Subtile Tour de Force

Dieses Album auf LP und mehr von ECM-Records finden Sie in unserem JazzEcho-Store.
Das Branchenmagazin Billboard beschrieb das Album “Of Mist and Melting” des Gitarristen Bill Connors bei seiner Erstveröffentlichung im Jahr 1978 als "eine subtile Tour de Force”. Dass damals einige ganz besondere Geister am Werk waren, ist auch heute noch sofort spürbar, wenn man sich diese zeitlos wirkende Musik anhört. Für die Aufnahmesession von "Of Mist And Melting” hatte der Produzent Manfred Eicher Connors im Dezember 1977 im Talent Studio in Oslo mit dem Saxofonisten Jan Garbarek, dem Bassisten Gary Peacock und dem Schlagzeuger Jack DeJohnette zusammengebracht. Der in Los Angeles geborene und aufgewachsene Gitarrist hatte als Jugendlicher zunächst in Blues- und Rockbands gespielt, bevor er – vor allem inspiriert durch Django Reinhardt – zum Jazz wechselte. "Er hatte all das Feuer, die Kreativität und die Energie, die man heute mit Rockmusik verbindet”, sagte Connors 1974 in einem Interview mit dem Magazin Guitar Player. "Und seine Melodien waren von einer so erstaunlichen Reinheit, dass man einfach wusste, dass er sie völlig instinktiv geschaffen hatte.” In der Jazzwelt machte sich Bill Connors einen Namen, als er 1973 an der Aufnahme des Albums "Hymn of the Seventh Galaxy” von Chick Coreas Fusion-Band Return to Forever mitwirkte – die erste Inkarnation von Return to Forever hatte bekanntlich 1972 ihr gleichnamiges Debütalbum für ECM Records vorgelegt – und anschließend mit der Band durch Europa und Japan tourte. Noch im selben Jahr war er an der Einspielung des Albums "Love, Love” des Posaunisten Julian Priester beteiligt, das 1974 von ECM Records veröffentlicht wurde. Nachdem Connors Aufnahmen des klassischen Gitarristen Julian Bream (der ebenfalls ein großer Django-Reinhardt-Fan war) entdeckt hatte, widmete er sich selbst intensiv dem Studium der akustischen Gitarre.
Die Einflüsse von Django Reinhardt und Julian Bream, aber auch des spanischen Klassikgitarristen Andrés Segovia prägten – bis zu einem gewissen Grad – auch die drei kammermusikalischen Alben, die Bill Connors in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre für ECM Records einspielte: "Theme to the Gaurdian”, "Of Mist and Melting” und "Swimming with a Hole in My Body”. Auf "Of Mist and Melting” entfaltet sich ein besonders reizvolles Zusammenspiel mit Jan Garbarek und dem ebenso filigranen wie dynamischen Rhythmusgespann Gary Peacock und Jack DeJohnette, das später auch Keith Jarretts "Standards”-Trio beflügeln sollte. Connors präsentierte hier sechs Eigenkompositionen, die das Lyrisch-Konkrete mit weitläufigen, spontanen und offenen Strukturen verbinden. Oder, um es mit den Worten des Kritikers Michael Tucker zu sagen, der das Album 1993 im britischen Jazz Journal rezensierte: "Selten wurden die Elemente von ‘Hot’ und ‘Cool’ Jazz so eindrucksvoll miteinander kombiniert.” Als Bill Connors sich im vergangenen Jahr das Album anhörte, war er selbst verblüfft, wie intensiv er sich während der fünf Jahre, in denen er mit Manfred Eicher und ECM Records zusammenarbeitete, mit dem Spielen der klassischen Gitarre auseinandergesetzt hatte. "Es weckte nostalgische Erinnerungen an diese Jahre in mir. Ich hatte vergessen, wie viel Zeit ich investiert hatte, um diese Art von Gitarre zu spielen”, sagte Connors, der von dem, was er auf seiner eigenen Aufnahme hörte, offenbar überrascht war. "Obwohl es möglicherweise nicht immer das war, was sich Manfred ursprünglich vorgestellt hatte, ist es genau das Album geworden, das wir beide uns gewünscht hatten.”
In der "Luminessence”-Reihe von ECM Records erscheint "Of Mist And Melting” nun in einer Tip-on-Gatefold-Hülle mit neuen Linernotes und bisher unveröffentlichten Fotos aus dem Archiv.





