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Verve By Request – ein Zen-Meister am Klavier und ein Hexenmeister an der Gitarre

Mit Alben wie “The Awakening” von Pianist Ahmad Jamal und “The Sorcerer” von Gitarrist Gábor Szabó leitete Impulse! Records in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre einen stilistischen Umbruch ein.
JazzEcho-Plattenteller:  Ahmad Jamal "The Awakening" // Gabor Szabo "The Sorcerer" (Verve By Request)
JazzEcho-Plattenteller: Ahmad Jamal "The Awakening" // Gabor Szabo "The Sorcerer" (Verve By Request)
12.04.2023

Alle LPs der “Verve By Request” Serie und weiteres finden Sie in unserem JazzEcho-Store.

Ende der 1990er Jahre startete Verve Records seine immens erfolgreiche Reissue-Serie “Verve By Request”, in der besondere Raritäten und von Jazzfans gewünschte, längst vergriffenen Klassiker auf CD veröffentlicht wurden. Jetzt ist diese Reihe wiederbelebt worden, diesmal allerdings gibt es die ausgewählten Werke nicht auf CD, sondern auf Vinyl. Als Partner fungiert dabei das 2001 von dem Indie-Rocker Jack White (The White Stripes) gegründete Label Third Man Records, das in Detroit ein exzellentes Vinyl-Presswerk (mit aus Deutschland importierten Maschinen) und ein Audio-Mastering-Studio unterhält. Erscheinen werden in der Serie sorgfältig ausgewählte Titel, die vielfach schon seit langem vergriffen sind, aber auch Alben aus den neunziger und nuller Jahren, die bis heute noch nicht auf Vinyl veröffentlicht wurden. Alle Aufnahmen werden, sofern möglich, von den analogen Originalquellen neu gemastert und bei Third Man Pressing in Detroit auf 180-Gramm-Vinyl in audiophiler Qualität gepresst.
Ahmad Jamal – The Awakening
Ahmad Jamal ist einer der großen Zen-Meister des Jazzpianos”, heißt es in dem 2008 erschienenen Wälzer “1,000 Recordings To Hear Before You Die”. “Er spielt nur das, was nötig ist, und nicht mehr. Jede Phrase ist perfekt.” Diesen Ruf hatte sich der aus Pittsburgh stammende Pianist schon in den 1950ern erspielt, als er noch ganz am Anfang seiner bis heute andauernden Karriere stand. In einer Zeit, als durch den Bebop Geschwindigkeit und Virtuosität das Maß aller Dinge war, hob sich Jamal mit einer Spielweise ab, in der er sein Gefühl für Raum und Zeit auskostete. Dies begann sich erst 1968 zu ändern, als er bei Impulse! Records landete. Bis 1971 spielte er dort unter Ed Michel fünf Alben ein, die mit zu seinen seinen besten zählen. “The Awakening” war nach zwei Live-Alben sein erstes Studioalbum, bei dessen Gestaltung Produzent Ed Michel dem Pianisten vollkommen freie Hand ließ. Und der wusste diese Freiheit zu nutzen, spielte dichter und abenteuerlicher als je zuvor, ohne dabei seine musikalische Identität und charakteristische Eleganz abzulegen. Hervorragend Unterstützung erhielt Jamal durch das exquisite Timing des Bassisten Jamil Nasser und das präzise Schlagzeugspiel von Frank Gant, mit denen er zu diesem Zeitpunkt schon seit sechs Jahren ununterbrochen zusammengearbeitet hatte. Das Trio interpretiert mit beeindruckender Leichtigkeit und Sophistication groovige Kompositionen aus Jamals Feder sowie Stücke von Herbie Hancock (“Dolphin Dance”), Oliver Nelson (“Stolen Moments”) und Antônio Carlos Jobim (“Wave”). Das Titelstück und andere Songs des Albums wurden später von zahlreichen Hip-Hop-Künstlern gesampelt, darunter DJ Premier, Pete Rock & C.L. Smooth, J Dilla, Nas und Shadez of Brooklyn.
Gábor Szabó – The Sorcerer
Den Hungaro-Amerikaner Gábor Szabó konnte man mit Fug und Recht als einen wahren “Scorcerer”, also Zauberer oder Hexenmeister bezeichnen. Nicht nur wegen seiner Virtuosität an der Gitarre und seiner fantasievollen Improvisationen, sondern auch, weil er es verstand, Popsongs in echte Jazzschmuckstücke zu verwandeln. Das zeigte er besonders eindrucksvoll 1967 auf seinem Album “The Sorcerer”, das er live im Bostoner Jazz Workshop für Impulse! Records einspielte. Das Repertoire reflektierte, was damals hip war: eine Bossa Nova von Roberto Menescal (“Little Boat” a.k.a. “O Barquinho”), ein Top−10-Hit von Sonny & Cher (“The Beat Goes On”) und ein Stück des französischen Filmkomponisten Francis Lai (“Stronger Than Us”). Szabo gab diesem Material einen deutlich jazzigen Anstrich, ohne den poppigen Melodien ihren Zauber nehmen. Zur Seite standen ihm dabei u.a. der ungemein vielseitige Gitarrist Jimmy Stewart und der Schlagzeuger Marty Morell, der danach sieben Jahre lang Mitglied des großartigen Bill Evans Trios war. “Gábor Szabós Quintett mit Jimmy Stewart war eine der besten Formationen des Gitarristen”, meint Douglas Payne in seiner Rezension für AllMusic, wo er dem Album viereinhalb von fünf möglichen Sternen gab. “Live-Auftritte wie dieser, aufgenommen im Bostoner Jazz Workshop, dokumentieren recht gut die Begeisterung, die die Band 1967–1968 hervorrief. […] Die Musiker scheinen inspiriert, und das Zusammenspiel innerhalb der Gruppe ist schlichtweg traumhaft – selbst bei leichtgewichtigen Stücken wie ‘The Beat Goes On’.”
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