Blue Note Tone Poet Serie - der eine geht, der andere kommt

Die erste audiophile LP-Serie von Blue Note Records ist ein weltweiter Erfolg. Kuratiert wird sie von Joe Harley, genannt der „Tone Poet“, vom renommierten amerikanischen Vinyl-Label Music Matters. Die Fertigung erfolgt mit rein analogen Produktionsschritten vom Erste-Generation-Masterband bis zur 180g-Pressung bei Record Technology Incorporated (RTI) in den USA. Den luxuriösen Rahmen bilden laminierte Tip-On-Gatefold-Sleeves und wattierte Innenhüllen.
McCoy Tyner - Asante
Der Pianist McCoy Tyner ließ sich bei den Aufnahmen, die er gegen Ende der 1960er Jahre für Blue Note machte, bei Stücken wie “African Village” und “Message from the Nile” bereits explizit von “Mutter Afrika” inspirieren. Noch stärker rückte er die afrikanischen Elemente im September 1970 in den vier selbst verfassten Kompositionen von “Asante” in den Vordergrund – seiner letzten Aufnahme für das Label, zu dem er erst Mitte der 1980er Jahre zurückkehrte. Das gesamte Album und insbesondere die abschließende, energiegeladene Nummer ”Fulfillment” sind jedoch auch von Elementen des modalen Jazz geprägt, den Tyner im legendären Quartett von John Coltrane mitentwickelt hatte. Zugleich weist die Musik auf neue kreative Ansätze hin, die der Pianist in der näheren Zukunft verfolgen sollte. Zu hören ist McCoy Tyner hier mit einem außergewöhnlichen Ensemble, bestehend aus Andrew White (Altsaxofon), Ted Dunbar (Gitarre), Buster Williams (Bass), Billy Hart (Schlagzeug und afrikanische Percussion) sowie Mtume (Congas und Percussion). In zwei Stücken – dem 14-minütigen Album-Opener “Malika” und dem Titelsong “Asante” – tritt als Gast die Sängerin Songai Sandra Smith mit ihrer ätherischen Stimme in Erscheinung. Das Album wurde erst 1974 von Blue Note veröffentlicht, nachdem McCoy Tyner bereits eine Reihe sehr erfolgreicher Alben bei seinem neuen Label Milestone vorgelegt hatte.
Dexter Gordon – Dexter Calling
Mitte der 1940er Jahre stieg der aus Los Angeles stammende Dexter Gordon in New York zu einem der führenden Tenorsaxofonisten des Bebop auf. Doch sein Ruhm war zunächst nur von kurzer Dauer. Die 1950er Jahre waren für ihn ein turbulentes Jahrzehnt, in dem er wegen Drogenvergehen häufiger im Gefängnis oder in der Rehabilitation anzutreffen war als auf der Bühne oder im Aufnahmestudio. Das Blatt wendete sich erst 1961, als Gordon einen neuen Plattenvertrag bei Blue Note Records erhielt und eine erstaunliche Karriere-Renaissance startete. Mit den Alben “Doin’ Allright” und “Dexter Calling”, die er im Mai 1961 im Abstand von nur drei Tagen mit zwei vollkommen unterschiedlichen Bands in Rudy Van Gelders Tonstudio in Englewood Cliffs aufnahm, untermauerte er seine Rückkehr zu alter Form mit Bravour. Hervorragend unterstützt von einem fein besetzten Quartett mit dem Pianisten Kenny Drew, dem Bassisten Paul Chambers und dem Schlagzeuger Philly Joe Jones, wechselte der spielfreudige Tenorsaxofonist auf “Dexter Calling” mühelos zwischen energiegeladenen Stücken und gefühlvollen Balladen. Das Set beginnt Dexter besonders elegant mit dem Hard-Bop-Juwel “Soul Sister”. Danach schaltete er in stürmischen Nummern wie “Modal Mood”, “I Want More” und “Clear the Deck” einen Gang höher, um dann in der atemberaubenden Ballade “Ernie’s Tune” wieder das Tempo zu drosseln. Abgeschlossen wird das runde Programm mit einer Interpretation des Charlie-Chaplin-Klassikers “Smile”.





