Blue Note Tone Poet Serie - gelungenes Debüt, brillanter Abgang

Die erste audiophile LP-Serie von Blue Note Records ist ein weltweiter Erfolg. Kuratiert wird sie von Joe Harley, genannt der „Tone Poet“, vom renommierten amerikanischen Vinyl-Label Music Matters. Die Fertigung erfolgt mit rein analogen Produktionsschritten vom Erste-Generation-Masterband bis zur 180g-Pressung bei Record Technology Incorporated (RTI) in den USA. Den luxuriösen Rahmen bilden laminierte Tip-On-Gatefold-Sleeves und wattierte Innenhüllen.
Fred Jackson – Hootin’ ‘n Tootin’
Der Tenorsaxofonist Fred Jackson begann seine Karriere Ende der 1940er Jahre in der Rhythm-’n’-Blues-Szene seiner Heimatstadt Atlanta, Georgia, bevor er durch Auftritte mit Little Richard landesweit bekannt wurde. In den frühen 1960ern unternahm er einen kurzen Ausflug in die Jazzwelt, der von Blue Note Records auf vier Alben dokumentiert wurde. Auf dreien profilierte Jackson sich als Begleiter der Soul-Jazz-Organisten Baby Face Willette und Big John Patton. Darüber hinaus durfte er für das Label am 5. Februar 1962 auch sein einziges Album unter eigenem Namen aufnehmen: “Hootin’ ‘n Tootin’”. Darauf präsentierte er ausschließlich eigene Kompositionen, die stilistisch zwischen funkigem Soul-Jazz und bluesigem Hard Bop pendelten. Für die Aufnahme stellte er ein Quartett aus Musikern zusammen, mit denen er damals im Orchester des Rhythm-’n’-Blues-Sängers Lloyd Price zusammenspielte: Organist Earl Van Dyke, Gitarrist Willie Jones und Schlagzeuger Wilbert Hogan. Stephen Thomas Erlewine bezeichnete “Hootin’ ‘n’ Tootin’” bei AllMusic als “äußerst unterhaltsames Album mit erdigem, bluesigem Soul-Jazz” und bewertete es mit 4,5 Sternen. Mit derselben Besetzung plus dem Bassisten Sam Jones und einem namentlich nicht genannten Perkussionisten absolvierte Jackson zwei Monate später eine weitere Plattensession. Die Aufnahmen dieser Session wurden allerdings erst 1998 in der “Blue Note Connoisseur Series“ als Bonustracks der CD-Edition von “Hootin’ ’n Tootin’” veröffentlicht. Nach seinem kurzen Jazz-Intermezzo kehrte Fred Jackson dann zum Rhythm ‘n’ Blues und Soul zurück, während Pianist und Organist Earl Van Dyke bei Motown die Leitung der legendären Funk Brothers übernahm.
Larry Young – Mother Ship
Mit den Alben, die er ab 1965 für Blue Note Records einspielte, etablierte sich Larry Young als einer der experimentierfreudigsten Hammond-Organisten des Jazz und zudem als origineller Komponist. “Mother Ship”, aufgenommen im Februar 1969, war sein sechstes und letztes Album für das Label. Zu hören ist Young hier im Quartett mit dem Trompeter Lee Morgan, dem weniger bekannten Tenorsaxofonisten Herbert Morgan (der nicht mit Lee verwandt war) und dem sehr dynamischen Schlagzeuger Eddie Gladden. Die beiden Letztgenannten stammten wie Larry Young selbst aus Newark, New Jersey, und hatten bereits auf früheren Alben mit dem Organisten zusammengespielt. Für den brillanten Trompeter war es indes eine neue musikalische Umgebung, die ihn gehörig aus der Reserve lockte. Obwohl “Mother Ship” nur so vor unbändiger kinetischer Energie strotzte und auch ein paar gefühlvollere, groovende Stücke bot, wurde es erst 1980 veröffentlicht – zwei Jahre nach Youngs vorzeitigem Tod im Alter von 38 Jahren. Scott Yanow gab dem Album bei AllMusic vier von fünf Sternen und merkte an: “Young spielt fünf seiner Eigenkompositionen, die vom funkigen ‘Street Scene’ und dem Samba ‘Love Drops’ bis hin zum spacigen ‘Trip Merchant’ und dem komplexen ‘Visions’ reichen. Dieses äußerst originelle Programm hat es nicht verdient, so unbekannt zu sein.”





