig-eleganten und coolen Ton sowie seinem hippen, introvertierten Stil etablierte sich Lester Young (1909–1959) in den 1930er Jahren neben Coleman Hawkins als einer der einflussreichsten Tenorsaxofonisten des Jazz. Im Februar 1958, nur dreizehn Monate vor seinem Tod, spielte er mit “Laughin’ to Keep from Cryin’” sein vorletztes Studioalbum ein. Wenngleich sein Ton zu diesem Zeitpunkt bereits fragiler geworden war, ist Youngs Phrasierung hier dennoch unverändert fließend und ausdrucksstark. Was ihm an Kraft abging, ersetzte er durch Subtilität.
Die von Norman Granz produzierte Aufnahme vereint den Tenorsaxofonisten mit den beiden Trompetern Roy Eldridge und Harry “Sweets” Edison. Deren gegensätzliche Stile – der eine spielt mit feurigem Schwung, der andere mit entspannter, bluesiger Zurückhaltung – schaffen dabei einen fesselnden musikalischen Kontrast. Die exzellente Rhythmusgruppe mit dem Pianisten Hank Jones, dem Gitarristen Herb Ellis, dem Bassisten George Duvivier und dem Schlagzeuger Mickey Sheen liefert den perfekten Rahmen für diese swingende Session. Zu den Höhepunkten zählen der Gershwin-Klassiker “They Can’t Take That Away from Me” und Youngs Eigenkomposition “Salute to Benny”, eine Hommage an Benny Goodman, von dem er seine erste Klarinette geschenkt bekommen hatte. In beiden Titeln ist der Tenorsaxofonist mit seltenen Klarinettensoli zu hören.
Stan Getz – Big Band Bossa Nova
Im August 1962, nur fünf Monate nach der Veröffentlichung seines ersten Bossa-Nova-Albums “Jazz Samba”, kehrte Stan Getz für das Album “Big Band Bossa Nova” ins Studio zurück, um sich dem neuen Stil aus Brasilien aus einer gänzlich anderen Perspektive anzunähern – nämlich mit einem vollbesetzten Jazzorchester, das von dem hochgelobten, damals erst 28-jährigen Gary McFarland arrangiert und geleitet wurde. Bei der Instrumentierung der Big Band hatte McFarland die geniale Idee, den konventionellen Saxofonsatz durch wärmer klingende Klarinetten und Flöten zu ersetzen. Zudem kombinierte er die instrumentalen Klangfarben frei miteinander, um Getz’ Tenorsaxofon so mit einer sich ständig wandelnden Soundpalette zu untermalen. Als Solisten traten außerdem der Gitarrist Jim Hall, der Pianist Hank Jones, der Trompeter Doc Severinsen und der Posaunist Bob Brookmeyer hervor.
Neben einer neuen Version des beschwingten “Samba de Uma Nota Só”, den er schon auf “Jazz Samba” so einfallsreich interpretiert hatte, präsentierte der Tenorsaxofonist drei weitere Bossa-Nova-Klassiker: “Manhã de Carnaval” von Luiz Bonfá, Chega de Saudade” von Antônio Carlos Jobim und “Bim Bom” von João Gilberto. Gary McFarland steuerte zum Repertoire vier Bossa-Stücke aus eigener Feder bei. Der Kritiker Don DeMichael verlieh der Platte damals im Magazin DownBeat die Bestnote von fünf Sternen und schrieb: “Getz’ melodisches Talent war noch nie so offensichtlich; selbst die Art, wie er eine ‘geradlinige’ Melodie spielt, ist meisterhaft. Nur wenige Jazzmusiker haben diese Gabe … und das hat damit zu tun, dass er auf seinem Instrument singt. Denn Getz spielt nicht einfach nur ein Solo, er singt es …”
Shelly Manne - 2–3−4
Obwohl Shelly Manne (1920–1984) oft auf seine Rolle in der West-Coast-Jazzszene reduziert wird, war er tatsächlich einer der vielseitigsten amerikanischen Schlagzeuger. In seiner Karriere arbeitete er mit nahezu allen Größen des Jazz in den unterschiedlichsten Kontexten zusammen – von Swing über Bebop bis hin zur Avantgarde. Aber man kann ihn auch auf Alben von Tom Waits und Frank Zappa hören. Seine Aufgeschlossenheit und Experimentierfreudigkeit bewies er 1962 mit dem Album “2–3−4”, seiner einzigen Aufnahme für Impulse! Records. Es verdankte seinen Titel der Tatsache, dass Manne sich hier im Duo-, Trio- und Quartett-Format präsentierte. Dabei kam es zu einer Reunion mit zwei Musikern, mit denen er am Anfang seiner Karriere in den 1940er Jahren in New York zusammengespielt hatte: dem Tenorsaxofonisten Coleman Hawkins und dem Pianisten Hank Jones. Mit von der Partie waren außerdem der Bassist George Duvivier sowie in einigen Stücken der Pianist und Vibrafonist Eddie Costa.
Neben fantasievoll interpretierten bekannten Standards wie Billy Strayhorns “Take the ‘A’ Train” und Ray Nobles “Cherokee” boten die Musiker auch zwei humorvoll betitelte Originale “The Sicks of Us” und “Me and Some Drums”. Letzteres spielte der Schlagzeuger im Duett mit Coleman Hawkins ein, der, bevor er zum Tenorsaxofon griff, die einzige auf Platte dokumentierte Kostprobe seiner Klavierkünste gab. Im Magazin DownBeat erhielt das fantastische Album, das so einige Überraschungen barg, 1962 die Höchstwertung von fünf Sternen.





