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Der letzte echte Gigant des Jazz - zum Tod von Sonny Rollins

Im Alter von 95 Jahren ist am Pfingstmontag Sonny Rollins in seinem Haus in Woodstock, New York, gestorben. In die Annalen des Jazz ist der Tenosaxofonist als einer der größten Improvisatoren aller Zeiten und Komponist zahlreicher Standards eingegangen.
Sony Rollins
Sony Rollins
(c) Phil Bray
28.05.2026

Wie der Jazzhistoriker und Pianist Ted Gioia in seinem Substack schreibt, ist am 25. Mai für alle Jazzfans eine Ära zu Ende gegangen. Einen Tag, bevor die Jazzwelt den 100. Geburtstag von Miles Davis feierte, starb mit Sonny Rollins der letzte echte Gigant des Genres. “Rollins war der letzte noch lebende Musiker, der auf dem berühmtesten Jazzfoto der Geschichte zu sehen war – dem Bild ’Great Day in Harlem’ vom 12. August 1958”, bemerkte Gioia, “Damals versammelten sich 57 namhafte Musiker in der 17 East 126th Street zu einem Fotoshooting für das Magazin Esquire. Das Bild diente als Illustration für einen Artikel mit dem Titel ‘Golden Age of Jazz’ – und ein goldenes Zeitalter war es damals tatsächlich. Die meisten der Jazzgrößen waren noch am Leben, und eine mit Stars gespickte Gruppe von ihnen hatte sich an einem Ort versammelt.”

Der seinerzeit 26-jährige Sonny Rollins hatte sich mit seinen brillanten frühen Prestige-Alben “Sonny Rollins Plus 4” und “Tenor Madness” (beide 1956) sowie “Saxophone Colossus” und “Way Out West” (beide 1957) seinen Platz in diesem illustren Kreis bereits redlich verdient. Nur wenige Monate nach dem Fototermin nahm er mit “A Night at the ‘Village Vanguard’” ein bahnbrechendes Live-Album für Blue Note Records auf. Wie schon auf “Way Out West“ präsentierte er sich bei dem historischen Auftritt im Village Vanguard in der damals ungewöhnlichen Besetzung eines pianolosen Trios. Er nutzte dieses Format für lange, improvisierte, geradezu epische Soli, in denen er seinen melodischen Ideenreichtum zeigen konnte. Auch als Komponist hinterließ er schon in dieser Zeit seine unverwechselbare Handschrift in Stücken wie “Airegin”, “Doxy” und “Oleo”, die zu Jazzstandards wurden. Mit dem fröhlichen Calypso “St. Thomas”, den er seiner Mutter widmete, schuf er zudem eines der populärsten Jazzstücke aller Zeiten.

Sonny Rollins, dessen Eltern von den Amerikanischen Jungferninseln stammten, wurde am 7. September 1930 in New York als Theodore Walter Rollins geboren. Schon als Kind erhielt er von seiner Großmutter den Spitznamen “Sonny”, den er sein Leben lang mit Stolz trug. Als er sieben Jahre alt war, schenkte ihm seine Mutter sein erstes Saxofon, ein Alt. Das Instrument versetzte ihn, wie er sich später erinnerte, in den “siebten Himmel” und motivierte ihn, in jeder freien Minute zu üben. In der Highschool, wo er in einer Band mit anderen angehenden Jazzgrößen wie Jackie McLean, Kenny Drew und Art Taylor zusammenspielte, wechselte er schließlich 1946 zum Tenorsaxofon. Bereits drei Jahre später machte der Youngster seine ersten professionellen Aufnahmen mit einigen Stars der New Yorker Bebop-Szene.

Anfang der 1950er Jahre suchte er an der Seite eines anderen hochtalentierten Newcomers, des Trompeters Miles Davis, nach neuen Ausdrucksformen, die fernab des Bebop lagen. Im Gegensatz zu Miles hatte Sonny zwar keinen so einschneidenden Einfluss auf die Entwicklung neuer Jazzstile, er hat sich aber den Ruf erspielt, einer der größten Improvisatoren des Jazz gewesen zu sein. Sein Ziel, so sagte er immer wieder, sei es, “ein Niveau zu erreichen, auf dem ich nie aufhöre, Fortschritte zu machen”. In einem Gespräch mit seinem Biografen Aidan Levy (“Saxophone Colossus – The Life and Music of Sonny Rollins”) erzählte Sonny Rollins im Jahr 2013 amüsiert: “Die Leute sagen mir: ‘Sonny, lass es etwas ruhiger angehen, lehn dich zurück. Dein Platz ist gesichert. Du bist der große Sonny Rollins; du hast es geschafft.’ Wenn ich das höre, denke ich: ‘Na ja, scheiß auf Sonny Rollins. Der Punkt, den ich erreichen möchte, liegt jenseits von Sonny Rollins. Weit jenseits davon.’” Nur ein Jahr später musste der Saxofon-Koloss wegen einer Lungenfibrose das Saxofonspielen aufgeben und sich aus dem Musikgeschäft zurückziehen. Nun ist er am 25. Mai im hohen Alter von 95 Jahren in seinem Haus in Woodstock, New York, gestorben.

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