Verve Vault Serie – Begegnungen mit phänomenalem Ausgang
Während Tenorsaxofonist Sonny Rollins 1957 auf dem Album “Brass/Trio” auf Ernie Wilkins’ Big Band traf, organisierte Produzent Norman Granz im selben Jahr die einzige Studiosession von “Stan Getz and the Oscar Peterson Trio”.
Verve Vault Serie - Sonny Rollins / Stan Getz - Oscar Peterson(c) Verve Records
12.02.2026
Verve Vault heißt die neue LP-Serie des legendären Verve-Labels, die mit zwei Veröffentlichungen pro Monat die Herzen von Jazz- und Vinylfans höherschlagen lassen will. Obwohl die LPs moderat gepreist sind, wird in allen Aspekten auf Qualität geachtet: Alle Titel werden von Ryan K. Smith bei Sterling Sound von den analogen Originalbändern geschnitten und gemastert und bei Optimal auf 180-Gramm-Vinyl gepresst. Die ikonischen Artworks werden unverändert und liebevoll faksimiliert, sofern es sich im Original um Gatefold-Hüllen handelte, werden diese beibehalten. Das Repertoire der Serie setzt sich aus berühmten Klassikern sowie zeitlosen Perlen von Verve und den Schwesterlabels Impulse!, Mercury, Polydor u.a. zusammen.
Sonny Rollins – Brass/Trio
Obwohl das Label MetroJazz nicht einmal ein ganzes Jahr lang unter dem Dach von MGM Records existierte, gelang es Leonard Feather in diesem kurzen Zeitraum, fünfzehn außergewöhnliche Alben zu produzieren. Ein Album, das besonders herausragte, war “Sonny Rollins And the Big Brass”, das 1958 von Verve Records noch einmal unter dem Titel “Brass/Trio” neu aufgelegt wurde. Für die vier Stücke der A-Seite ging der Tenorsaxofonist am 11. Juli 1957 mit einer von Ernie Wilkins arrangierten und geleiteten Big Band ins Studio. Die Besetzung umfasste acht Blechbläser – darunter der Kornettist Nat Adderley, die Trompeter Ernie Royal und Clark Terry, die Posaunisten Jimmy Cleveland und Frank Rehak sowie der Tubist Don Butterfield – und eine vierköpfige Rhythmusgruppe mit dem Pianisten Dick Katz, dem Gitarristen René Thomas, dem Bassisten Henry Grimes und dem Schlagzeuger Roy Haynes. In den Standards “Who Cares?” und “Love is a Simple Thing”, Rollins’ Eigenkomposition “Grand Street” und Wilkins’ “Far Out East” bildet die Big Band eine kraftvoll swingende, harmonisch reiche Kulisse für Rollins. Auf der bereits einen Tag zuvor eingespielten B-Seite ist Rollins zunächst in drei Standards im agilen Trio-Zusammenspiel mit Henry Grimes und dem Schlagzeuger Specs Wright zu hören. Zum krönenden Abschluss des Albums glänzt er dann noch in “Body and Soul” als unbegleiteter Tenorsaxofon-Solist.
Stan Getz and the Oscar Peterson Trio
Am 10. Oktober 1957 kam es in den Capitol Studios in Hollywood, Los Angeles, zum einzigen dokumentierten Studio-Zusammentreffen zweier gegensätzlicher, aber komplementärer Jazzgrößen: dem entspannten Tenorsaxofonisten Stan Getz und dem legendären Oscar Peterson Trio. Das schlagzeugerlose Trio, das der Pianist zwischen 1953 und 1958 mit dem Gitarristen Herb Ellis und dem Bassisten Ray Brown bildete, galt damals als eine der geschlossensten und swingendsten Rhythmusgruppen des Jazz. Der Impresario und Produzent Norman Granz kombinierte es sowohl bei Auftritten – oft in der Reihe “Jazz at the Philharmonic” – als auch im Aufnahmestudio gerne mit namhaften Gastsolisten. Nur drei Tage vor dem Studiotermin hatte das eingespielte Trio, verstärkt durch den Schlagzeuger Connie Kay, Stan Getz und den Posaunisten J. J. Johnson bei einem Konzert im Shrine Auditorium in Los Angeles begleitet. Im Studio gab das Oscar Peterson Trio dem Tenorsaxofonisten Raum, sich in einem Programm aus Standards und den beiden Getz-Kompositionen “Tour’s End” und “Bronx Blues” zu entfalten. Ein Höhepunkt des Albums ist ein zehnminütiges Balladen-Medley aus nicht weniger als fünf bekannten balladesken Jazzstandards. Michael G. Nastos gab dem Album bei AllMusic viereinhalb von fünf möglichen Sternen und schrieb: “Peterson klingt bei dieser Aufnahme ziemlich entspannt, wohl wissend, dass auch Getz nicht jedes Stück zerschreddern würde, das sie spielten. Mit dem Gitarristen Herb Ellis und dem Bassisten Ray Brown verfügt das Quartett auch ohne formellen Taktgeber über den nötigen rhythmischen Zusammenhalt. Zudem interagieren die Musiker auf eine fast schon telepathische oder magische Art und Weise. Kurz gesagt: Das Quartett ist so in seinem Element, wie es nur wenige Bands in einer Studioumgebung sind.”