Blue Note Tone Poet Serie – ein Klassiker und ein Juwel
Während Hank Mobley 1957 mit dem Album “Hank” seinen Ruf als führender Tenorsaxofonist des Hard Bop festigte, präsentierte sich Tyrone Washington 1967 auf seinem Debüt “Natural Essence” als vielversprechende neue Stimme auf dem Instrument.
Blue Note Tone Poet Serie - Hank Mobley / Tyrone Washington (c) Blue Note Records
14.01.2026
Die erste audiophile LP-Serie von Blue Note Records ist ein weltweiter Erfolg. Kuratiert wird sie von Joe Harley, genannt der „Tone Poet“, vom renommierten amerikanischen Vinyl-Label Music Matters. Die Fertigung erfolgt mit rein analogen Produktionsschritten vom Erste-Generation-Masterband bis zur 180g-Pressung bei Record Technology Incorporated (RTI) in den USA. Den luxuriösen Rahmen bilden laminierte Tip-On-Gatefold-Sleeves und wattierte Innenhüllen.
Hank Mobley – Hank
Zwar nicht sieben Alben auf einen Streich, aber immerhin sieben Alben in einem Jahr, das war die beeindruckende Bilanz, die Hank Mobley, damals der führende Tenorsaxofonist des Hard Bop, am Ende des Jahres 1957 vorweisen konnte. Und mehr noch als die Quantität überraschte die ungebrochen hohe Qualität dieser Alben. “Hank” war das letzte Album dieses atemberaubenden Aufnahme-Marathons. Wie immer hatte Mobley, der eines der Gründungsmitglieder der Jazz Messengers gewesen war, das Album mit einigen der besten Hard-Bop-Musiker jener Zeit eingespielt. Unter ihnen befanden sich mit dem Trompeter Donald Byrd, dem Pianisten Bobby Timmons und dem Bassisten Wilbur Ware gleich drei weitere Jazz Messengers. Komplettiert wurde das hochkarätige Sextett durch den aus Chicago stammenden Altsaxofonisten John Jenkins und den Schlagzeuger Philly Joe Jones. Auf der ersten Seite des Albums stellte Mobley mit “Fit For A Hanker” und “Hi Groove, Low Feedback” zunächst zwei neue Eigenkompositionen vor. Danach interpretiertes er auf der zweiten Seite mit Cole Porters “(You’d Be So) Easy to Love” und “Time After Time” von Jule Styne und Sammy Cahn zwei balladeske Jazzstandards sowie den Bebop-Klassiker “Dance Of The Infidels” des Pianisten Bud Powell.
Tyrone Washington – Natural Essence
Das Debütalbum des damals 23-jährigen Tenorsaxofonisten Tyrone Washington gilt als eines der versteckten Juwelen im umfangreichen Katalog von Blue Note Records. Das Interesse des Produzenten Alfred Lion hatte der bis dahin unbekannte Saxofonist bei zwei Aufnahmesessions im November 1966 und im September 1967geweckt, aus denen die Alben “The Jody Grind” des Horace Silver Sextet und “Contrasts” des Organisten Larry Young hervorgingen. Im Dezember 1967 gab Alfred Lion Tyrone Washington dann die Gelegenheit, mit anderen “jungen Löwen” – dem Pianisten Kenny Barron, dem Trompeter Woody Shaw, dem Altsaxofonisten und Flötisten James Spaulding, dem Bassisten Reggie Workman und dem Schlagzeuger Joe Chambers – sein erstes eigenes Album einzuspielen. Auf “Natural Essence” präsentierte sich der Saxofonist als neue, vitale Stimme des Jazz. Dabei machte er keinen Hehl daraus, dass er von dem kurz zuvor verstorbenen John Coltrane, aber auch von Albert Ayler und Archie Shepp beeinflusst war. In sechs eigenen Kompositionen bot der Newcomer eine Mischung Post-Bop mit avantgardistischem Einschlag und groovebasiertem Soul-Jazz. In dem Stück “Ethos” flirtete er zudem auf originelle Weise mit der Bossa Nova. Bedauerlicherweise zog sich Tyrone Washington nach nur drei eigenen Alben und fünf Aufnahmen als Sideman im Jahr 1976 überraschend ganz von der Musik zurück. Es gibt allerdings Gerüchte, dass er 1968 in der Traumbesetzung mit Herbie Hancock, Herbie Lewis und Jack DeJohnette noch eine zweite Aufnahmesession für Blue Note absolviert hat.