Marcin Wasilewski Trio | Aktuelle News und Rezensionen

Rezensionen von Marcin Wasilewski Trio

Marcin Wasilewski Trio: strahlender denn je zuvor
“Ihre gemeinsamen Jahre haben ein Ensemble mit einem vollkommen symbiotischen kreativen Flow hervorgebracht”, merkte Don Heckman in der Los Angeles Times an, als das Marcin Wasilewski Trio zum ersten Mal auf der internationalen Jazzszene in Erscheinung trat. Die improvisatorische Kommunikation zwischen den Musikern hat sich im Laufe der Jahre weiter vertieft, so wie auch die Bandbreite ihrer kreativen Optionen. “En Attendant” zeugt von der weitreichenden Fantasie der Musiker und von der Art und Weise, wie Einflüsse aus verschiedenen Quellen in die klare musikalische Sprache der Band eingeflochten werden können. “En Attendant” entstand im August 2019 in den Studios La Buissonne in Südfrankreich, unmittelbar bevor Marcin Wasilewski, Slawomir Kurkiewicz und Michal Miskiewicz mit Tenorsaxophonist Joe Lovano “Arctic Riff” einspielten. Das vielseitige polnische Trio befand sich zu diesem Zeitpunkt in nachdenklicher, forschungsfreudiger Stimmung und leuchtete ein besonders breitgefächertes Spektrum an Musik aus. Kollektiv geschaffene Stücke werden auf “En Attendant” mit Wasilewskis geschmeidiger Komposition “Glimmer Of Hope”, Carla Bleys zeitlosem “Vashkar” (beide Nummern spielten sie übrigens auch noch einmal mit Lovano für “Arctic Riff” ein), dem hypnotischen Doors-Hit  “Riders On The Storm” und einer Auswahl aus Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen gegenübergestellt und in diesem Rahmen umgestaltet. Fluidität ist das Markenzeichen dieses Trios, verbunden mit einem nahezu telepathischen Verständnis, das die drei Protagonisten in mehr als einem Vierteljahrhundert gemeinsamen Musizierens erworben haben. Das dreiteilige “In Motion” bietet die bislang gründlichste Darstellung der Fähigkeit des Trios, Formen im Moment zu finden und musikalische Strukturen mit einem fortlaufenden Sinn für architektonische Proportionen auszugestalten und zu entwickeln. Auf den Opener “In Motion Part I” folgt die “Variatio 25” aus den Goldberg-Variationen, eine Erinnerung daran, dass alle Wege letztendlich zu Bach führen. Das Trio lotet hier behutsam die Atmosphäre der dunklen Leidenschaft dieser in Moll gehaltenen Arie aus und umspielt ihre exquisite Melodie. Paul Bleys 1963er Album “Footloose!” gab vielen Musikern die erste Gelegenheit, Carla Bley als Komponistin kennenzulernen. Gleich fünf Stücke hatte sie damals zum Repertoire beigesteuert. Wie Marcin Wasilewski kürzlich bemerkte, stieß ihm das Album “die Tore zu etwas Unentdecktem” auf, darunter die unerschöpflichen Geheimnisse von Stücken wie “Vashkar”. Es ist eine der Kompositionen, auf die das Trio  immer wieder gerne zurückkommt, weil es in ihr stets etwas Neues zu entdecken gibt. Auch Coverversionen von Pop- unde Rock-Nummern sind seit langem Teil der Geschichte des Trios. Auf früheren Alben hat es schon Björks “Hyperballad”, Princes “Diamonds And Pearls”, “Message In A Bottle” von The Police und weitere Stücke neu kontextualisiert. Das ikonische “Riders On The Storm” von den Doors reiht sich nun mit einem auf raffinierte Weise unkonventionellen Arrangement in diese Liste ein. Während die rhythmische Atmosphäre hier dem brodelnden Groove des Originals nahekommt, steht Bassist Slawomir Kurkewicz über weite Teile des Stücks im Vordergrund. Er agiert innerhalb der Form als Solist, während Wasilewski die Harmonien auskostet. Marcins Rubato-Ballade “Glimmer Of Hope” bewegt sich wie Wellen, lässt sein glitzerndes Motiv über Michal Miskiewiczs detailreiches Becken- und Trommelspiel durch wechselnde Tonalitäten treiben. “Es gibt eine Galaxie von Klaviertrios im heutigen Jazz-Universum, aber nur wenige strahlen so hell wie das von Marcin Wasilewski”, schrieb Freya Parr 2018 im BBC Music Magazine. Und auf seinem siebten Album “En Attendant” strahlt das Marcin Wasilewski Trio nun heller denn je zuvor.
vor 3 Monaten
Marcin Wasilewski Trio
Never change a winning team – “Faithful” vom Marcin Wasilewski Trio
“Promiskuitives” Verhalten ist für viele Jazzmusiker bei der Wahl ihrer Spielpartner lange Zeit die Regel gewesen. Erst in den letzten Jahren tauchten wieder vermehrt Ensembles auf, die nicht auf hohe Fluktuation setzten, sondern personeller Kontinuität den Vorzug gaben. Ein Musterbeispiel dafür ist fraglos das polnische Marcin Wasilewski Trio, das in seiner heutigen Besetzung mit Bassist Slawomir Kurkiewicz und Schlagzeuger Michal Miskiewicz schon seit 18 Jahren zusammenspielt. Ein Faktum, das umso erstaunlicher ist, wenn man bedenkt, dass die drei Musiker in den Jahrgängen 1975 und 1977 geboren wurden. Ihrem Sinn für Loyalität tragen sie nun auch im Titel ihres dritten ECM-Albums “Faithful” Rechnung. Treu geblieben sind sie darauf nicht nur einander, sondern auch der musikalischen Linie ihrer bisherigen Alben. Wie schon auf “Trio” (2005) und “January” (2008) spielen die drei eine fein austarierte Mischung aus Wasilewskis Eigenkompositionen und originell überarbeiteten Stücken. Nachdem sie ihr Repetoire auf den beiden vorangegangenen Alben durch Songs von Carla Bley, Prince, Ennio Morricone, Björk, Weather Report und Gary Peacock angereichert hatten, greifen sie diesmal Stücke von Hanns Eisler (“An den kleinen Radioapparat”), Ornette Coleman (“Faithful”), Hermeto Pascoal (“Oz Guizos”), Paul Bley (“Big Foot”) und dem Songwriter-Gespann Tommy Wolf/Fran Landesman (“Ballad Of The Sad Young Men”) auf. Wobei die wichtigsten Ingredienzen wieder von ihnen selbst stammen: Energie, Lyrizismus und originelle Improvisationen. Man kann nur hoffen, dass sie das Alf-Ramsey-Motto “Never change a winning team” noch lange beherzigen. Im April und Mai wird das Marcin Wasileswki Trio sein neues Album “Faithful” bei Konzerten in Deutschland vorstellen. Auftreten wird es dann im Bremer Sendesaal (8. April), im Jazzclub Hannover (9. April), im Ampere in München (10. April), im Leipziger Jazzclub (11. April), im Kölner Stadtgarten (13. April), im Berliner A-Trane (14. April) und im Stuttgarter Bix (15. April).
vor 11 Jahren
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