Miguel Atwood-Ferguson ehrt den „Spirit Of Coltrane“

John Coltrane begleitet Miguel Atwood-Ferguson seit mehr als drei Jahrzehnten. Für den Komponisten, Arrangeur und Multiinstrumentalisten ist der Saxofonist nicht nur ein musikalisches Vorbild, sondern auch Lehrer, Inspiration und spiritueller Wegweiser. Nun widmet Atwood-Ferguson ihm mit „Ananta: Spirit Of Coltrane“ ein ganzes Album – passend zu Coltranes 100. Geburtstag. Es erscheint am 30. Oktober als Impulse!-LP und kann bereits jetzt vorbestellt werden.
Dabei versteht sich „Ananta“ weniger als klassische Tribute-Platte denn als Ausdruck von Dankbarkeit. Atwood-Ferguson nähert sich Coltranes Musik mit Respekt vor dem Original und zugleich mit der Offenheit einer neuen Generation. Unterstützt wird er von einem 21-köpfigen Kollektiv, zu dem einige der spannendsten Stimmen des zeitgenössischen Jazz und der improvisierten Musik gehören.
Miguel Atwood-Ferguson versammelt ein All-Star-Ensemble
Die Gästeliste liest sich entsprechend eindrucksvoll: Brandee Younger, Immanuel Wilkins, Shabaka Hutchings, Joel Ross, Jeff Parker, Flying Lotus, Elena Pinderhughes, David Virelles und weitere Musiker wirken an „Ananta“ mit. Auch die vielfach ausgezeichnete Dichterin Aja Monet ist vertreten.
Der Titel des Albums ist dabei programmatisch: „Ananta“ ist ein Sanskrit-Begriff für „unendlich“ oder „grenzenlos“. Genau in diesem Sinne begreift Atwood-Ferguson auch Coltranes Vermächtnis, als etwas, das weit über Jazz hinausreicht und Fragen nach Spiritualität, Gemeinschaft und der Kraft von Musik berührt. Dass das Album bei Impulse! Records erscheint, schließt einen besonderen Kreis. Schließlich veröffentlichte Coltrane auf dem legendären Label einen wesentlichen Teil seiner bedeutendsten Aufnahmen.
Von „Naima“ bis „Giant Steps“: John Coltranes Klassiker neu betrachtet
Atwood-Ferguson wollte Coltranes Kompositionen ausdrücklich nicht durch möglichst komplizierte Neukonstruktionen überdecken. Stattdessen sollen die Stücke wiedererkennbar bleiben und gerade durch die individuellen Stimmen der beteiligten Musiker neue Facetten gewinnen. So orientieren sich „A Love Supreme, Pt. II (Resolution)“, „Central Park West“ und „My Favorite Things“ vergleichsweise eng an ihren Vorlagen. An anderen Stellen nimmt sich das Ensemble größere Freiheiten. „Naima“ wird neu geformt, ohne seine harmonische und emotionale DNA zu verlieren.
Besonders bemerkenswert ist der Umgang mit „Giant Steps“. Coltranes berüchtigt anspruchsvoller Klassiker wird nicht als Hochgeschwindigkeits-Parcours inszeniert, sondern zur Ballade transformiert. Statt technischer Demonstration rücken dadurch Raum, Reflexion und emotionale Tiefe in den Vordergrund. Shabaka Hutchings und Joel Ross sind auf der Aufnahme zu hören.
Miguel Atwood-Ferguson: Von J Dilla zu John Coltrane
Miguel Atwood-Ferguson ist nicht zum ersten Mal mit einer groß angelegten Hommage an einen prägenden Musiker zu hören. Bekannt wurde er unter anderem mit „Suite for Ma Dukes“, seiner orchestralen Würdigung des Hip-Hop-Produzenten J Dilla. Bei „Ananta“ steht seine beträchtliche Virtuosität als Komponist und Arrangeur jedoch bewusst nicht im Mittelpunkt. Entscheidend ist vielmehr die emotionale und spirituelle Dimension der Musik. Coltranes Vorstellung von Musik als einer Kraft, die Menschen verbinden und über sich selbst hinausweisen kann, bildet einen roten Faden des Albums.
Auch Alice Coltrane ist für Atwood-Ferguson eine zentrale Inspirationsquelle. Seine Beschäftigung mit der gesamten Coltrane-Familie und deren spirituellem Vermächtnis macht „Ananta“ damit zu mehr als einer Sammlung neu arrangierter Klassiker: Das Album versteht sich als Dialog mit einer musikalischen und philosophischen Tradition, die bis heute fortwirkt.





