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Flore Benguigui
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“It’s jazz, but it’s fun" – Flore-Benguigui-Album erschienen

Auf ihrem Solo-Debüt erfindet sich Flore Benguigui, bis vor zwei Jahren noch Sängerin und Keyboarderin der französischen Electropop-Band L’Impératrice, neu als Jazz-Chanteuse mit Indie-Pop-Appeal.
Flore Benguigui And The Sesible Notes
Flore Benguigui And The Sesible Notes
(c) Decca Records / Emma Birski
12.03.2026

Flore Benguigui ist beileibe nicht die erste Künstlerin, die sich zum Ziel gesetzt hat, Song-Perlen aus der “goldenen Ära des Jazz” zu entstauben und ihnen mit modernen Mitteln neues Leben einzuhauchen. Doch keine ihrer Vorgängerinnen besaß eine Maschine, mit der sie die “Zeiten verwirbeln” konnte. Diese Maschine, ein retro-futuristisches Klanggerät, das von ihrer jüngeren Schwester Fanny entworfen wurde, stellt Flore im skurrilen Opener ihres ersten Soloalbums “i−330” vor, das von dem britischen Musiker Nicky Green produziert wurde. Mit jedem weiteren Song nimmt einen dieses charmante Album mehr gefangen. Mit ihrer sanften, aber entwaffnenden Stimme entfaltet Flore Benguigui ein Klanguniversum, in dem akustische Instrumente und Synthesizer miteinander kommunizieren und Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen. Hervorragend unterstützt wird sie von einem bunten Ensemble durchweg jazzerfahrener Musiker und Musikerinnen. Der Kern der Band besteht aus den Mitgliedern ihres perfekt eingespielten Quartetts The Sensible Notes (zu Deutsch: Die Leittöne): dem Pianisten Charles Tois, dem Bassisten Pierre-François Maurin und dem Schlagzeuger Maxime Mary. In einigen Stücken wird das Quartett zudem durch die Posaunistin Rozann Bézier, die Trompeterin Julie Varlet, die Klarinettistin Aurélie Tropez und die Saxofonistin Jeanne Michard verstärkt.

Als Flore Benguigui im Herbst 2024 nach neun gemeinsamen Jahren überraschend ihren Ausstieg aus der Electropop-Band L’Imperátice bekannt gab, war die Bestürzung in der französischen Popszene groß. Sie führte damals “tiefgreifende persönliche, künstlerische und grundlegende Meinungsverschiedenheiten” als Gründe für ihre Entscheidung an. Zudem hatten die stressigen internationalen Tourneen mit L’Imperátice und die Auftritte in großen Arenen, bei denen ihre Stimmbänder überstrapaziert wurden, sie an den Rand der physischen und psychischen Erschöpfung gebracht. Wirklich entspannt und in ihrem Element hatte sie sich in all den Jahren nur gefühlt, wenn sie in den kleineren, intimeren Clubs der Pariser Jazzszene mit Gleichgesinnten zusammenspielen konnte.

Dort – genauer gesagt auf der Bühne des Le Baiser Salé in der Rue des Lombards im Herzen von Paris – hatte Flore vor elf Jahren auch den Grundstein für das Album “i−330” gelegt. So lange tritt sie nun schon regelmäßig – alle zwei Monate, wie es heißt – mit dem Quartett The Sensible Notes in dem Jazzclub auf. Die Wurzeln der Band reichen sogar noch viel weiter zurück. Charles Tois und Pierre-François Maurin hatte Flore kennengelernt, als sie mit 16 Jahren und einer Ukulele als Straßenmusikerin durch Avignon tingelte. “Sie waren etwas älter als ich und spielten diese raffinierte, faszinierende Musik mit all ihren freien, improvisierten Soli”, erzählt Flore. “Ich hatte Cello und klassisches Klavier studiert, aber von Jazz keine Ahnung. Mit meiner leisen Stimme war ich mir nicht einmal sicher, ob ich in der Musik überhaupt eine Chance hatte. Doch als ich anfing, Zeit mit den beiden zu verbringen, entdeckte ich Jazzikonen wie Chet Baker, lernte die Standards und das Jazz-Songbook kennen. Ich verliebte mich Hals über Kopf in Ella Fitzgerald und Nat King Cole.”

Durch das Album spuken aber nicht nur die Geister von Ella, Chet und Nat. Flore Benguigui zollt auf “i−330” noch einer Reihe anderer Legenden Tribut: von Billie Holiday, Blossom Dearie und Benny Goodman über die amerikanische Sängerin und Songwriterin Margo Guryan bis hin zum Filmkomponisten Michel Legrand und der in Frankreich mythisch verehrten Chansonnière Barbara. Obwohl sie ihren Idolen den größten Respekt entgegenbringt, verleiht Flore den mit ihnen assoziierten Songs eine gewitzte Dosis Indie-Pop. Auf spielerische Weise verbindet sie so Nostalgie und Moderne, Balladen und Uptempo-Nummern, traditionelle Instrumente und Vintage-Synthesizer miteinander. Das Album hat sie schließlich auch nach der Rebellin I−330 aus dem Science-Fiction-Klassiker “Wir” betitelt, einem dystopischen Roman des russischen Autors Jewgeni Samjatin aus dem Jahr 1920. Neben ihrer Musik engagiert sich Flore schon länger als feministische Aktivistin und thematisiert Sexismus in der Musikindustrie, unter anderem in ihrem Podcast „Cherchez la femme“. Deshalb versteht sie ihr Album auch als Bekenntnis zur künstlerischen Freiheit, zu guten Teilen kreiert von Frauen und frei von überholten Normen: „Ich habe mich schon immer für die Stellung der Frau in der Musik und insbesondere für die von Frauen im Jazz interessiert. Es hat eine Weile gedauert, bis ich erkannt habe, dass ich in einem männlich geprägten Umfeld gefangen war. Das war mir im ständigen Rhythmus von Tourneen, Komponieren und Auftritten lange nicht bewusst.“

“Nur weil man Jazz spielt, heißt das nicht, dass man verkopft oder elitär sein muss”, zieht Flore Benguigui als Fazit. “Dieses Album ist genau das Gegenteil – es ist aus reiner Freude heraus entstanden.” Und es ist zweifellos auch eine reine Freude, es zu hören.

Flore Benguigui & The Sensible Notes Excl. Col. LP
i-330 (Excl. Col. LP)
13. März 2026

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