Musik voller magischer Momente

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Das “Paramount” im Namen des neuen Quartetts von Joe Lovano kann durchaus als Absichtserklärung verstanden werden. “Ich habe das Gefühl, dass ich mich gerade im Aufwind befinde”, sagt der 73-jährige Saxofonist enthusiastisch. Dabei erweckt er fast den Eindruck, als wäre ihm seine jahrzehntelange Erfahrung und die mehr als 40 Alben, die er bereits als Bandleader veröffentlicht hat, gar nicht bewusst. “Wir haben mit diesem Quartett einen einzigartigen Punkt erreicht – es ist etwas ganz Besonderes, etwas Neues. Als wir dieses Album mit Manfred [Eicher] im Studio aufnahmen, war ich wirklich begeistert davon, wie sich die Gruppe kontinuierlich weiterentwickelte. Und diese Jungs spielen mit einem echten globalen Bewusstsein!” Die “Jungs”, von denen Lovano spricht, sind der Gitarrist Julian Lage, der Kontrabassist Asante Santi Debriano und der Schlagzeuger Will Calhoun, der durch seine Arbeit mit der Rockband Living Colour bekannt wurde. Auf “Paramount Quartet” trug jeder von ihnen gleichermaßen dazu bei, ein markantes, abenteuerliches neues Kapitel im umfangreichen Œuvre des Saxofonisten mitzugestalten. “Wenn wir miteinander spielen, ergeben sich viele magische Momente”, schwärmt Lovano von seinen neuen Weggefährten. “Und je mehr wir zusammenspielen, desto magischer wird es.”
Die Idee zur Gründung des Paramount Quartet kam dem Saxofonisten vor drei Jahren, als er bei einer Benefizveranstaltung für die Hurrikanopfer in Puerto Rico zum ersten Mal auf Asante Santi Debriano und Will Calhoun traf. Das Trio verstand sich auf Anhieb blendend. “Manchmal trifft man jemanden und es scheint, als würde man sich schon sein ganzes Leben lang kennen”, sagt Lovano. “Genau das ist mir mit Will und Asante passiert.” Julian Lage mit ins Boot zu holen, war für den Saxofonisten der nächste logische Schritt. Die beiden hatten schon vor ungefähr zwanzig Jahren darüber gesprochen, einmal ein gemeinsames Projekt zu verwirklichen. Zu dieser Zeit studierte der Gitarrist noch am Berklee College of Music in Boston und war dort Mitglied eines von Lovano geleiteten Ensembles.
Das Zusammenspiel der vier Musiker ist durchweg beeindruckend. Es kommt sowohl in subtilen, eleganten Balladen als auch in den Stücken, in denen sich das Quartett so richtig austobt, gut zur Geltung. Das Programm des Albums ist breit gefächert und dennoch ausgewogen. Als Opener präsentiert das Paramount Quartet eine unter die Haut gehende Interpretation von Charlie Hadens “First Song”. “Ich bin früher gelegentlich für Ernie Watts in Charlies Quartet West eingesprungen und habe mich damals in diese Melodie verliebt”, erzählt Lovano. “Ich habe mich lange Zeit lang nicht getraut, das Stück anzurühren, bis wir anfingen, es mit Paramount zu spielen. Es hat diese wunderschöne, meditative Qualität.”
Die fünf Eigenkompositionen, die Joe Lovano zum Repertoire beisteuerte, stellen die Flexibilität seiner Mitspieler auf die Probe. Mal sind die Stücke, wie die groovige Post-Bop-Nummer “Fanfare for Unity”, kraftvoll und extrovertiert, dann wieder, wie “The Call”, intim, zart und fast schon sphärisch. Dabei schafft Lovano oft eine weitere dynamische Dimension, wenn er innerhalb der Songs organisch zwischen Tenorsaxofon, Tarogato und Mezzo-Sopransaxofon hin- und herwechselt und dabei die erforderlichen Töne und Klangfarben auslotet.
Die zweite Fremdkomposition des Albums ist Wayne Shorters “Lady Day”. Nach einer wunderbaren Intro von Julian Lage haucht Joe Lovano der Melodie mit lang gehaltenen Tönen neues Leben ein. Als Vorlage für die neue Version diente ein Big-Band-Arrangement, das Michael Gibbs vor ein paar Jahren schrieb, als Joe Lovano eine Künstlerresidenz im italienischen Orvieto hatte. Im Zusammenspiel mit dem Paramount Quartet wurde es auf wunderschöne, magische Weise weiterentwickelt. “Das Thema ist zutiefst bewegend und lässt einen einfach nicht mehr los”, sagt Joe Lovano. “Die Harmonien und der harmonische Rhythmus bieten einem so viele Möglichkeiten. Und dann sind da noch Will, Santi und Julian, die es immer wieder schaffen, während des Spielens aus dem Stegreif neue Impulse zu geben.”




