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Mit einer geradezu fantastischen All-Star-Band hat der Bassist Miroslav Vitous sein neues ECM-Album “Universal Syncopations” eingespielt. Zehn Jahre nach seinem letzten Album unter eigenem Namen (gemeint ist das mit Jan Garbarek für ECM realisierte Duo-Album “Atmos”) meldet sich Vitous, der 1970 Gründungsmitglied der legendären Jazzrockband Weather Report war, nun voller Elan und Esprit sowie mit atemberaubenden Einspielungen zurück.
Als Partner wählte der in den USA lebende Tscheche vier Musiker, die – wie er selbst – in den späten 60ern und frühen 70ern Weltruhm erlangten und heute zu den absoluten Stars der Jazzszene zählen: Tenor- und Sopransaxophonist Jan Garbarek, Pianist Chick Corea, Gitarrist John McLaughlin und Schlagzeuger Jack DeJohnette.
Als Miroslav Vitous und Manfred Eicher sich erstmals über dieses Projekt unterhielten, faßte man unter anderem auch ins Auge, an das Konzept des ersten Albums anzuknüpfen, das der tschechische Bassist 1969 unter eigenem Namen veröffentlicht hatte. “Infinite Search” war von dem kürzlich verstorbenen Flötisten Herbie Mann für sein über Atlantic Records vertriebenes Embryo-Label produziert worden und präsentierte den damals 21jährigen Vitous mit John McLaughlin, Jack DeJohnette, Joe Henderson, Herbie Hancock und Joe Chambers. Besonders unter Jazzmusikern hatte diese Platte, die später unter dem Titel “Mountain In The Clouds” wiederveröffentlicht wurde, den Ruf, eines der wichtigsten Alben dieser Ära zu sein. “Universal Syncopations” knüpft, ohne in irgendeiner Weise nostalgisch zu wirken, an den Aufbruchsgeist dieser Zeit an und scheint dort weiterzumachen, wo “Infinite Search” damals aufhörte. Die Hauptfiguren sind diesmal zwar deutlich gereifte Musiker, doch ihre solistischen Darbietungen klingen heute genauso frisch und aufregend wie vor über 30 Jahren, als sie alle noch am Anfang ihrer Karriere standen.
Die fünf Musiker, die hier gemeinsam zu hören sind, haben seit dem Ende der 60er Jahre immer mal wieder in der einen oder anderen Konstellation zusammengearbeitet. So spielten Miroslav Vitous, Chick Corea, John McLaughlin und Jack DeJohnette beispielsweise auf Wayne Shorters epochalem Album “Super Nova” (1969) mit. Diese Aufnahmesession, an der u.a. auch noch Airto Moreira beteiligt war, gab übrigens auch den Ausschlag für die Gründung von Weather Report. Schon davor hatten Corea und Vitous mit dem Schlagzeuger Roy Haynes das Album “Now He Sings, Now He Sobs” (1968) aufgenommen, das heute ebenfalls als ein absoluter Klassiker des Jazz gilt. Das Trio formierte sich in den 80ern neu, um für ECM die beiden Alben “Trio Music” (1981) und “Trio Music Live In Europe” (1984) zu machen. DeJohnette, McLaughlin und Corea waren alle zur gleichen Zeit auch Mitglieder der Band von Miles Davis, mit dem auch Vitous eine – allerdings nur flüchtige – musikalische Begegnung hatte. Vitous und DeJohnette arbeiteten wiederum bei einer ganzen Reihe von Gelegenheiten als Rhythmus-Tandem zusammen. Im Trio mit Terje Rypdal nahmen sie so 1978 “Terje Rypdal/Miroslav Vitous/Jack DeJohnette” und 1981 “To Be Continued” für ECM auf. Jan Garbarek und John McLaughlin begegneten sich das erste Mal bei den Sessions für Zakir Hussains ECM-Album “Making Music” (1986) in einem Aufnahmestudio. Garbarek und Vitous arbeiteten schließlich auf den ECM-Alben “Star” (1991) und “Atmos” (1992) miteinander und tourten gemeinsam mit Peter Erskine.
Auf “Universal Syncopations” verleitet Miroslav Vitous seine Mitspieler zu einer musikalischen Zeitreise ganz besonderer Art. So kehrt Jan Garbarek auf dieser CD nach langer Zeit zu seinen eigentlichen musikalischen Wurzeln zurück, zum kraftvollen Blues und Jazz reinsten Wassers. Ein besonderes Vergnügen (und auch eine kleine Sensation) ist es, Garbarek, dessen Phrasierung im Laufe der Jahrzehnte immer “nasaler” geworden ist, in Vitous' “Tramp Blues” mit dem ungeschliffenen Biß spielen zu hören, der ihn Ende der 60er, Anfang der 70er auszeichnete. Garbarek sucht hier – wie auch in “Miro Bop” – endlich mal wieder die längst verloren geglaubten tieferen Register seines Tenorsaxophons auf.
Chick Corea ist – ähnlich wie Mirolav Vitous selbst – ein Musiker, der sich im Laufe seiner immer wieder Neues ausprobiert hat und sich in nahezu allen Spielarten des Jazz zuhause fühlt. Das Zusammenspiel der beiden auf “Universal Syncopations” ruft natürlich unweigerlich Erinnerungen an die Trio-Aufnahmen mit Roy Haynes wach. Aber Coreas kantig-rhythmisches Klavierspiel ist auch ein Echo jener Zeit, als er Miles Davis bei den Sessions für Alben wie “In A Silent Way” und “Filles De Kilimanjaro” zu neuen Ideen antrieb.
Miroslav Vitous war es, der John McLaughlin mit seinem tschechischen Landsmann Jan Hammer bekannt machte und somit indirekt zur Entstehung des Mahavishnu Orchestra beitrug. Der McLaughlin, der auf “Universal Syncopations” zu hören ist, hat allerdings mehr mit dem McLaughlin der Prä-Mahavishnu-Ära gemein. Die aufregenden Improvisationen des Gitarristen erinnern an die Zeit, als McLaughlin mit John Surman und Tony Oxley das Album “Extrapolation” und mit Tony Williams' Lifetime “Emergency” und “Turn It Over” einspielte.
Als Jack DeJohnette 1969 sein erstes Album als Leader aufnahm (“The DeJohnette Complex”) war Miroslav Vitous einer der beiden an der Einspielung beteiligten Bassisten (der andere war Eddie Gomez). Schon damals war Jack DeJohnettes Schlagzeugspiel von einem schier unerschöpflichen Einfallsreichtum geprägt. Und der hat im Laufe der seitdem verstrichenen Jahre keineswegs nachgelassen. DeJohnettes elastischer Beat sucht im Jazz nach wie vor seinesgleichen. Nur in den seltensten Fällen halten Alben mit einer solchen All-Star-Besetzung das, was sie den Namen nach versprechen. “Universal Syncopations” ist eine der überaus raren Ausnahmen, bei der die in sie gesetzten Erwartungen sogar noch übertroffen wurden.
ECM Records
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