Der Gitarrenflüsterer und der Klavierromantiker - Fred Hersch | JazzEcho

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Fred Hersch
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Der Gitarrenflüsterer und der Klavierromantiker

"Feebles, Fables and Ferns" ist ein faszinierendes Dokument eines einzigartigen Zusammentreffens zweier musikalischer Koryphäen, die sich in ihrer Karriere nie ins Rampenlicht gedrängt haben: der Gitarrist Mick Goodrick und der Pianist Fred Hersch.
Fred Hersch, Mick Goodrick: Feebles, Fables and Ferns
Fred Hersch, Mick Goodrick: Feebles, Fables and Ferns
19.06.2026

“Diese beiden Musiker harmonieren so gut miteinander, dass sie in dieser intimen Studiosession etwas nahezu Magisches erschaffen. Sie verweben ihre Melodielinien, dehnen sie aus und ziehen sie wieder zusammen, um zarte Miniaturen und einfühlsame melodische Dialoge zu kreieren und romantische Ausflüge zu unternehmen. Doch auch Energie kommt hier nicht zu kurz, wodurch diese reine musikalische Kommunikation zu etwas ganz Besonderem wird.” (Neil Duggan, All About Jazz)

Die Aufnahmen für “Feebles, Fables and Ferns” entstanden im August 1988 in Fred Herschs New Yorker Loft, in dem der Pianist sich ein eigenes Tonstudio eingerichtet hatte. Zu dieser Zeit lehrten Mick Goodrick und Hersch in Boston: der eine am Berklee College of Music, der andere am ebenso renommierten New England Conservatory. Goodrick war damals zusammen mit Gary Thomas, Greg Osby und Lonnie Plaxico außerdem Mitglied von Jack DeJohnettes Band Special Edition. “Das Besondere an dieser Aufnahme ist für mich einfach das hohe Niveau des Zusammenspiels”, sagt Hersch rückblickend. “Wir haben einander sehr aufmerksam zugehört.” Im facettenreichen Programm von “Feebles, Fables and Ferns” stehen das tiefe Verständnis der beiden Musiker für die musikalische Sprache des jeweils anderen sowie ihre Ausdruckskraft auf den Instrumenten durchgehend im Vordergrund.

Mick war ein ziemlich bescheidener Typ, von dem es leider viel zu wenige Aufnahmen gibt”, erzählt Fred Hersch und fügt hinzu: “Ich nenne ihn den ‘Gitarrenflüsterer’. Er gab sich damit zufrieden, zu unterrichten und hinter den Kulissen zu agieren. Das war sozusagen seine Art, die Dinge anzugehen. Kurz bevor ich mein Aufnahmestudio schloss, bat ich ihn, vorbeizukommen und ein paar Duette mit mir aufzunehmen. Also kam er nach New York und wir verwirklichten dieses Duo-Projekt – es hat einfach auf Anhieb geklappt.” 

Goodrick war weder ein besonders eifriger Komponist, noch hat er im Laufe seines Lebens viele Aufnahmen gemacht. Daher ist jeder Eintrag in seiner Diskografie umso willkommener, da er einen seltenen Einblick in sein Schaffen gewährt. Auf “Feebles, Fables and Ferns” kommt sein bahnbrechender Ansatz bei der Gitarrenimprovisation, der Musiker wie Lionel Loueke, Wolfgang Muthspiel und Julian Lage inspiriert hat, bestens zur Geltung. Lage, der bei Goodrick studierte, merkte einmal an: “Er hatte eine außergewöhnliche Fähigkeit, Probleme zu erkennen, indem er aufmerksam zuhörte und dann organische und oft überraschende Lösungen anbot. Es gab einfach nichts, was er einem nicht vermitteln konnte.

Die intimen Dialoge zwischen Hersch und Goodrick offenbaren all die Qualitäten, die sie zu führenden Mentoren in der Improvisationsszene machten. Für die Session wählten sie damals einige ihrer bereits bekannten Kompositionen aus, um sie in konzentrierter Form neu zu interpretieren. Das von Goodrick geschriebene Titelstück “Feebles, Fables and Ferns” stammt von “In Pas(s)ing”, dem einzigen ECM-Album, das der Gitarrist zehn Jahre zuvor als Bandleader mit dem Saxofonisten John Surman, dem Bassisten Eddie Gómez und dem Schlagzeuger Jack DeJohnette aufgenommen hatte. In der Duo-Version erhält man nun einen fokussierten Einblick in die spontanen, spielerisch ineinander verwobenen Melodielinien der beiden Protagonisten. 

Heartsong” ist eine der harmonisch faszinierendsten Kompositionen des Pianisten und bildet den lyrischen Höhepunkt des Programms. Dabei lassen Hersch und Goodrick das Thema nahtlos zwischen den beiden Instrumenten hin- und herwandern. “Es ist interessant, wenn man nach so vielen Jahren auf sich selbst zurückblickt”, sagt der Pianist. “Es gibt vieles, das ich auch heute noch in meinem Spiel wiedererkenne, aber es hat sich auch vieles verändert, und es macht Spaß, das jetzt wieder neu zu entdecken.

Neben diesen Originalkompositionen sind äußerst inspirierte Interpretationen von zwei Stücken von Steve Swallow (“Falling Grace” und “Amazing”), von Johnny GreensOut of Nowhere” und von Mal WaldronsSoul Eyes” zu hören. In “Five Excursions” präsentieren die beiden Musiker schließlich noch fünf spontane Improvisationen, die nahtlos ineinander übergehen.

Obwohl es einige schöne, intime, ruhige Momente gibt, steckt doch viel Energie in dieser Musik”, sagt Fred Hersch. “Und dieser schnörkellose, ungeschönte, direkte ‘Spiel einfach drauf los und nimm auf’-Sound hat etwas sehr Romantisches an sich. Wir haben wirklich sehr gut zusammengepasst …” Umso bedauerlicher ist es, dass dies ihre einzige gemeinsame Aufnahme ist und das Publikum fast vierzig Jahre auf die Veröffentlichung von “Feebles, Fables and Ferns” warten musste.

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Feebles, Fables and Ferns
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