Blue Note Tone Poet Serie - Klangpoeten unterschiedlicher Natur

Die erste audiophile LP-Serie von Blue Note Records ist ein weltweiter Erfolg. Kuratiert wird sie von Joe Harley, genannt der „Tone Poet“, vom renommierten amerikanischen Vinyl-Label Music Matters. Die Fertigung erfolgt mit rein analogen Produktionsschritten vom Erste-Generation-Masterband bis zur 180g-Pressung bei Record Technology Incorporated (RTI) in den USA. Den luxuriösen Rahmen bilden laminierte Tip-On-Gatefold-Sleeves und wattierte Innenhüllen.
Andrew Hill – Compulsion!!!!!
Das 1965 für Blue Note aufgenommene Album “Compulsion!!!!!” gilt als eines der kühnsten musikalischen Statements des Pianisten und Komponisten Andrew Hill. Zugleich ist es auch das Blue-Note-Album, dem er die meisten Ausrufezeichen im Titel verpasste. Hill versuchte auf “Compulsion!!!!!”, die Avantgarde durch das Prisma der Wurzeln des Jazz – die afrikanischen Rhythmen – zu betrachten. Entsprechend setzte er sein Klavier in den vier von ihm komponierten Stücken – “Compulsion“, “Legacy”, “Premonition” und “Limbo” - eher perkussiv als melodisch ein. Begleitet wurde er von einem bis zu achtköpfigen, abenteuerlustigen Ensemble: Freddie Hubbard (Trompete und Flügelhorn), John Gilmore (Tenorsaxofon und Bassklarinette), Cecil McBee und Richard Davis (Bass), Joe Chambers (Schlagzeug) sowie Renaud Simmons und Nadi Qamar (Percussion). Stephen Thomas Erlewine gab dem Album bei AllMusic vier von fünf Sternen und schrieb: “Die zusätzliche Perkussion wird größtenteils für die Textur verwendet, ebenso wie der duellierende Bass in ‘Premonition’, und das ist einer der Gründe, warum die Platte so interessant ist – es ist eine provokante, gelegentlich beunruhigende Palette von wechselnden Klangfarben. Hills Kompositionen wirken oft eher wie Skizzen und Entwürfe als wie vollentwickelte Songs. Das ist natürlich nichts Schlechtes, denn diese Herangehensweise lässt den Musikern Raum für Improvisationen und die Entdeckung neuer, suggestiver Klänge.”
The Lawrence Marable Quartet – Tenorman
Den hiesigen Jazzfans dürfte Larance Marable (1929–2012) vor allem als Schlagzeuger des legendären Quartet West von Charlie Haden aus den 1980er und 1990er Jahren noch bestens in Erinnerung sein. Marable, der anfangs unter dem Namen Lawrence auftrat, begann seine Karriere in den 1950er Jahren in Los Angeles. Dort arbeitete er unter anderem mit Größen wie Dexter Gordon, Charlie Parker, Chet Baker, Milt Jackson und Kenny Drew zusammen und avancierte schnell zu einem der meistgefragten Schlagzeuger der West-Coast-Jazz-Szene. In dieser Zeit nahm er auch sein einziges Album als Bandleader auf, das 1956 auf dem Pacific-Jazz-Sublabel Jazz:West erschien. Den Titel “Tenorman” gab Marable dem Album, weil er darauf den damals noch relativ unbekannten, jungen texanischen Tenorsaxofonisten James Clay präsentierte. Clay hatte in Los Angeles zuvor in der Band Jazz Messiahs mit den Avantgardisten Ornette Coleman, Don Cherry und Billy Higgins zusammengespielt und begleitete später über 15 Jahre lang Ray Charles auf Tourneen. Komplettiert wurde das exzellente Quartett, das auf “Tenorman” zu hören ist, durch den quirligen Pianisten Sonny Clark und den zuverlässigen Bassisten Jimmy Bond. Das Repertoire ist eine Mischung aus bestens bekannten Standards (“The Devil And The Deep Blue Sea”, “Easy Living”, “Willow Weep For Me” und “Lover Man“) und drei originellen Kompositionen aus der Feder von Sonny Clark (“Minor Meeting”, “Three Fingers North” und “Marbles”), dem kurze Zeit später mit Hard-Bop-Alben wie “Dial ‘S’ for Sonny”, “Sonny’s Crib” und “Cool Struttin’” der große Durchbruch bei Blue Note gelingen sollte.





