Women’s History Month – Legenden auf farbigem Vinyl

Seit der US-Kongress den März im Jahr 1987 offiziell zum Women’s History Month erklärte, steht dieser Monat in immer mehr Ländern im Zeichen der Frau – in Deutschland allerdings, anders als der Internationale Frauentag am 8. März, nur inoffiziell. Das amerikanische Verve Label hat nicht nur aktuell erfolgreiche und einflussreiche Musikerinnnen unter Vertrag, sondern blickt auch auf zahlreiche historische Veröffentlichungen von Jazz-Künstlerinnen zurück. Anlässlich des diesjährigen Women’s History Month bringt Verve nun zwei Alben von weiblichen Musiklegenden auf farbigem Vinyl heraus: “I Put A Spell On You” von Nina Simone und “The Astrud Gilberto Album”. Beide gibt es exklusiv nur bei JPC und im Jazzecho-Store. Als der US-amerikanische Hörfunksender NPR (National Public Radio) vor einigen Jahren eine Liste der 150 besten von Frauen gemachten Alben erstellte, landete Astrud Gilberto mit “The Astrud Gilberto Album” auf Rang 73, Nina Simone schaffte es mit “I Put A Spell On You” sogar auf Platz 3.
Nina Simone und Astrud Gilberto verkörperten zwei Frauenbilder, die auf den ersten Blick kaum gegensätzlicher sein könnten. Die als Eunice Kathleen Waymon geborene kämpferische Nina sah sich als Afroamerikanerin von klein auf mit Rassismus konfrontiert und avancierte später zu einer Ikone der Bürgerrechtsbewegung. Ihren Künstlernamen Nina Simone wählte die klassisch geschulte Pianistin, als sie 1954 damit begann, in Bars mit Jazz und Blues – einer Musik, die ihre Mutter als “Teufelsmusik” bezeichnete – aufzutreten. Der internationale Durchbruch gelang ihr mit den sieben Alben, die sie zwischen 1964 und 1967 für Philips Records aufnahm. Mit dem Album “I Put A Spell On You” und der gleichnamigen Single katapultierte sich Simone 1965 in die Charts. Es ist bis heute eines der populärsten Alben der 2003 verstorbenen Sängerin und Pianistin.
Astrud Gilberto wuchs hingegen in einer Familie der gehobenen Mittelschicht im berühmten Stadtteil Copacabana in Rio de Janeiro auf. Ihre musikalischen Ambitionen wurden von ihren ebenfalls künstlerisch veranlagten Eltern schon früh unterstützt. Als Teenager verkehrte sie in den Kreisen der bohemienhaften Jugend, aus der die Bossa-Nova-Szene hervorging. Dort lernte sie auch ihren ersten Ehemann, João Gilberto, kennen. Im November 1962 begleitete sie den Sänger und Gitarristen als Übersetzerin zu einem Auftritt mit Stan Getz in der New Yorker Carnegie Hall. Als die beiden Musiker ein paar Monate später ihr gemeinsames Album “Getz/Gilberto” aufnahmen, hatte João die Idee, die Stücke “The Girl from Ipanema” und “Corcovado” im Duett mit seiner Frau einzusingen. Der Welterfolg dieser Aufnahme, die 1965 unter anderem den Grammy Award für das Beste Album des Jahres erhielt, öffnete Astrud die Tür zu ihrer eigenen Solokarriere, in der sie sich mehr und mehr von männlicher Bevormundung befreite. Auf ihrem ersten Album, wenig inspiriert “The Astrud Gilberto Album” betitelt, interpretierte sie mit ihren sanften Stimme auf unanachahmliche Art zahllose zeitlose Bossa-Klassiker des Komponisten Antonio Carlos Jobim, der sie auch als Gitarrist begleitete.





