John Coltrane: ARTE-Doku „Der Atem des Jazz“

Vom Hardbop über die legendären Aufnahmen mit Miles Davis bis zur spirituellen Wucht von „A Love Supreme“ und den immer freieren Klängen seiner letzten Jahre: John Coltranes Entwicklung verlief in einem Tempo, das selbst für den an Umbrüchen nicht gerade armen Jazz der 1950er und 1960er Jahre außergewöhnlich war. In kaum mehr als einem Jahrzehnt wurde aus dem gefragten Sideman einer der einflussreichsten Musiker des modernen Jazz.
Genau dieser rastlosen Suche spürt Regisseur John Scheinfeld in seinem Dokumentarfilm „John Coltrane – Der Atem des Jazz“ („Chasing Trane“) nach. Dabei geht es nicht allein um die Stationen einer außergewöhnlichen Karriere, sondern um die Frage, was Coltrane antrieb: sein obsessives Arbeiten am eigenen Ton, die Suche nach neuen harmonischen und improvisatorischen Möglichkeiten und schließlich die immer stärkere Verbindung von Musik und Spiritualität.
Weil Coltrane selbst keine gefilmten Interviews hinterlassen hat, nähert sich Scheinfeld ihm über seltenes Archivmaterial, private Aufnahmen und schriftliche Zeugnisse. Weggefährten und Bewunderer wie Sonny Rollins und Carlos Santana kommen zu Wort, ebenso der Philosoph Cornel West und der frühere US-Präsident Bill Clinton.
Vor allem aber erinnert der Film daran, wie ungeheuer viel musikalisches Terrain Coltrane in seinem kurzen Leben durchmaß – und warum Aufnahmen wie „Giant Steps“, „My Favorite Things“, „Impressions“ oder „A Love Supreme“ auch Jahrzehnte später nichts von ihrer Sogwirkung verloren haben.
Für alle, die Coltranes Musik lieben, eine gute Gelegenheit zur Wiederbegegnung. Und für alle, die bislang nur seinen Namen und ein paar Klassiker kennen, ein guter Einstieg in einen der faszinierendsten Werkkataloge des Jazz.
„John Coltrane – Der Atem des Jazz“ ist derzeit in der ARTE-Mediathek und auf YouTube (unter dem alternativen Titel “John Coltrane: Vom Kampf gegen die Sucht zu ‘A Love Supreme’”) verfügbar. Im Fernsehen zeigt ARTE die Dokumentation am 9. Oktober 2026 um 23:05 Uhr.





