Unklassifizierbar und außergewöhnlich fesselnd - ECM Sounds | JazzEcho

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Unklassifizierbar und außergewöhnlich fesselnd

Obwohl die Sängerin und Pianistin Judith Berkson ihr neues Album in der klassischen Jazztrio-Besetzung mit dem Schlagzeuger Gerald Cleaver und dem Bassisten Trevor Dunn eingespielt hat, ist “Thee They Thy” alles andere als ein klassisches Jazzalbum.
Judith Berkson
Judith Berkson
Yuan Liu ECM Records
10.04.2026

Auf ihrem ECM-Debütalbum “Oylam” – und ihrem zweiten Soloalbum überhaupt – stellte sich Judith Berkson im Jahr 2010 als eigenwillige Künstlerin vor, die sich keiner stilistischen Schublade zuordnen lässt. Nun kehrt die Mezzosopranistin, Pianistin, Komponistin und Improvisatorin mit einem weiteren unklassifizierbaren und außergewöhnlich fesselnden Album zu ECM zurück. “Ich betrachte die Stücke dieser Aufnahme als natürliche Erweiterung meiner Soloarbeit”, sagt Judith Berkson über das Repertoire von “Thee They Thy”. “Mir schwebten Lieder vor, die sehr intim und persönlich sind, die vom Jazz geprägt sind und Raum für Improvisation lassen. In ihrem harmonischen und melodischen Material schöpfen sie zugleich aber auch aus der Liedtradition und der Avantgarde, wobei Elemente des Minimalismus und sogar der Konzeptkunst einbezogen werden.” Ihr erstes ECM-Album “Oylam” dokumentierte Berksons Entwicklung einer eigenen Vokalsprache, ihre Herangehensweise an das Songwriting und ihre eigenwillige Klavierbegleitung, die diese Elemente untermalt. "Ich habe jahrelang an diesem Konzept gearbeitet." erinnert sie sich. Der logische nächste Schritt war, diese Ideen in einem Gruppenkontext weiterzuentwickeln. “Ich habe natürlich großen Respekt vor dem klassischen Jazztrio mit Klavier, Schlagzeug und Bass und dachte mir, das würde Spaß machen, wenn ich die richtigen Leute fände.

Als “die richtigen Leute” erwiesen sich der Schlagzeuger Gerald Cleaver, mit dem Berkson im Laufe der Jahre schon bei vielen Gelegenheiten zusammengespielt hat, sowie der Bassist Trevor Dunn, mit dem sie noch nie zuvor noch gearbeitet hatte. Was beide mit Berkson gemein haben, ist die Abneigung, ihre Kreativität auf eine einzige musikalische Ausdrucksform zu beschränken. Auf “Thee They Thy” führt Judith Berkson ihre Trio-Partner durch ein abwechslungsreiches Programm mit Eigenkompositionen, stimmlichen Experimenten, totaler Improvisation, einer neuen Form des Gebets und vielem mehr. “Noch bemerkenswerter als die Bandbreite der Genres ist Berksons Beherrschung derselben und ihre Fähigkeit, sie zu einem nahtlosen Programm zu verweben,” stellte Martin Johnson bereits im Jahr 2010 bei der Besprechung ihres ECM-Debüts im Wall Street Journal fest. “Dabei offenbaren sich die Verbindungen zwischen scheinbar divergierenden Wegen.

Von den zehn Stücken des neuen Albums sind nur drei Lieder – der Opener “Slow”, “Dust” und die Abschlussnummer “Sated” – vollkommen durchkomponiert. In ihren schlichten Formen ist allerdings viel Information verdichtet. Die ultraminimalistische Vier-Noten-Melodie von “Dust” wird laut Berkson “über Akkordwechsel hinweg gehalten, die aus einer Verschmelzung der Harmonielehre des 19. Jahrhunderts mit dem Jazz hervorgehen”.

Slowly Walk Into It” hingegen entstand im Moment. Diese Art der spontanen Komposition, bei der sowohl Text als auch Musik im Stil der Bewusstseinsstroms entfesselt werden, ist ein Aspekt in Judith Berksons jüngsten Arbeiten. Dieses Unterfangen birgt natürlich ein erhöhtes Risiko und eine erhöhte Verletzlichkeit. In “Torque” wird die Improvisation wiederum durch Zwölftonreihen entfacht. Berkson greift dabei intuitiv “Ideen auf oder sampelt sie als liebevolle Hommage, rückt sie jedoch aus ihrem eigentlichen Kontext und stellt Konzepte, Epochen und Genres einander gegenüber”. Das Stück “Thee They Thy”, das wie ein Scat-Song aus einer Traumwelt wirkt, wurde von der Komponistin als “eine spielerische Parodie von atonalen Gesangslinien und Jazz” konzipiert. In dem Instrumentalstück “Amerika” haben alle drei Musiker Raum, sich zu entfalten, wobei Bassist Trevor Dunn ein besonders ergreifendes Solo spielt.

Während Judith Berkson auf “Oylam” unter anderem zwei Jazzstandards, ein Lied von Franz Schubert, jüdische Kantoralmusik und ein jiddisches Volkslied interpretierte, stammen die meisten Stücke und Ideen für “Thee They Thy” aus ihrer Feder. Die einzigen Ausnahmen sind “Cleav”, ein subtiles Solo-Schlagzeug-Stück von Gerald Cleaver ,und eine Vertonung des traditionellen jüdischen Gebetsgesangs “V’shamru”. Berksons Interpretationen kantoraler Musik ist ein Erlebnis für sich. Wer von der emotionalen Intensität von “Ahavas Oylam” auf ihrem ECM-Debüt begeistert war, wird von dem kraftvollen “V’shamru” hier tief bewegt sein. “Ich wollte ein urtypisches kantorales Stück für das Album aufnehmen”, sagt Judith Berkson. “Das war mir wichtig. Warum sollten diese Stücke nicht nebeneinander stehen? Wenn nicht jetzt, wann dann?

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