Miles Davis 100 - Kultsoundtrack in neuen Editionen

Zum hundertsten Geburtstag von Miles Davis veröffentlicht Decca Records France neue LP- & CD-Editionen des legendären Soundtracks zu Louis Malles Film “Ascenseur pour l’échafaud“ (Fahrstuhl zum Schafott) aus dem Jahr 1958. Die Musik, aufgenommen im Dezember 1957 in Paris, gilt bis heute als einer der einflussreichsten Jazz-Soundtracks aller Zeiten – und als eine der wenigen Filmmusiken, bei denen die Musik vollständig improvisiert wurde.
Die Wiederveröffentlichungen präsentieren die Aufnahmen in drei Deluxe-Formaten: Zunächst als 180-Gramm-Vinyl-LP, sie reproduziert das Originalalbum exakt so wie damals erschienen, aber jetzt in einem hochwertigen Gatefold-Cover mit einer englischen Übersetzung von Boris Vians ursprünglichen Liner Notes. Für alle CD-Fans vereint ein limitiertes 2-CD-Set das Originalalbum mit allen Outtakes der Sessions vom 4. und 5. Dezember 1957, verpackt in einem luxuriösen 60-seitigen Hardcover-Buch mit Texten von Ashley Kahn und Franck Bergerot. Als dritte Veröffentlichung wird die vor einigen Jahren erschienene und vergriffene Deluxe-Edition dreier 10-Zoll-Vinylplatten wieder verfügbar gemacht, auch sie enthalten zusätzliche Takes aus den Sessions, präsentiert in einem aufwändigen dreiteiligen Gatefold-Cover mit Franck Bergerots Essay “A Present from Miles Davis to Louis Malle“.
Die Musik zu “Ascenseur pour l’échafaud“ erlangte schnell legendären Status. Nur wenige Filmmusiken haben so entscheidend zur Atmosphäre und zum Ruf eines Films beigetragen. Fast siebzig Jahre später gilt die Aufnahme – jenseits aller Mythen um ihre Entstehung – noch immer als eines der eindrucksvollsten Werke von Miles Davis: ein spannungsgeladener, nächtlicher Soundtrack voll dramatischer Intensität und reduzierter, lyrischer Stimmung. Die Entstehungsgeschichte der Musik ist längst Teil der Jazz-Folklore geworden. Während Davis Ende 1957 im Club Saint-Germain in Paris auftrat, wurde Regisseur Louis Malle, unzufrieden mit der ursprünglich geplanten Musik für seinen Debütfilm, dazu überredet, den Trompeter anzusprechen. Nach einer privaten Vorführung erklärte sich Davis bereit, den Soundtrack aufzunehmen. Am 4. Dezember erschien er im Studio gemeinsam mit vier damals in Paris lebenden Musikern: Barney Wilen am Tenorsaxofon, René Urtreger am Klavier, Pierre Michelot am Bass und Kenny Clarke am Schlagzeug.
Die Vorbereitung war minimal. Miles Davis war ein Meister der Improvisation, wusste aber stets genau, was er wollte. In seinem Hotelzimmer hatte er einige harmonische Sequenzen skizziert und sie der Band kurz vor Beginn der Aufnahme vorgelegt. Nachdem die Handlung erklärt worden war, projizierte man im Studio Schleifen wichtiger Filmszenen, während die Musiker direkt zu den Bildern improvisierten – ohne vorab komponierte Themen. Bassist Pierre Michelot erinnerte sich später: “Miles bat uns einfach, zwei Akkorde zu spielen – D-Moll und C7, jeweils vier Takte, ad libitum.“ Typisch für Davis: minimale Anweisungen gepaart mit einem untrüglichen Gespür für Atmosphäre.
François Leterrier, zweiter Regieassistent des Films, erinnert sich daran, dass die Session gegen zehn Uhr abends begann und bis zum Morgengrauen andauerte, während die Musiker die schwarz-weißen Sequenzen des Kameramanns Henri Decaë betrachteten – darunter Jeanne Moreaus berühmter nächtlicher Spaziergang über die Champs-Élysées. ”Wir alle im dunklen Vorführraum wussten, dass etwas Außergewöhnliches geschah“, erinnerte er sich später. "Etwas, das es definitiv noch nie zuvor gegeben hatte.“ Der Film wurde ein großer Erfolg, die Musik wurde zunächst auf 10-inch von Fontana veröffentlicht und erhielt den Grand Prix der französischen Académie Charles Cros, in den USA erschien sie auf Columbia Records und erhielt 1960 eine Grammy-Nominierung für die beste Solo/Small Group Jazz Performance.





