Traumhafte Duo-Musik für die blauen Stunden

“Reaching for the Moon” ist Elina Dunis sechstes ECM-Album und ihr drittes mit Rob Luft. Ihr gemeinsames musikalisches Projekt nahm 2017 seinen Anfang, als die albanisch schweizerische Sängerin und der britische Gitarrist sich bei einem Workshop im Rahmen des Montreux Jazz Festivals kennenlernten. Dabei stellten sie schnell fest, dass sie sich beide für ein sehr breites musikalisches Spektrum interessieren. Dies spiegelt sich bereits in den beiden Alben “Lost Ships” (2020) und “A Time to Remember” (2023) wider, die sie im Quartett mit dem Flügelhornisten Matthieu Michel und dem Pianisten und Perkussionisten Fred Thomas aufgenommen haben. Das neue Album “Reaching to the Moon”, auf dem sie zum ersten Mal als Duo in Erscheinung treten, ist ihr bisher intimstes Werk, aber in seiner ruhigen Art ebenso abenteuerlich und vielschichtig wie seine Vorgänger. Seine gedämpfte Atmosphäre wirkt oft nächtlich. Auch die Songtexte der Eigenkompositionen des Duos sowie der interpretierten Stücke spielen häufig auf Aspekte der Nacht an. Das abwechslungsreiche Programm, das Elina Duni und Rob Luft hier präsentieren, wird von zwei Jazzstandards gerahmt: es beginnt mit "Reaching for the Moon" von Irving Berlin und endet mit “Lonely Woman” von Ornette Coleman. Zu Colemans Komposition schrieb die junge Songschreiberin Margo Guryan im Jahr 1962 einen Text, der mit den Worten "Lonely in the night she wanders …" beginnt.
Der Titelsong, den Irving Berlin ursprünglich für den gleichnamigen Film aus dem Jahr 1930 geschrieben hatte, wurde im Laufe der Jahrzehnte von vielen Jazzsänger/-innen gecovert. Im Film selbst wurde er allerdings nur kurz als Hintergrundmusik instrumental verwendet. Die wohl bekanntesten Interpretationen des Lieds stammen von Ella Fitzgerald und Frank Sinatra. Die Version von “Reaching for the Moon”, die Elina Duni und Rob Luft hier präsentieren, ist sparsam und sehr eindringlich. Die Gitarre begleitet und unterstützt den zart phrasierten Gesang, verziert die Melodie und unterstreicht die Bedeutung des Textes.
Zwei weitere mit Filmen assoziierte Stücke werden von dem Duo geschickt miteinander verwoben: “Yumeji’s Theme” des japanischen Komponisten Shigeru Umebayashi geht nahtlos in “Sleep Safe and Warm” des polnischen Komponisten Krzysztof Komeda über. Letzteres ist ein beunruhigendes Wiegenlied aus Roman Polańskis Horrorfilmklassiker “Rosemary’s Baby” und dürfte ECM-Hörern durch die Interpretationen polnischer Jazzmusiker bekannt sein: Der Trompeter Tomasz Stańko nahm es 1997 für “Litania - Music of Krzysztof Komeda” auf, und das Marcin Wasilewski Trio mit dem schwedischen Tenorsaxofonisten Joakim Milder 2014 für “Spark of Life”. Das sehnsuchtsvolle “Yumeji’s Theme”, das in dem japanischen Film "Yumeji" gespenstische Erscheinungen untermalt, wurde von dem Komponisten später für Wong Kar Wais Film “In the Mood for Love” umfassend neu interpretiert. Elina Duni gleitet hier wortlos durch die Filmthemen und nutzt dabei ihre Stimme als reines Instrument.
Das Kunstlied “Les Berceaux” wurde 1879 von dem französischen Komponisten Gabriel Fauré geschrieben. Mit seinen Bildern von Männern, die es hinaus auf die tückischen Meere zieht, und Frauen, die am Kai zurückbleiben und ihre Kinder in Wiegen schaukeln, hätte es ebenso gut auf das Album “Lost Ships” gepasst. Auch “Cammina Cammina” des italienischen Sängers und Songwriters Pino Daniele führt uns hinunter zum Hafen, wo ein alter Mann im Mondlicht auf den Tod wartet.
In “Ani More Nuse”, einem traditionellen Stück aus dem Kosovo, und in dem von der persischen Sängerin Mahsa Vadat komponierten Wiegenlied "Leili Lullaby" untermalt die polyglotte Elina Duni ihren Gesang mit dezenten Handtrommelrhythmen. In letzterem besticht zudem Rob Luft mit einem eleganten, leichtfüßigen Gitarrensolo.
Die von dem Duo geschriebenen Originale – “Foolish Flame”, “Magnolia” und “Your Arms” – sind Liebeslieder, die sich zwischen Jazz, Folk und Chanson bewegen. Dank ihrer stimmlichen Vielseitigkeit wechselt Elina Duni hier mühelos zwischen den verschiedenen Stilrichtungen. Rob Luft erweist sich als ebenso erfinderisch und greift dabei auf Einflüsse von unter anderem Nick Drake und Bill Frisell zurück.
Am 3. Mai werden Elina Duni und Rob Luft „Reaching for the Moon" beim ECM Festival in Freiburg im Gasthaus zum Raben in Horben/Freiburg vorstellen (Tickets hier).
- 03.05. ECM Festival – Freiburg
- 09.05. Offbeat Jazz Festival – Basel (CH)
- 21.05. Corbak Festival “Around Miles” – La Chaux-du-Milieu (CH)
- 27.05. Treibhaus – Innsbruck (AT)
- 28.05. Moods – Zürich (CH)
- 03.06. BR Clubkonzert, Live-Jazz im Bergson Kunstkraftwerk – München
- 06.06. Les Athénéennes, Temple de la Madeleine – Genf (CH)




