Verve Acoustic Sounds Serie: Schwanengesang einer Tenorsax-Legende

Mit der Verve Acoustic Sounds Serie bietet Verve Vinyl-Fans in Zusammenarbeit mit dem bekannten amerikanischen Acoustic-Sounds-Label seine erste audiophile LP-Serie. Die Fertigung erfolgt mit rein analogen Produktionsschritten vom Erste-Generation-Masterband bis zur 180g-Pressung bei Quality Record Pressings in den USA. Den luxuriösen Rahmen bieten laminierte Tip-On-Gatefold-Sleeves und wattierte Innenhüllen. Auch Alben von Verve-Schwesterlabels wie Impulse!, Mercury und Emarcy finden sich in der hochwertigen Serie wieder.
Coleman Hawkins, der im Mai 1969 im Alter von 64 Jahren verstarb, ging als einer der einflussreichsten Tenorsaxofonisten und als der erste große Improvisator auf seinem Instrument in die Annalen des Jazz ein. Hawkins machte sich in der Swing-Ära im Orchester von Fletcher Henderson einen Namen, war danach einer der Pioniere des Bebop und hielt bis zu seinem Karriereende Mitte der 1960er Jahre stets mit der Entwicklung des Jazz Schritt. In seiner letzten Schaffensphase zwischen 1960 und 1966 war er unter anderem auf Max Roachs Klassiker „We Insist!” und zusammen mit Sonny Rollins auf dem gemeinsamen Album „Sonny Meets Hawk!” zu hören. Darüber hinaus spielte er in diesen Jahren vier exzellente Alben für das Label Impulse! Records ein.
Das im Frühjahr 1965 aufgenommene und von Bob Thiele produzierte Album „Wrapped Tight“ war die letzte Aufnahme von Coleman Hawkins als Bandleader, die noch zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurde. Zu hören ist der Tenorsaxofonist hier im Sextett mit den alternierenden Trompetern Bill Berry und Snooky Young, dem Posaunisten Urbie Green, dem Pianisten Barry Harris, dem Bassisten Buddy Catlett und dem Schlagzeuger Eddie Locke. Das Repertoire bot eine gelungene Mischung aus seltener zu hörenden Standards, zeitgenössischen Kompositionen, einer alten Filmmusik („Intermezzo” von Heinz Provost) sowie einem Original von Hawkins („She’s Fit“).
Scott Yanow bewertete das Album in seiner Rezension bei AllMusic mit vier Sternen und schrieb: „Auf Hawkins’ letzter starker Aufnahme improvisiert der Veteran – 43 Jahre nach seinem Plattendebüt mit Mamie Smiths Jazz Hounds – kreativ über ein breit gefächertes Repertoire. […] Glanzstück ist eine gewagte Version von ‚Out of Nowhere‘, die zeigt, dass der Tenorsaxofonist auch 1965 noch neue Ideen hatte.“ Im afro-amerikanischen Magazin Negro Digest hieß es wiederum: „Das Album erteilt der oft von Sektenmentalität geprägten Welt des Jazz eine dringend benötigte Lektion: dass echte Kunst für sich selbst steht und über die Oberflächlichkeiten von Form, Stil und Mode hinausgeht.“





