Jazz-Neustart – Flore Benguigui kündigt Debütalbum an
In der französischen Popwelt platzte 2024 eine Bombe als Sängerin Flore Benguigui ihren Ausstieg aus der erfolgreichen Elektropop-Band L’Impératrice bekanntgab. Im März wagt sie jetzt einen musikalischen Neustart mit ihrer alten Liebe: dem Jazz.
Flore Benguigui(c) Decca Records / Emma Birski
30.01.2026
Als ausgebildete Sängerin und Pianistin hegt die Französin Flore Benguigui schon lang eine tiefe Liebe zu Evergreens und zu Unrecht vergessenen Klassikern von Nat King Cole bis Chanson-Legende Barbara. Sie betrachtet den Jazz nicht als festgeschriebene Tradition, sondern als spielerisches Labor, in dem sie Nostalgie und Moderne, Balladen und Uptempo-Titel, traditionelle Instrumente und Vintage-Synthesizer miteinander verbindet. Neben ihrer Arbeit im Rampenlicht des Pop als Sängerin der Elektropop-Band L’Impératricebis 2024 ist Flore seit über einem Jahrzehnt eine feste Größe in der Pariser Jazzszene. Ihre unverwechselbare Stimme, flirrend und mädchenhaft, aber punktgenau und selbstbewusst, ist die Basis der swingenden Jazz-Chansons mit einer Dosis Indie-Pop, die sie mit ihrer Band The Sensible Notes für ihr erstes Solo-Werk erarbeitet hat, das am 13. März erscheint.
Aber Vorsicht: nur nostalgisch oder niedlich ist hier nichts! Neben ihrer Musik engagiert sich Flore Benguigui schon länger als feministische Aktivistin und thematisiert Sexismus in der Musikindustrie, unter anderem in ihrem Podcast „Cherchez la femme“. Deshalb versteht sie ihr kommendes Album auch als Bekenntnis zur künstlerischen Freiheit, zu guten Teilen kreiert von Frauen und frei von überholten Normen: „Ich habe mich schon immer für die Stellung der Frau in der Musik und insbesondere für die von Frauen im Jazz interessiert. Es hat eine Weile gedauert, bis ich erkannt habe, dass ich in einem männlich geprägten Umfeld gefangen war. Das war mir im ständigen Rhythmus von Tourneen, Komponieren und Auftritten lange nicht bewusst.“
In diesem Zusammenhang steht auch der scheinbar skurrile Albumtitel “i−330“, basierend auf dem 1920 verfassten dystopischen Science-Fiction-Roman „Wir“ des Russen Jewgeni Samjatin. Das Werk gilt als Vorbild für George Orwells „1984“, die Figur i−330 ist darin eine mysteriöse, rebellische Frau, Teil einer Untergrundbewegung, die den Weg in eine freie Welt sucht.
Die Initialzündung des Albums begann auf der Bühne des Pariser Clubs Le Baiser Salé, wo Flore Benguigui seit elf Jahren mit ihrer Band auftritt – eine Art zweites Zuhause der Sängerin. Zwischen den Stadion-Tourneen mit L’Impératrice fand sie in dem intimen, von Jazzliebhabern geschätzten Lokal neue Kraft. Dann ging es ins Studio Pigalle: Im Sommer 2025 wurden die zwölf Albumtracks live innerhalb von fünf Tagen aufgenommen, klangliche Spontaneität und kleine Unvollkommenheiten trumpften Studioperfektion aus. Inmitten von Pianos, Synthesizern und Vintage-Mikrofonen heilte Flore so die Wunden, die das anstrengende Kapitel der Arbeit mit ihrer alten Band hinterlassen hatte. Ihre alten und neuen Fans dürfen sich aus vielen Gründen auf ihr Solo-Debüt ”i−330“ freuen.