Kenny Burrell - Improvisation und Pop Art

“Meine Inspiration verdanke ich vor allem Duke Ellington”, meinte Gitarrist Kenny Burrell einmal. “Er sagte mir: ‘Du bist einzigartig, sei du selbst, zeig allen, wer du bist.” Kurios ist, dass der aus Detroit stammende Burrell im Laufe seiner mittlerweile 65 Jahre umspannenden Karriere mit zahllosen anderen Größen des Jazz spielte, nie aber mit seinem Vorbild Duke Ellington, der ihn einmal sogar als seinen Lieblingsgitarristen bezeichnete. Bereits in seiner College-Zeit spielte Burrell in einer Band mit Donald Byrd, Elvin Jones, Yusef Lateef und Pepper Adams. Erste Aufnahmen machte Burrell mit zwanzig Jahren als Mitglied des Dizzy Gillespie Sextett. Später arbeitete er u.a. mit Oscar Peterson, Tony Bennett, Billie Holiday, Jimmy Smith, John Coltrane und Gil Evans. Und auch James Brown, der “Godfather of Soul”, griff mehr als einmal auf die Dienste des vielseitigen Gitarristen zurück.
1956 ging Burrell von Detroit nach New York, wo er gleich einen Plattenvertrag von Blue Note Records erhielt. Für das Label sollte er als Solist und Sideman in den folgenden Jahren viele seiner wichtigsten Alben einspielen. Seit 1978 lehrt Kenny Burrell außerdem an der University of Califonia in Los Angeles, wo er zum Direktor für Jazzstudien aufstieg und u.a. der Mentor von Kamasi Washington und Gretchen Parlato war. Die preiswerte “5 Original Albums”-Box versammelt nun fünf bedeutende Alben, die Kenny Burrell zwischen 1956 und 1959 für Blue Note einspielte. Nebenbei kann man seine Coverkunst-Sammlung um frühe Andy-Wahrhol-Werke bereichern, denn die Zeichnungen, die die Alben “Kenny Burrell”, “Blue Lights Vol. 1” und “Blue Lights Vol. 2” zieren, entstammen der Feder des später weltbekannten Pop Art-Künstlers. Ausgestattet ist die Box mit Original-LP-Artworks, Stecktaschen-CDs und einem attraktiven Schuber.
Introducing Kenny Burrell (1956)
Als Blue Note im September 1956 das Album “Introducing Kenny Burrell” veröffentlichte, musste man den damals 25-jährigen Gitarristen der Jazzwelt eigentlich schon gar nicht mehr vorstellen. Das hatten zu diesem Zeitpunkt schon längst Einspielungen von Dizzy Gillespie, Kenny Dorham und Billie Holiday erledigt, auf denen Burrell geglänzt hatte. Auf seinem Debütalbum zeigte er, warum ihm Pat Metheny später bescheinigte, “maßgeblich zur Evolution der Gitarre als Jazzinstrument” beigetragen zu haben.
Kenny Burrell (1956)
Da Burrell bei der Session für “Introducing Kenny Burrell” großzügig mehr exzellente Tracks eingespielt hatte, als auf eine Platte passten, brachte Blue Note diese Bonus-Tracks mit einigen schon ein paar Monate zuvor gemachten Aufnahmen auf dem schlicht betitelten Album “Kenny Burrell” heraus. Erneut ist der Gitarrist mit der beeindruckenden All-Star-Besetzung seines Debüts zu hören: Pianist Tommy Flanagan, Bassist Paul Chambers, Drummer Kenny Clarke und Perkussionist Candido. Dazu gesellen sich außerdem noch Tenorsaxophonist Frank Foster, Bassist Oscar Pettiford und Schlagzeuger Shadow Wilson.
Blue Lights Vol. 1 & 2 (1958)
Zu Top-Form lief Kenny Burrell auch im Mai 1958 auf, als er mit dem sträflich unterbewerteten Trompeter Louis Smith (Cousin des wesentlich bekannteren Trompeters Booker Little), den beiden robusten Hard-Bop-Tenoristen Tina Brooks und Junior Cook, den Pianisten Duke Jordan und Bobby Timmons, Bassist Sam Brown und Schlagzeuger Art Blakey ins Studio ging. Die intensive Session lieferte genug hochkarätiges Material für gleich zwei Alben.
On View At The Five Spot Café (1959)
In den 1950er und 1960er Jahren konnte Kenny Burrell stets auf die besten Musiker zurückgreifen, die die New Yorker Jazzszene zu bieten hatte. So auch im August 1959 bei seinem Auftritt im bekannten New Yorker Five Spot Café, bei dem ihm bewährte Partner wie Art Blakey, Tina Brooks, Bobby Timmons, Roland Hanna und Bassist Ben Tucker zur Seite standen. Nach Ansicht des früheren Police-Gitarristen Andy Summers spielte Burrell dabei in “Lover Man” “eines der besten Jazzgitarrensoli, die je aufgenommen wurden”.





