Zukunftsmusik, Teil 3 - Zwei "alte" Bekannte und ein neues Gesicht - ECM Sounds | JazzEcho

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Zukunftsmusik, Teil 3 - Zwei "alte" Bekannte und ein neues Gesicht

ECM Records
18.10.2017

Tomasz Stanko gilt als Vaterfigur der polnischen Jazzszene. In seinen Bands “züchtete” der Trompeter immer wieder neue junge Talente heran. 2001 etwa nahm er das Marcin Wasilewski Trio unter seine Fittiche und spielte mit ihm drei international gefeierte Alben für ECM ein. Als das Trio 2008 sein erstes eigenes Album bei ECM herausbrachte, besetzte Stanko seine Band u.a. mit Altsaxophonist Maciej Obara und Pianist Dominik Wania neu. Jetzt debütiert auch Obara mit seinem eigenen Quartett bei Manfred Eichers Label. Mit von der Partie ist auf dem Album “Unloved” neben dem hochtalentierten Pianisten Wania ein norwegisches Rhythmusgespann, bestehend aus Bassist Ole Morten Vågan und Schlagzeuger Gard Nilssen. Mit Ausnahme des Titelstücks von Krzysztof Komeda stammen die Themen alle von dem einfallsreichen Altsaxophonisten selbst. Obara betont aber, dass sie “alle nur als Grundrisse dienen, von denen aus unser Sound freigelassen wird. Meine Freunde sind verblüffende Improvisatoren. Ich liebe ihre Fähigkeit, sich in offenen Räumen frei zu bewegen und die Art, wie sie dem, was ich im Kopf hatte, Form und Farbe verleihen. Das ist im Grunde mehr wie ein Komponieren in Echtzeit.”

Der britische Pianist Django Bates machte seine erste Aufnahme für ECM vor über 30 Jahren mit dem Quartett First House, bevor er Sidsel Endresen auf den Alben “So I Write” und “Exile” begleitete. Und auch auf “Blue Maqams”, dem gerade erst erschienenen neuen ECM-Album des Oud-Spielers Anouar Brahem, ist Django Seite an Seite mit Dave Holland und Jack DeJohnette zu hören. Sein Belovèd-Trio mit dem schwedischen Bassisten Petter Eldh und dem dänischen Schlagzeuger Peter Bruun gründete Bates vor gut zehn Jahren, um Charlie Parker auf originelle Weise Tribut zu zollen. Anfangs de- und rekonstruierte Belovèd fast ausschließlich von Bird komponierte oder mit ihm assoziierte Stücke. Auf seinem nunmehr dritten Album “The Study Of Touch” (dem ersten für ECM, die beiden ersten kamen 2009 und 2012 auf Bates’ Label Lost Marble heraus) wurden nun endgültig die Eigenkompositionen des Pianisten in den Vordergrund gestellt, darunter auch Stücke, die schon seit längerem zum Kernrepertoire von Belovèd gehören, wo sie von den drei Improvisatoren allerdings ständig umgeformt werden. Alle drei sind ausgesprochen individuelle Musiker, die hier die Konventionen des Jazz-Piano-Trios subtil herausfordern.

Eine noch weiter zurückreichende und zudem auch wesentlich umfangreichere ECM-Historie als Django Bates weist der norwegische Keyboarder Jon Balke auf. Seit er 1975 als 20-Jähriger auf Arild AndersensClouds In My Head” seinen Einstand gab, nahm er zehn Alben unter eigenem Namen für das Label auf und war an ebenso vielen anderer Künstler beteiligt. Das erste Album mit seinem Projekt “Siwan”, das sich mit den Ähnlichkeiten zwischen arabischer Musik, andalusischer Klassik und europäischer Barockmusik auseinandersetzt, wurde 2009 u.a. mit dem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Jetzt hat Balke das internationale Kollektiv mit einer neuen Sängerin – der Algerierin Mona Boutchebak – für ein zweites Album wieder um sich versammelt, um diese Klangwelten einander noch näher zu bringen. Dafür vertonte Balke diesmal Gedichte aus der ehemaligen Provinz al-Andalus und reflektiert über eine Zeit, in der die Anhänger der drei großen Weltreligionen dort friedlich zusammenlebten. Doch “Siwan” wurde nicht als “historisches” Projekt konzipiert. Es ist ein zeitgenössisches Ensemble, das hinter einer Sängerin, die tief in den arabischen Musiktraditionen verwurzelt ist, sehr individuelle und moderne Musiker vereint.

Alle drei Alben können ab sofort als physische Tonträger und auch digital vorbestellt werden. Außerdem stehen vielversprechende Vorabtrack zur Verfügung.

 

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