Mach’s noch einmal, Jeff – neues Goldblum-Album erschienen

Jeff Goldblum liebt Musik, die er mit Bauchgefühl und Herz spielen (und singen) kann. Er macht keinen Hehl daraus, dass er der “geselligen, lustigen, emotionalen und romantischen Seite” der Musik den Vorzug vor “intellektuellen, akademischen, innovativen und esoterischen Varianten” gibt. Seine Talente als Jazzpianist hatte der weltbekannte Schauspieler bereits als Jugendlicher entwickelt, aber lange Zeit erfolgreich vor der breiten Öffentlichkeit verborgen. Erst 2018, als er schon stramm auf die 70 zuging, feierte er mit seiner langjährigen Band The Mildred Snitzer Orchestra auf seinem Debütalbum “The Capitol Studios Sessions” sein “Coming-out” als Jazzer. Dabei griff er nicht nur in die Tasten seines Klaviers, sondern präsentierte sich gelegentlich auch als croonender Sänger. Er mag zwar kein zweiter Frank Sinatra sein, macht dieses “Defizit” aber locker mit seinem ureigenen Charme und Witz wett. Zuletzt glänzte Goldblum als Zauberer von Oz in der zweiteiligen Verfilmung des Broadway-Musicals “Wicked”. Wenige Monate nach dem Kinostart des ersten Teils veröffentlichte der Pianist sein drittes Album “Still Blooming”, für das er neben der Schauspielerin Scarlett Johansson und der großartigen Maiya Sykes auch die beiden fantastischen “Wicked”-Stars Ariana Grande und Cynthia Erivo als Gastsängerinnen gewinnen konnte. Nun erscheint mit “Night Blooms” ein Komplementäralbum, auf dem Jeff Goldblum und das unverwüstliche Mildred Snitzer Orchestra tiefer in die Welt der Tin-Pan-Alley-Schlager, Broadway-Melodien und Filmsongs eintauchen. Mit teils bereits bewährten, teils neuen Gästen verleihen sie dabei so manchem bekannten Klassiker eine überraschend frische Note.
Gleich zu Beginn des Albums brilliert Melody Gardot mit ihrer eleganten, nuancenreichen Stimme in einer außergewöhnlichen Interpretation von Erroll Garners Evergreen “Misty”. Der Klassiker, ursprünglich eine stimmungsvolle Ballade, wird hier als eigenwillige Mischung aus funkigem Jazz-Boogaloo und beschwingten Bossa-Nova-Rhythmen präsentiert und entfaltet so eine ganz eigene Energie. Als Nächstes tritt der Pop- und Rhythm-’n’-Blues-Sänger Charlie Puth ins Rampenlicht. Mit seinem komplexen, fünfstimmigen Harmoniegesang veredelt er den Song “Bewitched, Bothered and Bewildered” aus dem Musical “Pal Joey” von Richard Rodgers und Lorenz Hart. Es folgen zwei Originalsongs aus dem Filmmusical “The Wizard of Oz”, das den beiden “Wicked”-Filmen als Vorlage diente: Zunächst liefern sich Cynthia Erivo und Jeff Goldblum, angefeuert vom schmissigen Mildred Snitzer Orchestra, ein verspieltes Duett in “If I Only Had a Brain”, dann singt der Pianist ohne Partnerin eine verträumte Bossa-Nova-Version des Evergreens “Over the Rainbow”. Anschließend steuert die britische Indie-Popsängerin dodie mit einer cool swingenden Interpretation des Tin-Pan-Alley-Schlagers “Mean To Me” das nächste Highlight zum Album bei, bevor Goldblum in “As Time Goes By“ aus dem Filmklassiker “Casablanca“ erneut seine Stimmbänder spielen lässt. Die Sängerin Haley Reinhart, die bereits 2018 auf “The Capitol Studio Sessions” zu hören war, präsentiert zwei zeitgenössische Pop-Hits, die sie in entspannte Bossa-Nummern verwandelt hat: “Lover” von Taylor Swift und “Tattoo” von Loreen. Bislang gab es diese beiden Tracks nur im digitalen Format.
Abgerundet wird “Night Blooms” durch vier Tracks des Vorgängeralbums “Still Blooming”, die in einer stimmungsvollen “Late Night Session” vollkommen neu aufgenommen wurden. Dabei wurde das Mildred Snitzer Orchestra wahlweise zu einem intimen Trio, Quartett oder Quintett zusammengeschrumpft. Cynthia Erivo ist hier noch einmal mit “We’ll Meet Again” zu hören, Ariana Grande mit “I Don’t Know Why (I Just Do)”, Maiya Sykes mit “Stella By Starlight” und Scarlett Johansson schließlich mit “The Best Is Yet To Come”.
So schließt sich der Kreis: Zwischen Hollywood, Broadway und Jazzclub entfaltet Jeff Goldblum mit “Night Blooms“ einmal mehr seine ganz eigene, unverwechselbare Klangwelt. Mit feinem Gespür für Atmosphäre, einem Augenzwinkern und großer musikalischer Hingabe verbindet er zeitlose Klassiker mit frischen Ideen und hochkarätigen Stimmen. Es ist ein Album, das nicht laut auftrumpft, sondern leise verführt – wie ein nächtlicher Streifzug durch schummrige Clubs, in denen jede Note eine Geschichte erzählt. Und während die letzten Töne verklingen, bleibt vor allem eines: die Gewissheit, dass diese Reise noch lange nicht zu Ende ist.





