Wieder auf Vinyl - Meisterwerke der Brasil-Musik

Die 1960er und frühen 1970er Jahre standen in Brasilien musikalisch ganz im Zeichen großer jährlicher Songfestivals, die live im Radio und Fernsehen übertragen wurden und sich beim Publikum immenser Beliebtheit erfreuten. Die Festivals, die zugleich Wettbewerbe waren, brachten eine Flut neuer, außergewöhnlich talentierter Künstler und Künstlerinnen hervor. Viele von ihnen legten mit ihren Auftritten den Grundstein für eine beachtliche internationale Karriere. Nun werden fünf legendäre MPB-Alben in einer Sonderedition auf teils farbigem Vinyl neu herausgebracht. Jedes der Alben gilt als Meilenstein der lebendigen und facettenreichen brasilianischen Musik. Die ersten drei Titel sind ab sofort erhältlich, zwei weitere – “Louvação” (1967) von Gilberto Gil und “Vida” (1980) von Chico Buarque – folgen im Juni.
Gal Costa & Caetano Veloso – Domingo
Die 20-jährige Gal Costa und der drei Jahre ältere Caetano Veloso begannen ihre Plattenkarriere im Jahr 1965 mit der Veröffentlichung einiger Singles zunächst getrennt voneinander. Zwei Jahre später erhielten die beiden angehenden Gesangsstars aus Bahia die Chance, ihr erstes Album “Domingo” für Philips gemeinsam aufzunehmen. Dabei traten sie abwechselnd solo und dreimal im Duo auf. Obwohl der Bossa-Nova-Einfluss in ihrem Sound und ihren Darbietungen deutlich spürbar ist – beide waren Fans des ebenfalls aus Bahia stammenden João Gilberto -, stammte das Repertoire des Albums von Komponisten einer neuen Generation wie Edu Lobo (“Candeias”), Gilberto Gil und Torquato Neto (“Minha Senhora” und “Zabelê”). Sieben Stücke (darunter “Coração Vagabundo”, das Titelstück “Domingo”, “Remelexo” und “Quem Me Dera”), hatte Caetano im Alleingang selbst geschrieben. Produziert wurde das Album von Dori Caymmi, der neben Francis Hime und Roberto Menescal auch einige der Arrangements anfertigte. AllMusic beschreibt “Domingo” als eine "entspannte Post-Bossa-Nova-Aufnahme, die sich durch feinen Gesang und sehr gute Songs auszeichnet”. Das Album, das die Karriere zweier der größten Stars der MPB lancierte, erscheint nun in einer Neuauflage auf schwarzem Vinyl.
Elis Regina – Elis
Als Elis Regina 1982 im Alter von nur 36 Jahren starb, verlor die Musikszene Brasiliens eine ihrer besten und charmantesten Stimmen. Die aus dem südlichen Porto Alegre stammende Sängerin war so populär, dass die Plattenfirmen sich nicht einmal Mühe machen mussten, ihren Alben verlockende Titel zu geben. Allein sechs trugen schlichtweg ihren Vornamen “Elis”. So auch dieses Album aus dem Jahr 1972, bei dem Elis Regina erstmals mit dem Produzenten und Gitarristen Roberto Menescal zusammenarbeitete. Er stand ihr auch bei der Auswahl des Repertoires kundig zur Seite. Elis interpretiert hier unter anderem zeitgenössische Songs von Sueli Costa (“20 Anos Blue”), João Bosco (“Bala com Bala”), Milton Nascimento (“Nada Será como Antes” und “Cais”), Chico Buarque (“Atrás da Porta”), Ivan Lins (“Me Deixa em Paz”) und Zé Rodrix (“Casa no Campo”). Das Album enthält zudem eine Version von Tom Jobims “Águas de Março”, das sie zwei Jahre später noch einmal im Duett mit dem Komponisten für das gemeinsame Album “Elis & Tom” aufnehmen sollte. Zugleich arbeitete Elis hier erstmals mit dem Arrangeur und Pianisten César Camargo Mariano zusammen, der später ihr zweiter Ehemann wurde. Sein Einfluss ist vor allem in den jazzig-bluesigen Arrangements einiger Stücke zu spüren. Für die Neuauflage auf schwarzem Vinyl hat der Produzent und Schlagzeuger João Marcello Bôscoli, einer der Söhne der Sängerin, dieses außergewöhnliche Album neu abgemischt und gemastert.
Caetano Veloso – Transa
In den sieben Jahren, die seit der Aufnahme seines Debütalbums “Domingo” verstrichen waren, hatte sich Caetano Veloso künstlerisch enorm weiterentwickelt. Mit seinen Songs rief er in dieser Zeit immer wieder die Zensurbehörden der brasilianischen Militärdiktatur auf den Plan. Unter einem Vorwand wurde er er im Dezember 1968 und im Februar 1969 zusammen mit Gilberto Gil zweimal verhaftet. Nach Verbüßung der Strafe musste er ins Exil nach London gehen. Dort spielte er 1971 sein sechstes Album “Transa” ein, auf dem er eine wilde Mischung aus MPB, Tropicália, progressivem Folk, Afoxé und Rock präsentierte und in seinen Songs Klassiker einiger Bossa- und Samba-Größen raffiniert zitierte. Produziert wurde das Album von dem britischen Keyboarder Ralph Mace, der damals zur Tourband von David Bowie gehörte. In seiner Autobiografie “Verdade Tropical” bezeichnete Caetano “Transa” als eine seiner Lieblingsplatten, da er darauf ein höheres musikalisches Niveau als je zuvor erreicht habe. Der Klassiker erscheint nun in einer Neuauflage auf grauem Vinyl, das spektakuläre Trifold-Cover der Erstausgabe wird hier detailliert und aufwändig nachempfunden.





