Seth MacFarlane singt die Muppets: Puppen-Klassiker im Big-Band-Sound

Dass Seth MacFarlane eine besondere Schwäche für klassischen Vocal Jazz und das Great American Songbook besitzt, ist längst kein Geheimnis mehr. Auf zahlreichen Alben hat der fünffach Grammy-nominierte Sänger seine zweite Karriere abseits von Film und Fernsehen konsequent ausgebaut. Für sein neues Projekt verbindet er diese Leidenschaft nun mit einer weiteren musikalischen Erinnerung aus seiner Jugend: den Songs von Jim Hensons Muppets.
„Seth MacFarlane Sings The Muppets“ versammelt Musik aus der „Sesamstraße“, der „Muppet Show“ und den klassischen Muppet-Kinofilmen – allerdings in einem Klanggewand, das eher an die großen amerikanischen Studioorchester der 1940er- und 1950er-Jahre erinnert.
Das Album ist ab sofort digital und als CD erhältlich, als LP erscheint es am 16. Oktober und kann bereits vorbestellt werden.
Von Kermit bis Sinatra: „Bein’ Green“ als Vocal-Jazz-Ballade
Einen Vorgeschmack lieferte bereits „Bein’ Green“, Kermits berühmte Hymne aus der Feder von Joe Raposo. Ursprünglich von Jim Henson als Kermit in der „Sesamstraße“ gesungen und später auch in der „Muppet Show“ zu hören, entwickelte sich das Stück zu einem der bekanntesten Songs aus Hensons musikalischem Kosmos.
Dass MacFarlane darin Jazzstandard-Potenzial erkennt, ist keineswegs abwegig. „Bein’ Green“ wurde im Laufe der Jahrzehnte unter anderem von Ray Charles, Frank Sinatra, Van Morrison und Till Brönner interpretiert. MacFarlanes Version knüpft nun bewusst an die Tradition des klassischen orchestralen Vocal Jazz an.
Dahinter steckt eine grundsätzliche Idee: Für MacFarlane haben zahlreiche Muppet-Kompositionen längst den Rang von Standards erreicht. Während Broadway- und Filmsongs in früheren Jahrzehnten regelmäßig von Jazz- und Popsängern aufgegriffen wurden, verschwand diese Tradition mit den Umbrüchen der Musikindustrie in den späten 1960er- und 1970er-Jahren zunehmend. Gute Songs, so MacFarlanes Überzeugung, wurden jedoch weiterhin geschrieben – nicht zuletzt für die Muppets.
„Seth MacFarlane Sings The Muppets“: 14 Songs von Jim Hensons Figuren
Der Großteil der 14 Stücke stammt aus den ersten drei Muppet-Kinofilmen „The Muppet Movie“, „The Great Muppet Caper“ und „The Muppets Take Manhattan“. Hinzu kommen Favoriten aus der „Sesamstraße“ und der „Muppet Show“. Das musikalische Spektrum reicht von Balladen und Walzern bis zu großen Broadway-Nummern. Vertreten sind Kompositionen von Autoren wie Joe Raposo, Paul Williams und Jeff Moss, deren Melodien MacFarlane und Arrangeur Andrew Cottee nicht grundlegend verändern, sondern in eine andere musikalische Epoche versetzen.
MacFarlane und Cottee verbindet dabei auch eine gemeinsame Erinnerung: Beide wuchsen mit diesen Songs auf. Ihre Idee sei gewesen, sich vorzustellen, wie das Material geklungen haben könnte, wenn Arrangeure wie Nelson Riddle oder Billy May es während der großen Ära des orchestralen Vocal Jazz bearbeitet hätten.
Andrew Cottee arrangiert die Muppets für großes Orchester
Für die Umsetzung arbeitete MacFarlane erneut mit Andrew Cottee zusammen. Seine Arrangements orientieren sich an der Klangsprache der großen Hollywood-Studioorchester der 1940er- und 1950er-Jahre, sollen dabei aber den Charakter der Originalkompositionen bewahren.
Aufgenommen wurde entsprechend groß: Für das Album kam ein Orchester aus Musikerinnen und Musikern aus London und Los Angeles zusammen. Die Sessions fanden in der Skywalker Ranch statt. Produzent war der Komponist Joel McNeely, am Dirigentenpult stand John Wilson, für den Sound zeichnete Toningenieur Rich Breen verantwortlich.
Seth MacFarlane bleibt dem Great American Songbook treu
Musikalisch setzt „Seth MacFarlane Sings The Muppets“ MacFarlanes bisherige Arbeit als Sänger fort. Neben seiner Karriere als Autor, Produzent, Regisseur und Schauspieler – unter anderem als Schöpfer von „Family Guy“ und Co-Schöpfer von „American Dad!“ – beschäftigt er sich seit Jahren intensiv mit dem Great American Songbook und der Tradition großer amerikanischer Entertainer. Zuletzt erschien „Lush Life: The Lost Sinatra Arrangements“, für das MacFarlane zwölf zuvor nicht veröffentlichte Frank-Sinatra-Arrangements von Nelson Riddle, Billy May und Don Costa aufnahm.
Nun führt ihn der Weg von Sinatra zu Kermit. So ungewöhnlich diese Verbindung zunächst erscheinen mag, für MacFarlane liegt genau darin der Reiz von „Seth MacFarlane Sings The Muppets“: Die Melodien von Hensons Figuren werden nicht ironisch gebrochen, sondern mit derselben musikalischen Sorgfalt behandelt wie die Klassiker des Great American Songbook.





