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Biografie

Julian Lage
Julian Lage(c) Shervin Lainez
Zarte acht Jahre alt war Julian Lage, als er in dem Kurzfilmportrait “Jules At Eight” das erste Mal die Gitarrenwelt verblüffte. Vor allem mit jener denkwürdigen Szene, in der er seine Gitarre wie Jimi Hendrix über Kopf spielte. Längst hat sich das einstige Wunderkind zu einem der weltbesten Jazzgitarristen gemausert. Und solche Gimmicks wie in dem Film sieht man von dem mittlerweile 34-Jährigen heute nicht mehr. Dafür nimmt er die Musik viel zu ernst, selbst wenn er in seinen Kompositionen neben einem Händchen für einprägsame Melodien oft auch einen feinen Sinn für Humor offenbart. Bester Beweis dafür ist Lages jüngstes Blue-Note-Opus “View With A Room”, das Andrian Kreye in der Süddeutschen Zeitung als “perfektes zeitgenössisches Jazzalbum” bezeichnete. Für die Aufnahme erweiterte Lage sein eingespielte Trio mit Bassist Jorge Roeder und Schlagzeuger Dave King (ehemals The Bad Plus) um einen speziellen Gast: seinen Instrumentalkollegen Bill Frisell. Die beiden einfühlsamen Ausnahme-Gitarristen ergänzen sich auf diesem atemberaubenden Album wie Yin und Yang. 
Julian Lage wurde am 25. Dezember 1987 im nordkalifornischen Santa Rosa geboren. Ein Jahr, nachdem mit “Jules At Eight” für Furore gesorgt hatte, schnupperte der scheue Knips an der Seite von Carlos Santana große Bühnenluft und begeisterte 12.500 Zuschauer im Concord Pavilion mit einer blues-rockigen Soloeinlage. Nächstes Highlight war im Jahr 2000 ein Auftritt bei der Verleihung der Grammy Awards. Ansonsten hielten ihn seine Eltern weitgehend vom Rampenlicht fern und sorgten dafür, dass er eine vernünftige schulische und fundierte musikalische Ausbildung erhielt. Letztere schloss er 2008 mit 20 Jahren am Berklee College of Music in Boston mit Erfolg ab.
Gleich im Anschluss nahm er sein gefeiertes Debütalbum “Sounding Point” auf, das 2009 von EmArcy veröffentlicht und prompt als eines der besten zeitgenössischen Jazzalben für einen Grammy Award nominiert wurde (weitere Nominierungen gab es 2018 und 2019). 2011 schob er mit “Gladwell” ein Konzeptalbum nach, auf dem er vor allem seine Qualitäten als fantasievoller Songwriter bewies. Mit von der Partie war auf beiden Alben bereits der aus Peru stammende Bassist Jorge Roeder, der den Gitarristen auch heute noch begleitet. In den folgenden zehn Jahren nahm Julian Lage mit eigenen Bands oder in wechselnden Duo-Konstellationen ebenso viele Alben für kleinere Labels auf. Zudem wirkte er an Einspielungen von so unterschiedlichen Künstlern wie Gary Burton, John Zorn (dort traf er auch mehrfach mit Bill Frisell zusammen), Terri Lyne Carrington, Nels Cline, Yoko Ono und Charles Lloyd (“8: Kindred Spirits”) mit.
Die Zusammenarbeit mit Charles Lloyd öffnete Julian Lage schließlich die Türen bei Blue Note, wo er 2021 zunächst das Trio-Album “Squint” und 2022 “View With A Room” herausbrachte. Eine zentrale Rolle spielt der Gitarrist auch auf Charles Lloyds Album “Trios: Sacred Thread”, das außerdem den Tabla-Virtuosen Zakir Hussain featuret.