Blue Note Classic Vinyl Serie: Frisch und relevant seit 50 Jahren

Die Blue Note Classic Vinyl Serie macht die klassischen Alben des Labels zum attraktiven Preis dauerhaft verfügbar. Die ersten Folgen erschienen bereits 2019 zum achtzigsten Labeljubiläum unter dem Serientitel Blue Note 80. Gemastert werden die LPs von Kevin Gray bei Cohearent Audio in den USA, gepresst in 180g bei Optimal in Deutschland. Original-Coverdesign und cellophanierte Innenhüllen gehören bei dieser Serie zum guten Ton.
Der aus Brooklyn, New York, stammende Trompeter Eddie Gale (1941–2020) hatte als Schüler des großen Kenny Dorham bereits die Weichen für eine glänzende Karriere in der boomenden Hard-Bop-Szene gestellt. Nach Jamsessions mit Größen wie Art Blakey, Max Roach, Illinois Jacquet, Booker Ervin, Sonny Stitt und Jackie McLean schien sein Weg zum Label Blue Note vorgezeichnet. Doch dann hatte er Mitte der 1960er Jahre durch die Begegnung mit Sun Ra eine musikalische Offenbarung. „Mit Sun Ra zu spielen, ist eine großartige Erfahrung – ein Schritt vom Bekannten zum Unbekannten“, erinnerte er sich später. „Man spielt auf seinem Instrument Dinge, die man sich nie hätte vorstellen können.“ Auf seine erste Aufnahme mit Sun Ra („Secrets of the Sun“, 1965) folgte eine mit dem Pianisten Cecil Taylor („Unit Structures“, 1966), die den Trompeter schließlich zu Blue Note führte. Doch nicht als Hard-Bopper.
Auf seinem beeindruckenden Blue-Note-Debütalbum „Ghetto Music“ verband Eddie Gale 1968 seinen eigenen avantgardistischen Ansatz nahtlos mit Gospel, Soul, Blues und Einflüssen afrikanischer Musik. Diese Linie verfolgte er ein Jahr später auf seinem zweiten Blue-Note-Album „Black Rhythm Happening“ weiter. Wie auf dem Vorgängeralbum ist der Trompeter auch hier mit einer außergewöhnlichen Band zu hören: den Saxofonisten Jimmy Lyons, Roland Alexander und Russell Lyle, den Bassisten Henry Pearson und Judah Samuel, den Schlagzeugern/Perkussionisten Elvin Jones und John Robinson sowie seiner Schwester Joanne Gale Stevens an der Gitarre. Dazu gesellte sich außerdem das achtköpfige Gesangsensemble The Noble Gale Singers.
In einer Rezension des Albums schrieb das US-Jazzmagazin DownBeat damals: „Die Zukunft des Jazz hängt von Musikern wie Eddie Gale ab, die das Vokabular des Genres erweitern.“ Auch Jahrzehnte später ist dieses Album noch immer aktuell, wie aus der Rezension von Thom Jurek für AllMusic aus dem Jahr 2010 hervorgeht: „‚Black Rhythm Happening‘ ist eine zeitlose, atemberaubende Aufnahme, die im 21. Jahrhundert genauso zukunftsweisend und kämpferisch klingt wie schon 1969.“





