Swingender Klassiker – Friedrich-Gulda-Boxset im Pressespiegel
Im November erschien ein imposantes 84-CD-Boxset des Pianisten und Komponisten Friedrich Gulda. Im rundum positiven Pressespiegel wird auch sein Jazz-Werk hervorgehoben.
Friedrich Gulda Edition(c) Deutsche Grammophon
22.01.2026
„Der Spirit von Gulda steht für Kreativität und Abenteuer in der Musik“ sagte Jazz-Legende Chick Corea einmal über den charismatischen österreichischen Pianisten Friedrich Gulda (1930–2000), der nach seinem Sieg beim Genfer Musikwettbewerb im Alter von nur 16 Jahren eine lange und unkonventionelle Karriere feierte. Als eloquenter Virtuose im klassischen Repertoire machte er sich zugleich als Jazz-Improvisator einen Namen, komponierte höchst eigenwillige Werke und griff bereits früh die Idee des musikalischen Crossover auf – mit Programmen, die, so Gramophone, “die Klassik-Puristen in Aufruhr versetzten”.
Im November letzten Jahres erschienen – von Fans lange gefordert – erstmals seine sämtlichen Aufnahmen für die Labels Deutsche Grammophon, Amadeo, Decca, Philips und Accord als Box mit 84 CDs und einer DVD. Die “Friedrich Gulda Edition“ vereint die Lieblingskomponisten des Pianisten – Bach, Mozart und Beethoven -, Jazz-Ikonen wie Chick Corea und Dizzy Gillespie und Werke von Gulda selbst sowie von Chopin, Debussy, Prokofjew und vielen weiteren.
Wo seine Genre-sprengenden Konzerte und Schallplattenaufnahmen zur Entstehungszeit oft noch Ratlosigkeit und Entsetzen auslösten, ist sich die Musikpresse heute einig, dass Gulda ein Musiker von bewundernswerter und nahezu beispielloser Vielseitigkeit war. Das spiegelt auch das Presse-Echo auf die “Friedrich Gulda Edition“ wider:
Rheinische Post: “Ein herrlicher Gewinn der Box ist, dass wir uns fundamental den Jazzer Gulda vornehmen können… Es gibt da Big-Band-Arrangements aus seiner Feder, die einen aus den Pantinen heben.“
Süddeutsche Zeitung: ”Guldas musikalisches Herz war groß, es hatten darin nicht nur Bach und die Wiener Klassiker, sondern auch Debussy, Big-Band-Swing und eigene Improvisationen genug Platz. Die große Freiheit vermutete er, mehr noch als in eigenen Kompositionen, im Jazz, 'wo das Leben noch Lust, Leid und Risiko ist und nicht vom Staat geschützte Gleichförmigkeit und Langeweile‘, wie er es in den späten 1960er-Jahren propagierte."
WELT: “Und sogar der mitunter wild improvisierende Jazzer aus Lebenslust, kann rehabilitiert werden: Mit dem frühen Album 'Live at Birdland‘, wo Friedrich der Große 1958 im legendären Jazzclub mit einem illustren Sextett die amerikanische Fachpresse begeisterte, während in Europa sich die Klassikszene empörte. Locker und souverän wandelt Gulda hier als Wanderer zwischen Musikwelten.“
Rondo: ”… wer glaubt seinen Gulda gut zu kennen, dürfte mehr als einmal mit offenem Mund zuhören: Wer hätte gedacht, dass er so virtuos Jazz-Blockflöte blies, ausgerechnet dieses im Jazz vernachlässigte Instrument! Oder auf gutem solistischem Niveau Baritonsaxofon? In dieser Box kann man nachhören, dass er, wie eines der Alben heißt, nicht nur ein Jahrhundertpianist war, sondern tatsächlich ein 'Complete Musician‘".
Die derart gepriesene CD-Box ist im Tonträgerhandel und im JazzEcho-Store erhältlich. Ein umfangreiches Begleitheft enthält Essays der Gulda-Biografin Irene Suchy und des Journalisten Reinhard Brembeck, einen Beitrag zum Münchner Klaviersommer, nach Labels geordnete Titel und viele seltene Fotografien. Für die CDs wurden Sleeves mit den originalen Covern gefertigt. Rund 100 Stunden Musik sind zu hören.