Meister der Psycho-Spiritualität - Mark Turner | JazzEcho

Zum Inhalt springen
Explore the World of JazzEcho:
Website
Store
Mark Turner
Mark Turner

Meister der Psycho-Spiritualität

In den rund sieben Jahren, die das Mark Turner Quartet bereits zusammenspielt, haben die Musiker ein nahezu telepathisches Verständnis untereinander entwickelt. Den Beweis dafür liefert "Pattermaster", das zweite ECM-Album des dynamischen Ensembles.
Mark Turner
Mark Turner
(c) Sam Harfouche / ECM Records
13.03.2026

Dieses Album auf LP und mehr von ECM Records finden Sie in unserem JazzEcho-Store.

Auf “Patternmaster” präsentiert sich Mark Turners Quartett von seiner abenteuerlichsten, raffiniertesten und zugleich druckvollsten Seite. In seiner Rezension von “Return from the Stars”, dem ersten ECM-Album dieses Quartetts, das 2019 aufgenommen, aber erst 2022 veröffentlicht wurde, sprach Peter Rüedi in der Schweizer Tageszeitung Weltwoche von der “denkbar schlanksten, konzentriertesten und inspiriertesten improvisierten Kammermusik”. Mit denselben Worten könnte man auch die eindringliche Musik des Quartetts beschreiben, die auf “Patternmaster” einen neuen kreativen Höhepunkt erreicht. Kompromisslose Improvisation
und souveräne Kontrolliertheit sind die treibenden Kräfte dieser Band, die ihr gemeinsames musikalisches Verständnis über Jahre hinweg auf Tourneen und im Studio entwickelt hat.

Je mehr Vertrauen man hat, desto mehr Risiken kann man eingehen und desto tiefer kann man mit seinen Spielpartnern in die Musik eintauchen”, bemerkt Mark Turner. Sein Vertrauen in den Trompeter Jason Palmer, den Bassisten Joe Martin und den Schlagzeuger Jonathan Pinson wächst mit jeder neuen Tournee, jeder neuen Session und jeder neuen Veröffentlichung. “Das geht weit über das Handwerkliche hinaus”, sagt der Saxofonist. “Denn man kann sich mehr in die künstlerischen Aspekte der Musik vertiefen. Ich fühle mich frei, kompositorisch mehr zu experimentieren, ohne mir Gedanken darüber machen zu müssen, was passieren wird. Ich weiß einfach, dass es funktionieren wird.”

Ein Wort, das besonders oft fällt, wenn Mark Turner über die Chemie in seiner Band oder zwischen anderen herausragenden Musikern spricht, ist “Psycho-Spiritualität”. Damit meint er die Fähigkeit zu intuitivem Spiel auf einem höheren Niveau. Der Begriff taucht auch auf, wenn er über den Science-Fiction-Roman spricht, der ihn zum Titel des Albums inspirierte. “Patternmaster” war 1976 das zuerst veröffentlichte, aber chronologisch letzte Buch der “Patternist”-Reihe der amerikanischen Autorin Octavia E. Butler. Es handelt von einer fernen Zukunft, in der die Menschen in die dominanten Patternisten, die “kranken” und animalischen Clayarks sowie versklavte stumme Menschen unterteilt sind. Die Patternisten sind miteinander vernetzte Telepathen, die wegen ihrer Intelligenz und psionische Fähigkeiten gezüchtet werden. Sie werden von dem mächtigsten Telepathen, dem sogenannten Patternmaster, regiert.

Wayne Shorter war meines Erachtens auch eine Art ‘Patternmaster’”, sagt Turner, der den Titelsong des Albums etwa zur gleichen Zeit schrieb, als Shorter starb. “Er war wie ich ein absoluter Science-Fiction-Fan, und ich habe den Song gewissermaßen nach ihm benannt. Ich glaube, dass manche Musiker oder Künstler, wenn sie ein hohes Niveau erreichen, sozusagen psionische Fähigkeiten entwickeln. Fähigkeiten, die über herkömmliche Maßstäbe hinausgehen.” Der Song ist eine Kontrafaktur von Shorters Komposition “Pinocchio”, die das erste Mal 1967 von Miles Davis’ zweitem großem Quintett für das Album “Nefertiti” aufgenommen wurde. “Aber ich habe diese Kontrafaktur ziemlich gut maskiert”, sagt Mark Turner lachend.

Mark Turner und Jason Palmer entwickeln die Themen des Album mit umfangreichen harmonischen Verwicklungen über die rhythmische Basis, die ihnen Joe Martin und Jonathan Pinson liefern. Letztere sind Musiker, die sich mit den Bläsern auf melodischer, harmonischer und rhythmischer Ebene intensiv verzahnen. Dabei steht die einzigartige Alchemie zwischen dem Tenorsaxofonisten und dem Trompeter während des gesamten Albums im Vordergrund. “Was auch immer es ist, das Jason und ich haben, ich möchte es auf jeden Fall bewahren”, sagt Turner. “Wir haben eine Verbindung. Und Jason hat Dinge drauf, die ich für mein Spiel brauche. Ich spiele gerne mit Leuten, die in bestimmten Dingen besser sind als ich. Ich denke auch, dass wir beide Menschen sind, die dazu neigen, hart an der Musik zu arbeiten – mit einer gewissen Leidenschaft und Disziplin. Das habe ich von Anfang an an ihm gesehen.”

Den sechs Kompositionen, die Mark Turner für “Patternmaster” schrieb, wohnt eine geradezu zeitlose Qualität inne. In seinen Stücken greift der Saxofonist den Geist der klassischen Bebop-Ära sowie der kreativen Avantgardisten der 1960er Jahre auf, weist zugleich aber auch in die Zukunft.

Patternmaster (LP)
Patternmaster (LP)
13. März 2026

Mehr Musik von Mark Turner

Patternmaster (LP)
Patternmaster (LP)
13. März 2026

Mehr News von Mark Turner

Alle anzeigen
Ein Quartett brillanter zeitgenössischer Konzeptualisten
Ein Quartett brillanter zeitgenössischer Konzeptualisten
vor einem Jahr
Billy Hart
Mehr von JazzEcho

ImpressumDatenschutzKontaktNewsletterGewinnspiel Teilnahmebedingungen