Intuition ist Trumpf - Kenny Barron und die hohe Kunst der Improvisation - Kenny Barron | JazzEcho

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Intuition ist Trumpf - Kenny Barron und die hohe Kunst der Improvisation

Kenny Barron - 2016
03.03.2016

Book Of Intuition” hat Kenny Barron sein neues Trio-Album genannt. Wenn es ein solches “Buch der Intuition” wirklich gäbe, dann hätte es der Pianist nicht nur gelesen, sondern höchstwahrscheinlich selbst verfasst. Denn Barron genießt seit vielen Jahrzehnten den Ruf, ein besonders einfühlsamer, intuitiver Begleiter zu sein. Das bewies er im Laufe seiner langen Karriere oft an der Seite von Größen wie Dizzy Gillespie, Joe Henderson, Freddie Hubbard, Ella Fitzgerald und Stan Getz. Durch die Zusammenarbeit mit letzterem trat der lange Zeit sträflich unterschätzte Pianist in den 1990er Jahren endlich selbst ins hochverdiente Rampenlicht. Seitdem überraschte er die Jazzwelt mit Alben, auf denen er mit so unterschiedlichen Sidemen wie Bobby Hutcherson, Toninho Horta, Charlie Haden, Mino Cinelu, John Scofield oder Regina Carter immer wieder neue musikalische Facetten offenbarte.

Auf “Book Of Intuition” ist der Pianist nun mit dem japanischen Bassisten Kiyoshi Kitagawa und dem Schlagzeuger Johnathan Blake zu hören. Die Musiker, die in dieser Konstellation schon seit zehn Jahren zusammenspielen, folgen hier – wie es der Albumtitel schon andeutet – vor allem ihrer spontanen Eingebung. In geradezu traumwandlerischer Weise interpretieren sie sowohl ein paar neue als auch ältere Kompositionen aus der Feder des Pianisten (darunter das Stück “Nightfall”, das der Pianist dem 2015 verstorbenen Charlie Haden widmete). Die einzigen Ausnahmen sind “Shuffle Boil” und “Light Blue”, zwei seltener gespielte Titel von Thelonious Monk. Der Monksche Einfluss bricht sich bei Barron (einst Mitglied der Monk-Tribute-Band Sphere) auch sonst stellenweise Bahn. In anderen Stücken wiederum verneigt er sich gekonnt vor von ihm verehrten Instrumentalkollegen wie Bud Powell (“Magic Dance”) oder Ahmad Jamal (“Cook’s Bay”). Geprägt ist das unprätentiöse, aber technisch brillante Spiel des 72-jährigen Pianisten von der inneren Ruhe eines Musikers, der längst niemandem mehr etwas beweisen muss und einfach seiner Intuition folgen kann.

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