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Fadista in Turnschuhen – Portugals neue Fado-Stimme

In Portugal wird Sara Correia der “Wirbelsturm des Fado” genannt. Mit ihrem dritten Album “Liberdade” möchte die stimmgewaltige Sängerin nun auch den Rest der Welt durcheinanderwirbeln.
Sara Correia
Sara Correia
11.10.2023
Als Sara Correia vor fünf Jahren mit einem nach ihr selbst betitelten Album debütierte, eroberte sie das Fado-Publikum in ihrer Heimat Portugal im Sturm. Statt die Klassiker des Genres zu interpretieren, präsentierte sie mit ihrer kraftvollen, dunklen Stimme vor allem moderne Fados, von denen etliche aus der Feder ihres Produzenten Diogo Clemente (u.a. Mariza, Carminho, Cuca Roseta) stammten. Gleich mit ihrem nächsten Album “Do Coração” gelang ihr ein noch größerer Streich, der sie weit über Portugals Grenzen hinaus bekannt machte. Denn das Album wurde 2021 für einen Latin Grammy nominiert. Mit diesem Achtungserfolg im Rücken veröffentlicht sie nun ihr drittes Album “Liberdade”, das in Deutschland digital erscheint.
Liberdade” enthält dreizehn Songs, von denen einige auf Stücken aus dem traditionellen Fado-Kanons basieren. Der Großteil des Repertoires besteht aber aus Liedern von zeitgenössischen Komponist(inn)en (u.a. Pedro Abrunhosa, Mila Dores, Joana Espadinha und natürlich wieder Produzent Diogo Clemente), die musikalisch nicht unbedingt im Fado zuhause sind und so zu einer mal sehr subtilen, dann wieder etwas radikaleren Neuerfindung des Genres beitragen.
Bestes Beispiel dafür ist der Song “Chelas”, in dem Sara das gleichnamige Lissaboner Viertel  besingt, in dem sie aufgewachsen ist und das sie geprägt hat. Es ist ein Problemviertel mit vielen Zuwanderern aus ehemaligen Kolonien, in dem es keine Fado-Häuser, aber eine lebendige Hip-Hop-Szene gibt. “Ich trage den Fado in meiner Stimme und Tennisschuhe an meinen Füßen”, singt sie in dem Lied. Was sie damit sagen möchte, ist, dass sie ihre Wurzeln zwar im Fado hat, aber ihre musikalischen Fühler auch – wie in dieser Nummer – in alle möglichen anderen Richtungen ausstreckt. “Meine ursprüngliche Quelle sind die traditionellen Fados mit Portugiesischer Gitarre, akustischer Gitarre und Bass”, sagt die 30-Jährige. “In einigen Liedern gibt es aber wirklich ganz andere Klänge. Dort bringe ich ein paar meiner eigenen Variationen und Einflüsse ein, nämlich Hip-Hop und Pop.”