Charlie Parker | News | Wie Bird den Bebop an die Westküste brachte: Ein schräger Vogel in der Stadt der Engel

Wie Bird den Bebop an die Westküste brachte: Ein schräger Vogel in der Stadt der Engel

Auf der Doppel-CD “Bird In L.A.” sind zum ersten Mal überhaupt 28 seltene, größtenteils nie zuvor veröffentlichte Aufnahmen versammelt, die von Charlie Parker während seiner ersten drei Aufenthalte in Los Angeles gemacht wurden.
Charlie Parker: Bird In L.A.
Charlie Parker: Bird In L.A.
14.12.2021
Charlie “Bird” Parker war nicht nur einer der größten Saxofonisten, die je auf Erden wandelten, sondern zugleich auch einer der genialen Architekten des modernen Jazz. Obwohl er nur 34 Jahre alt wurde, übte er in seiner kurzen, erratischen Karriere einen enormen Einfluss aus, der weit über die Grenzen des Jazz hinausreichen sollte. Nachdem Parker seine professionelle Laufbahn in Kansas City/Missouri gestartet hatte, verbrachte er den Großteil seines Erwachsenen- und Musikerlebens in New York. Eine bedeutende Rolle spielte bei seinem musikalischen Werdegang allerdings auch die Zeit, die er in der Westküsten-Metropole Los Angeles verlebte. Zwischen 1945 und 1954 unternahm Parker ein halbes Dutzend Reisen in die “Stadt der Engel” und spielte dort viele seiner triumphalsten Aufnahmen ein. Auf der Doppel-CD “Bird In L.A.”, die am 17. Dezember erscheint und es im JazzEcho-Shop gibt, sind jetzt zum ersten Mal überhaupt Aufnahmen versammelt, die von Charlie Parker bei seinen ersten drei Aufenthalten in Los Angeles gemacht wurden. Die Kollektion bietet insgesamt 28 größtenteils nie zuvor veröffentlichte und unglaublich seltene Aufnahmen, die zwischen 1945 und 1952 entstanden waren.
Birds nicht immer leichte Liebesaffäre mit L.A. begann im Dezember 1945. Gemeinsam mit  Dizzy Gillespie präsentierte er den Bebop-Sound, den sie kurz zuvor an der Ostküste kreiert hatten, zum ersten Mal live an der Westküste. Zwei Monate lang traten die beiden Pioniere unter dem Motto “Bebop Invades The West” in Billy Berg’s Supper Club in Hollywood auf. Für Bird, den die glitzernde Stadt sofort faszinierte, war es der Auftakt für einen turbulenten zweijährigen Aufenthalt in L.A. mit vielen Höhepunkten (darunter ein Auftritt bei Norman Granz’ Jazz At The Philharmonic), aber auch bitteren Rückschlägen. Den absoluten Tiefpunkt erreichte Parker am 29. Juli 1946, als er bei der berüchtigten “Lover Man”-Session für Dial Records einen drogenbedingten Zusammenbruch erlitt und für sechs Monate in die Nervenheilanstalt Camarillo State Mental Hospital eingewiesen wurde. An diese Episode erinnert noch heute das Stück “Relaxin’ At Camarillo”, das Parker danach schrieb. Nach seiner Entlassung im Januar 1947 blieb er noch ein paar Monate in L.A., bevor er wieder nach New York ging. Doch die “Stadt der Engel” zog ihn immer wieder an und verleitete ihn dazu, noch mehrmals zurückzukehren.
Bird In L.A.” bietet die gesammelten Aufnahmen in chronologischer Reihenfolge. Zu den Highlights zählen die einzigen bekannten Mitschnitte aus dem Billy Berg’s vom 17. Dezember 1945, drei bisher unbekannte JATP-Aufnahmen aus dem Shrine Auditorium vom 22. November 1948 und die kompletten Aufnahmen der sagenumwobenen Party, die im Juli 1952 auf der Ranch des Künstlers/Bohémiens Jirayr Zorthians in Altadena stattfand (und bei der Bird im Adamskostüm gespielt haben soll). Zu hören ist Charlie Parker hier u.a. mit Dizzy Gillespie And His Orchestra (featuring Milt Jackson, Al Haig, Ray Brown, Stan Levey und Slim Gaillard), seinem eigenen Quintett mit Miles Davis und Pianist Joe Albany und in Begleitung vom Nat “King” Cole Trio, verstärkt durch den Schlagzeuger Buddy Rich sowie die Altsaxophonisten Benny Carter und Willie Smith. Im Booklet von “Bird In L.A.” gibt es detaillierte Angaben zu sämtlichen Tracks und aufschlussreiche Linernotes von John Burton, dem Produzenten des Albums.