Diavola - Gabrielle Cavassas Blue-Note-Debüt erschienen

“Who is she?“, fragten sich viele, als der Tenorsaxofonist Joshua Redman vor drei Jahren Gabrielle Cavassa prominent auf seinem ersten Blue-Note-Album “where are we” präsentierte. Denn bis dahin konnte die junge Sängerin nicht allzu viele Referenzen vorweisen. Lediglich ihr 2020 in Eigenregie veröffentlichtes Debüt “Gabrielle Cavassa”, einige Gastauftritte auf Alben anderer Künstler und ihren Sieg bei der renommierten International Sarah Vaughan Jazz Vocal Competition im Jahr 2021. Auf “Diavola”, ihrem ersten eigenen Album für Blue Note Records, kann man Gabrielle Cavassa nun besser kennenlernen: als Sängerin, deren Phrasierung ein wenig an die ihres Vorbilds Billie Holiday oder auch Madeleine Peyroux erinnert, als begabte Songschreiberin sowie als Interpretin eines wunderbar breitgefächerten Repertoires, das die Grenzen des Jazz elegant sprengt.
Das Spektrum reicht dabei von Jazzstandards wie “Prisoner of Love” über klassische Popsongs wie Burt Bacharachs “Raindrops Keep Falling On My Head”, Barry Manilows “Could It Be Magic” und Mario Lanzas “Be My Love” sowie italienische Evergreens der 1960er Jahre wie “Angelo” und “La notte dell’addio” bis hin zur englischsprachigen Version von Edu Lobos “Pra dizer adeus” (To Say Goodbye), die 1971 auf dem Album “Sérgio Mendes Presents Lobo” erschien. “Ich habe großen Respekt vor Liedern und möchte ihnen auf die bestmögliche Weise gerecht werden”, sagt Gabrielle Cavassa.
Auf “Diavola” knüpft die Sängerin – diesmal allerdings unter umgekehrtem Vorzeichen – wieder an die Zusammenarbeit mit Joshua Redman an. Der Tenorsaxofonist ist in zwei Stücken als Gast zu hören und hat das Album außerdem zusammen mit Blue-Note-Chef Don Was produziert. Noch zentraler ist diesmal jedoch die enge Zusammenarbeit mit dem Tortoise-Gitarristen Jeff Parker, der das Album mit einem stimmungsvollen Solo-Intro eröffnet und danach an Cavassas Seite glänzt. Komplettiert wird der Kern der fantastischen Band durch zwei weitere Meister ihres Instruments: den Bassisten Larry Grenadier und den Schlagzeuger Brian Blade. In drei Stücken ist schließlich auch der Pianist Paul Cornish mit von der Partie, darunter in der unter die Haut gehenden Abschlussnummer “La notte dell’addio”, die Cavassa mit ihm im Duo vorträgt. Obwohl Cavassa all diese Songs auf ihre eigene Art interpretiert, mit den Melodiebögen spielt und nicht selten die Tempi dehnt und entschleunigt, bleiben die Seele und die Aussage der Lieder vollkommen intakt.
Mit ihrer atemberaubenden Performance auf Joshua Redmans Album “where are we” katapultierte sich Gabrielle Cavassa 2023 ins internationale Scheinwerferlicht. DownBeat bejubelte sie damals als einen “aufstrebenden Star”, während Stereophile schrieb: “Für viele dürfte Cavassa die Entdeckung dieses Albums sein.” “Es ist eine Art Cinderella-Story”, sagt die heute 31-Jährige, die anschließend auch mit dem Saxofonisten auf Tournee ging. “Das war eine sehr einschneidende Veränderung in meinem Leben. Für mich als Sängerin war es eine absolut seltene Gelegenheit, mit Joshua auf diesem Niveau auf Tournee gehen zu können. Im Jazz ist das ein Initiationsritus.” Wenn man hört, wie selbstbewusst und mühelos sie auf “Diavola” mit den unterschiedlichsten Genres jongliert und dabei doch nie ihre Wurzeln im Jazz aus den Augen verliert, freut man sich schon jetzt auf ihre kommenden Alben.

