Paul Motian | Aktuelle News und Rezensionen

Rezensionen von Paul Motian

Vier Asse trumpfen auf – “Live At Birdland” von Lee Konitz, Paul Motian, Charlie Haden und Brad Mehldau
Für den heute 83-jährigen Lee Konitz ist das Birdland eine Art zweites Wohnzimmer. Als der Club 1949 am Broadway unter der Hausnummer 1678 in Uptown Manhattan die Türen öffnete, mauserte sich der Altsaxophonist dort bald zu einer der regelmäßigen Attraktionen. Bis das nach dem Spitznamen von Charlie “Bird” Parker benannte Etablissement 1965 schließen musste, trat Konitz dort unzählige Male auf. Und als das Birdland 1986 unter neuer Adresse Wiederauferstehung feierte, wurde er sofort wieder zu einem der Stammgäste. So wie auch nach einem weiteren Umzug nach Midtown Manhattan. Kein Wunder also, dass der Veteran gerade diesen Club als Bühne auserwählte, als er im Dezember 2009 mit einem All-Star-Quartett für ECM ein neues Live-Album einspielen konnte: Auf “Live At Birdland” befindet sich Konitz in der illustren Gesellschaft von Schlagzeuger Paul Motian, Bassist Charlie Haden und Pianist Brad Mehldau. Das Quartett spielt zwar ein reines Standards-Programm, profitiert aber vom immensen Erfahrungsschatz und der ungebrochenen Innovationslust seiner Protagonisten. Während die meisten Musiker ab einem gewissen Alter konservativer werden und auf Nummer sicher gehen, verlief die Entwicklung bei Lee Konitz erstaunlicherweise in die entgegengesetzte Richtung. Er begann als Swingmusiker, etablierte sich dann mit Bebop und Cool-Jazz, bevor er die Jazzwelt dadurch überraschte, dass er mit zunehmendem Alter immer experimentierfreudiger wurde. In Paul Motian, Charlie Haden und Brad Mehldau fand er nun kongeniale Partner. Motian und Haden, mittlerweile 79 respektive 73 Jahre alt, waren Pioniere des freien, improvisierten Spiels und zählen immer noch zur innovativen Speerspitze des Jazz. Der erst 40-jährigen Brad Mehldau wiederum gilt als einer der aufregendsten und vielseitigsten Pianisten der jüngeren Generation. Gemeinsam hauchen sie hier den Klassikern “Lover Man”, “Lullaby Of Birdland”, “Solar”, “I Fall In Love Too Easily”, “You Stepped Out Of A Dream” und “Oleo” frisches Leben ein und lassen sie klingen, als wären sie gerade erst von ihnen selbst kreiert worden.
vor 10 Jahren
Paul Motian

News von Paul Motian

Zum 80. Geburtstag von Paul Motian
Das Alter hat seinen geographischen Aktionsradius zwar weitgehend eingeschränkt, doch als Schlagzeuger, Bandleader und Komponist ist Paul Motian auch mit 80 Jahren noch ungebrochen aktiv. Am vergangenen Freitag, dem 25. März, feierte der aus Philadelphia stammende Musiker in seiner heutigen Heimat New York City seinen runden Geburtstag. Seit er 2004 bekanntgab, nicht mehr auf Tournee gehen zu wollen, müssen Fans, die ihn live erleben möchten, dorthin reisen oder auf neue Alben des Künstlers warten. Sein jüngstes wird nun im Mai bei ECM erscheinen. Das JazzEcho gratuliert dem Geburtstags”kind” und hofft auf noch viele neue Alben dieses stets modernen Jazzpioniers. Der für sein originelles, klangfarbenreiches Schlagzeugspiel berühmte Paul Motian schrieb nach Sessions mit u. a. Thelonious Monk, Lennie Tristano und Coleman Hawkins schon am Anfang seiner Karriere als Mitglied dreier unterschiedlicher Piano-Trios Jazzgeschichte: zuerst gemeinsam mit Bill Evans und Scott LaFaro bzw. Chuck Israels (1959–64), dann mit Paul Bley und Gary Peacock (1963/4) und schließlich zusammen mit Keith Jarrett und Charlie Haden (1967–76). Letzteres Trio wurde ab 1971 durch den Saxophonisten Dewey Redman oft zum Quartett erweitert. Sein erstes ECM-Album unter eigenem Namen, “Conception Vessel”, nahm Paul Motian 1972 auf. Das Album machte die Welt erstmals mit einer anderen Seite des Schlagzeugers bekannt: jener des ideenreichen und subtilen Komponisten. Zur Seite standen ihm damals u.a. seine eingespielten Partner Jarrett und Haden. Mit Charlie Haden, Lee Konitz und Brad Mehldau wird man den Jubilar in Kürze auch auf einem neuen ECM-Album “Live At Birdland” genießen können. Es soll im schon Mai erscheinen. Als Bandleader sorgte Paul Motian immer wieder für Aufsehen. Besonders populär ist sein Trio mit Bill Frisell und Joe Lovano, das 1984 mit dem Album “It Should Have Happened A Long Time Ago” bei ECM debütierte und in den letzten Jahren brillante Einspielungen wie “I Have The Room Above Her” (2005) und “Time And Time Again” (2007) vorlegte. 2009 bildete Motian mit Jason Moran und Chris Potter ein neues erfrischendes Trio. Auch ihr gemeinsames Album “Lost In A Dream” wurde von der Kritik in den höchsten Tönen gelobt. Wie nur wenige andere Kollegen seiner Altersgrupe, hat sich Paul Motian seine Innovationslust und Experimentierfreude bewahrt. Dadurch gelingt es ihm, sein Publikum stets neu zu überraschen. Mit entsprechender Spannung darf man deshalb auch dem neuen Album mit Konitz, Mehldau und Haden entgegenfiebern.
vor 11 Jahren
Paul Motian