Morgan Freeman und der Blues: vom Mississippi-Delta zur Abbey Road - Morgan Freeman's Symphonic Blues Experience | JazzEcho

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Morgan Freeman's Symphonic Blues Experience
Morgan Freeman's Symphonic Blues Experience

Morgan Freeman und der Blues: vom Mississippi-Delta zur Abbey Road

Mit „Morgan Freeman’s Symphonic Blues Experience“ hat der Oscar-Preisträger ein musikalisches Herzensprojekt verwirklicht. Nach der Digitalveröffentlichung im August erscheint das Album jetzt auch auf CD. Die LP folgt am 16. Oktober.
Morgan Freeman
Morgan Freeman
(c) Ground Zero Blues Club Media
24.09.2026

„Ich habe den Blues zum ersten Mal auf der Veranda meiner Großmutter im Mississippi-Delta gehört, und er hat mich nie wieder verlassen.“ Wenn Morgan Freeman über den Blues spricht, geht es nicht um eine neu entdeckte Leidenschaft. Die Musik begleitet den Schauspieler seit seiner Kindheit. Mit „Morgan Freeman’s Symphonic Blues Experience“ macht der Oscar-Preisträger diese lebenslange Verbindung zum Ausgangspunkt einer musikalischen Reise durch rund ein Jahrhundert Bluesgeschichte.

Seit August ist das zwölf Stücke umfassende Album digital zu hören, am 25. September erscheint „Morgan Freeman’s Symphonic Blues Experience“ nun auch auf CD. Die LP folgt am 16. Oktober.

Morgan Freeman erzählt 100 Jahre Bluesgeschichte

Wer dabei ein überraschendes Gesangsdebüt des Hollywood-Stars erwartet, wird allerdings enttäuscht – oder vielleicht beruhigt. Freeman versteht sich bei dem Projekt vor allem als Produzent, Initiator und Erzähler. Seine unverwechselbare Stimme eröffnet das Album zu Blind Willie Johnsons „Dark Was the Night, Cold Was the Ground“; die musikalische Hauptrolle überlässt er einigen der profiliertesten Bluesmusikerinnen und -musiker der Gegenwart.

Die zwölf Stücke schlagen einen großen historischen Bogen: von Blind Willie Johnson und Robert Johnson über Son House, Elmore James und B.B. King bis zu „I Lied To You“ aus dem Soundtrack von „Sinners“. Klassiker werden dabei nicht museal konserviert, sondern mit neuen Arrangements in einen größeren Klangraum versetzt.

Eine Schlüsselrolle übernimmt dabei Martin Gellner. Als Music Director, Dirigent, Arrangeur und Produzent bringt er Bluesband und Orchester zusammen und verantwortet einen wesentlichen Teil der sinfonischen Gestaltung des Albums.

Taj Mahal, Keb’ Mo’ und Shemekia Copeland treffen auf ein außergewöhnliches Orchester

Für das Projekt hat Freeman eine Besetzung zusammengebracht, die sich wie ein kleines Who’s who des heutigen Blues liest. Taj Mahal übernimmt Son Houses „Death Letter Blues“, Keb’ Mo’ widmet sich „Cadillac Assembly Line“, Alvin Youngblood Hart ist bei „The Thrill Is Gone“ zu hören. Dazu kommen unter anderem Shemekia Copeland, James „Super Chikan“ Johnson, Anthony „Big A“ Sherrod, Keith Johnson, Adrienne „Lady Adrena“ Ervin, Luther Dickinson, Tiernii Jackson und der Stax Music Academy Choir.

Viele der beteiligten Musikerinnen und Musiker stehen in direkter Verbindung zur lebendigen Bluesszene des Mississippi-Deltas. Eine wichtige Basis bildet die Ground Zero Blues Club Band. Freeman ist Mitgründer des Ground Zero Blues Club in Clarksdale – jenem Ort im Mississippi-Delta, der seit Jahrzehnten Bluesfans aus aller Welt anzieht.

Den entscheidenden klanglichen Kontrapunkt liefert das Chineke! Orchestra. Das 2015 von Chi-chi Nwanoku gegründete Ensemble gilt als Europas erstes professionelles Orchester mit mehrheitlich Schwarzen und ethnisch diversen Musikerinnen und Musikern. Seine Parts für Freemans Projekt entstanden unter Gellners Leitung in den Abbey Road Studios in London, während die Blues-Aufnahmen in Lawrence „Boo“ Mitchells traditionsreichen Royal Studios in Memphis eingespielt wurden.

Ein Bluesprojekt mit Verbindung nach Mumbai

Hinter „Morgan Freeman’s Symphonic Blues Experience“ steht allerdings ein deutlich größeres internationales Team, als es beim ersten Hören vielleicht den Anschein hat. Zu den Produzenten gehören auch V.G. Jairam, V.G. Jaishankar und Neale Murray von Hyperlink Brand Solutions. Alle drei verbindet seit Jahren eine besondere Beziehung zum Blues: Sie sind eng mit dem Mahindra Blues Festival in Mumbai verbunden, einem der wichtigsten Bluesfestivals Asiens.

Ihre Beteiligung fügt der ohnehin ungewöhnlichen Geografie des Albums eine weitere Station hinzu. Ein Projekt, dessen musikalisches Herz im Mississippi-Delta schlägt, dessen Orchester in London aufgenommen wurde und dessen Produktion bis nach Indien reicht, zeigt nebenbei, wie weit die ursprünglich regionale Musik des amerikanischen Südens längst in die Welt ausgestrahlt hat.

Vom Mississippi-Delta zur Abbey Road

Gerade diese Verbindungen machen die Idee hinter „Morgan Freeman’s Symphonic Blues Experience“ interessant. Hier soll der Blues nicht durch ein Sinfonieorchester „veredelt“ werden. Vielmehr treffen zwei Klangwelten aufeinander, wobei die Geschichte und Ausdruckskraft des Blues das Zentrum bilden.

Für Freeman ist diese Geschichte untrennbar mit der afroamerikanischen Erfahrung verbunden. Der Blues, sagt er, wurzele in Geschichten, die von Westafrika in den amerikanischen Süden getragen wurden, und sei zum Zeugnis eines ungebrochenen menschlichen Geistes geworden. Entsprechend versteht er das Album nicht allein als musikalisches Projekt, sondern auch als Erinnerung an die Menschen und Lebenswelten, aus denen diese Musik hervorgegangen ist.

Dass es dabei nicht nur bei einer symbolischen Würdigung bleiben soll, zeigt die Ground Zero Arts Foundation, die Freeman mitgegründet hat. Sie widmet sich dem Erhalt des Blues in Mississippi und unterstützt Musikerinnen und Musiker vor Ort – unter anderem mit wirtschaftlicher Hilfe, Gesundheitsangeboten und weiteren Unterstützungsleistungen. Die Erlöse aus „Morgan Freeman’s Symphonic Blues Experience“ sollen vollständig der Foundation zugutekommen und damit in jene Community zurückfließen, aus der das Projekt seine Inspiration bezieht.

Morgan Freeman's Symphonic Blues Experience
Morgan Freeman's Symphonic Blues Experience
25. Sep. 2026

Musik von Morgan Freeman's Symphonic Blues Experience

Morgan Freeman's Symphonic Blues Experience
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