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Rezensionen von Jacky Terrasson

Justin Bieber auf den Zahn gefühlt – Jacky Terrasson mit dem neuen Album "Gouache
Für den Jazz adaptierte Popsongs sind schon seit einer halben Ewigkeit keine Seltenheit mehr. In vielen Fällen ist dem heutigen Jazzpublikum gar nicht bewusst, dass die von ihnen heißgeliebten Klassiker einst poppige Zuckerware waren. So erhob Ella Fitzgerald bereits 1938 den Kinderreim “A-Tisket, A-Tasket” in den Rang eines Jazzstandards. In den 1960er Jahren gehörte es für viele Jazzer fast schon zum guten Ton, den einen oder anderen Beatles-Song im Repertoire zu haben. Trotzdem gelingt es einigen Musikern immer wieder mit ihrer Songauswahl für Wirbel zu sorgen: etwa Miles Davis 1985, als er Cyndi Laupers “Time After Time” und Michael Jacksons “Human Nature” interpretierte. Herbie Hancock nahm 1996 gleich ein ganzes Album mit Pop- und Rock-Hits auf, dem er den treffenden Namen “The New Standard” gab: es enthielt u.a. Songs von Prince, Nirvana, Peter Gabriel und Sade. Und der italienische Trompeter Enrico Rava verblüffte auf “Rava On The Dance Floor” erst letzte Woche mit einer Michael-Jackson-Hommage. Auch Pianist Jacky Terrasson dürfte mit seinem neuen Album “Gouache” Schlagzeilen machen: Denn darauf knöpfte er sich neben Amy Winehouses “Rehab” auch Justin Biebers Teeny-Schmachtfetzen “Baby” vor. Und dies in geradezu genialer Weise. Jacky Terrasson verbarrikadiert sich nicht hinter ästhetischen oder stilistischen Konventionen Es ist schon seit langem kein Geheimnis, dass Jacky Terrasson gerne weit über den Tellerrand des Jazz hinausschaut. Auch “Gouache” wartet mit einem erstaunlich eklektischen Repertoire auf. Jacky Terrasson verbarrikadiert sich nicht hinter irgendwelchen ästhetischen oder stilistischen Konventionen. Es gibt nichts, was er so sehr liebt wie die Standards der Popmusik auszutricksen. Dabei folgt er einem Prinzip, das so alt ist wie der Jazz selbst, und passt es an heutige Gegebenheiten an. In der Vergangenheit präsentierte er Stücke von Stevie Wonder, Michael Jackson oder Henri Salvador. Diesmal bediente er sich bei Amy Winehouse, Justin Bieber und John Lennon (“Oh My Love”), darüber hinaus aber auch bei Erik Satie (“Je te veux”), Sonny Rollins (“Valse Hot”) und Henri Betti (“C’est si bon”). Kein Akt der Provokation, sondern reiner Spaß Doch seine Coverversionen sind keine ordinären Kopien oder Interpretationen. Der Pianist zerlegt die Vorlagen mit hörbaren Vergnügen, bevor er sie neu zusammensetzt und so auf ein anderes Niveau hebt. Er transformiert sie durch Tempo- und Harmoniewechsel sowie durch seine einzigartige Interpretationskunst. “Mir macht es sehr viel mehr Spaß, solche Stücke zu spielen, die sozusagen von der Straße kommen, als normale Standards zu interpretieren”, sagt der Franko-Amerikaner. “Aber ich möchte damit keineswegs provozieren, auch wenn mir der Jazz manchmal erschreckend konservativ vorkommt.” Special Guests: Michel Portal, Stéphane Belmondo & Cécile McLorin Salvant In Kontrabassist Burniss Earl Travis und Schlagzeuger Justin Faulkner fand er für sein derzeitiges Trio die optimalen Partner. Beide lassen sich von Terrassons flotten Drehungen und Wendungen nicht aus der Kurve tragen oder abschütteln. Ganz im Gegenteil: Die beiden Youngster (Burniss ist 25 Jahre alt, Justin gerade einmal 21) verstehen es, ihn anzustacheln und an seine Grenzen zu treiben. Verstärkt wird das Trio gelegentlich durch den argentinischen Perkussionisten Minino Garay. Darüber hinaus treten auf “Gouache” noch zwei Gäste in Erscheinung, die zu den ganz Großen aus der zeitgenössischen französischen Jazzszene zählen: Klarinettist Michel Portal und Trompeter/Flügelhornist Stéphane Belmondo. Und dann ist da noch ein ganz besonderer Gast: die junge, hochtalentierte (und ebenfalls französische) Sängerin Cécile McLorin Salvant, die 2010 die Thelonious Monk International Jazz Competition gewann – einen renommierten Nachwuchswettbewerb, den Jacky Terrasson selbst 1993 gewonnen hatte. Der Albumtitel “Gouache” ist so doppeldeutig wie Terrassons Musik Der Titel des Albums scheint auf den ersten Blick keinerlei Erklärung zu bedürfen: Der Begriff Gouache ist auch in Deutschland bestens bekannt. Doch hier hat er auch noch eine andere Bedeutung. “Klangfarben spielen bei meiner Musik natürlich eine wichtige Rolle, und wenn ich spiele, haben die Dinge, die mir durch den Kopf gehen, natürlich Farben”, erläutert Jacky Terrasson. “Aber das Album ist auch nach einem umgangssprachlichen französischen Ausdruck betitelt, den ich erst kürzlich entdeckt habe: Wenn eine Person auf etwas wirklich heiß ist, dann sagt man, sie ‘hat Gouache’. Das reflektiert meiner Ansicht nach sehr gut die Musik, die wir spielen, und wie ich mich fühlte, als wir sie spielten.”
vor 8 Jahren
Jacky Terrasson
Am Wendepunkt
Keine Frage: Jacky Terrasson hat Chuzpe. Die braucht man zweifellos auch, um auf die zunächst völlig absurd anmutende Idee zu kommen, Michael Jacksons “Beat It” mit dem 30er-Jahre-Jazzstandard “Body And Soul” zu einem neuen Song zusammenzuschmieden. Doch für Überraschungen solchen Kalibers ist der Pianist, der 1966 als Sohn einer Amerikanerin und eines Franzosen in Berlin zur Welt kam, immer schon gut gewesen. Seit er 1993 den Thelonious-Monk-Pianistenwettbewerb gewann, zählt er zu den ganz großen unter den jungen Jazzpianisten. Nach zehn glänzenden Alben für das Traditionslabel Blue Note wagt er nun bei Concord Records mit dem Album “Push” einen atemberaubenden Neuanfang. Und der Name des Albums ist zugleich Programm. “‘Push’ steht dafür, etwas voranzutreiben, in neue Richtungen zu pushen”, meint der Pianist. “Und genau darum geht es auf diesem Album. Ich bin definitiv an einen Wendepunkt gelangt. Ich bin jetzt bei einem neuen Label, und deshalb war es für mich wichtig, die Sachen einmal anders anzugehen. Ich wollte ein anderes Klangbild, und ich wollte mich musikalisch mit dem auseinandersetzen, was mich in den letzten Jahren so persönlich beschäftigt hat.” Terrasson sondiert hier nicht nur neue Klänge, Grooves, Beats und Vibes, sondern präsentiert sich in zwei Nummern auch erstmals als Vokalist. “Ich weiß, dass ich kein Sänger bin”, gesteht er lachend. “Aber ich habe diese Stimme seit Jahren in meinem Kopf gehört und dachte jetzt: warum eigentlich nicht? Ich musste mir nur selbst einen kleinen Anstoss geben.” 
vor 11 Jahren
Jacky Terrasson

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