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ECM Touchstones, Teil 1

17.09.2008
Touchstone (englisch für: Prüfstein): Ein kleiner Reibstein zur Feststellung des Reinheitsgrades von Edelmetallen.
Ästhetische Papphüllen im originalen Design. Haptische Anmutung und herausragender Klang zum Download-Preis. Vierzig populäre Titel aus der fast vier Jahrzehnte umspannenden Geschichte von ECM laden Kenner ein, Lücken in ihren Sammlungen zu schließen und öffnen jungen Hörern erste Zugänge zu einem der großen Kataloge des Jazz. Wie die New York Times jüngst bemerkte, stellt er ein “Ideal gedankenvoller improvisierter Musik” dar. Die in dieser Reihe erscheinenden Titel spiegeln die Breite des künstlerischen Spektrums wieder.
Prüf- und Meilensteine zuhauf: Neben den Label-Debüts von Tomasz Stanko, Enrico Rava, Kenny Wheeler und Dino Saluzzi sind wegweisende Aufnahmen von Keith Jarrett, Chick Corea, Paul Bley, Pat Metheny, John Abercrombie, Lester Bowie und anderen vertreten. 

Die ersten zwanzig Touchstones-Alben stellen wir hier nun kurz vor, die nächsten zwanzig erscheinen im Oktober.

John Abercrombie & Ralph Towner – Sargasso Sea
Die hinreißende Einführung des Gitarrenduos Abercrombie und Towner, deren so verschiedenartige Stile sich schon 1976 perfekt ergänzten. “Mit Abercrombie kann ich spielen, als wäre es solo, und überdies noch meine Fähigkeiten als Begleiter erproben”, sagte Ralph Towner.
 
Marc Johnson’s Bass Desires – Bass Desires

Der Bassist fungierte als Leader, doch Marc Johnson insistierte, daß es beim Debüt der Gruppe (1985) “eigentlich um zwei Gitarristen ging”: hier Bill Frisells Klangschwaden und unerwartete Wendungen, dort John Scofield mit seinem körnigeren, vom Jazz-Blues geprägten Tonfall.
 
Paul Bley – Open, To Love
Paul Bleys Soloalbum von 1972, das zu den einflußreichsten Dokumenten in der Geschichte des Jazzpianos gehört, setzt sich tiefgründig mit Kompositionen von Carla Bley und Annette Peacock auseinander.
 
Gary Burton Quintet with Pat Metheny – Dreams So Real
Eine der besten Bands des großen Vibraphonisten Gary Burton spielte 1975 Musik von Carla Bley: Steve Swallow und Bob Moses als Rhythmusgruppe, vorn an der Rampe die zwillingshaften Gitarristen Pat Metheny und Mick Goodrick.
 
Chick Corea – Trio Music Live In Europe
Die Neubelebung von Coreas Trio der 60er Jahre mit Miroslav Vitous und Roy Haynes war eines der Jazzereignisse der frühen 80er Jahre. Das 1984 in Deutschland und der Schweiz live aufgenommene Set enthält Material aller drei Musiker, daneben Standards und ein Stück von Skrjabin.
 
Jack DeJohnette’s Special Edition – Special Edition
Die erste Ausgabe von Jack DeJohnettes Special Edition (1979), die ein größeres Publikum erstmals auf die Saxophonisten David Murray und Arthur Blythe aufmerksam machte, wurde von den DownBeat-Lesern zum Album des Jahres gekürt. Das abwechslungsreiche Programm umfaßt neben Coltrane-Coverversionen auch DeJohnettes Dolphy-Hommage “One For Eric”.
 
Bill Frisell – Lookout For Hope
Das Album der ersten Tourneeband Frisells mit dem Cellisten Hank Roberts, Schlagzeuger Joey Baron und Bassist Kermit Driscoll ruft die Glanzzeit der Downtown-Szene ins Gedächtnis. Außer Thelonious Monks “Hackensack” stammen alle Stücke von Frisell. Aufgenommen 1987.
 
Dave Holland Quartet – Extensions
Album des Jahres 1989 in der Kritikerumfrage des DownBeat. Leader Holland verleitet Steve Coleman, Kevin Eubanks und Marvin “Smitty” Smith zu einigen ihrer stärksten Leistungen auf Platte.
 
Keith Jarrett, Gary Peacock & Jack DeJohnette – Standards Live
Die erste Live-Aufnahme des längst legendären “Standard”-Trios, mitgeschnitten 1985 in Paris. “Wenn das Keith Jarrett Trio spielt, ist die Schwerkraft aufgehoben”, schrieb die New York Times.
 
Keith Jarrett – Facing You
Jarretts erste Soloaufnahme überhaupt, entstanden 1971, in den Anfangstagen seiner langen Zusammenarbeit mit ECM. Zahllose Pianisten haben das Album als prägenden Einfluß ihrer Arbeit bezeichnet.
 
Charles Lloyd – The Call
Charles Lloyd hatte immer das Talent, großartige Bands zusammenzustellen – wie diese hier mit Bobo Stenson, Anders Jormin und Billy Hart. Balladen, darunter die herrlichen “Memories Of Duke”, herrschen vor auf dem 1993 aufgenommenen Album.
 
Pat Metheny Group – American Garage
Gutgelaunter, spielerischer Jazzrock einer jungen Gruppe, die den prägenden Einfluß der Popmusik offen eingesteht. Das Album von 1979 enthält mit “(Cross The) Heartland”, eine der Hymnen der Band.
 
Paul Motian – Conception Vessel

Angeregt von ECM machte Paul Motian 1972 seine ersten Schritte als Projektinitiator, Leader und Komponist. Im Ensemble mit Keith Jarrett, Charlie Haden und Leroy Jenkins entstand ein herausragendes Album.
 
Oregon – Oregon

Erste ECM-Veröffentlichung der Pioniergruppe in der transkulturellen Musik im originalen Line-up mit Ralph Towner, Collin Walcott, Paul McCandless und Glen Moore. Entstanden 1983.
 
Tomasz Stanko – Balladyna

Stankos erste Platte für ECM (1975) und eine hervorragende Einführung in seinen “wilden” Lyrismus, das stilistische Markenzeichen des Polen. In der großartigen Band spielen Dave Holland, Edward Vesala und Tomasz Szukalski.
 
John Surman – Private City

Das populärste unter Surmans im Mehrspurverfahren aufgenommenen Soloalben basiert auf einer Ballettmusik für das Sadler’s Wells Theatre. Aufgenommen 1987.
 
Ralph Towner – Solstice
1974 aufgenommen, 1976 mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet: In der für das erste ECM-Jahrzehnt charakteristischen Ballung von Talenten treten Jan Garbarek, Eberhard Weber und Jon Christensen an, um sich kreativ mit Ralph Towners Kompositionen auseinanderzusetzen.
 
Collin Walcott – Cloud Dance
Mit seinem unverwechselbaren Sitar- und Tablaspiel schuf sich Collin Walcott eine völlig eigene Spielart der Improvisation. Das Zusammentreffen mit dem gerade erst gebildeten Trio von John Abercrombie, Dave Holland und Jack DeJohnette brachte 1975 magische Musik hervor.
 
Kenny Wheeler – Gnu High

“Gnu High” von 1975 war das Debüt des Trompeters, Flügelhornisten und Komponisten Kenny Wheeler bei ECM und zugleich Keith Jarretts letzter Einsatz als Sideman. Im enorm interaktiven Quartett mit Holland und DeJohnette liefern Wheeler und Jarrett erstaunliche Improvisationen.
 
Norma Winstone – Somewhere Called Home
Ein Meilenstein in der Karriere der britischen Sängerin, entstanden 1986. Winstone entkleidet Jazzstandards von jeglichem Dekor, um sie auf ihren emotionalen Kern zu reduzieren. Daneben schreibt sie eigene Texte zu Melodien von Egberto Gismonti, Ralph Towner und Kenny Wheeler.

Weitere Infos zur ECM Touchstones finden Sie hier:
http://www.jazzecho.de/aktuell/rezensionen/detail/article/71212/