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Charles Lloyd erinnert an Zakir Hussain

Das gerade erschienene Charles-Lloyd-Album „Sangam & Friends“ ist ein musikalisches Vermächtnis zwischen Jazz und indischer Klassik.
Zakir Hussain - Eric Harland - Charles Lloyd (2009)
Zakir Hussain - Eric Harland - Charles Lloyd (2009)
(c) Dorothy Darr
23.07.2026

Manche Alben sind weit mehr als eine Sammlung von Aufnahmen. Sie erzählen von Freundschaft, gegenseitigem Respekt und einer gemeinsamen musikalischen Vision. „Sangam & Friends“ gehört in diese Kategorie. Mehr als zwanzig Jahre verband den amerikanischen Saxofonisten Charles Lloyd und den indischen Tabla-Meister Zakir Hussain eine außergewöhnliche künstlerische Partnerschaft. Nach Hussains Tod im Dezember 2024 erscheint nun ein Album, das nicht nur bislang unveröffentlichte Studioaufnahmen ans Licht bringt, sondern zugleich das Vermächtnis eines der bedeutendsten Perkussionisten unserer Zeit würdigt. Exklusiv im JazzEcho-Store ist es als limitierte gelbe LP erhältlich, auch mit handsignierter Art Card und in starker Limitierung mit einer zusätzlichen Whitelabel-Variante des Albums.

Dialog zwischen Jazz und Weltmusik

Charles Lloyd zählt zu den wenigen Musikern, die den modernen Jazz über Jahrzehnte hinweg immer wieder neu definiert haben. Seine Karriere ist geprägt von stilistischer Offenheit, spiritueller Tiefe und einer ungebrochenen Neugier auf andere Kulturen und musikalische Traditionen.

Nach seinem Wechsel von ECM zu Blue Note Records im Jahr 2015 entstand dort eine weitere Reihe bemerkenswerter Produktionen, die Lloyd als einen der großen Elder Statesmen des zeitgenössischen Jazz bestätigen. Elf Alben veröffentlichte er seither bei Blue Note – jedes davon Ausdruck einer künstlerischen Haltung, die Begegnung stets über Abgrenzung stellt. Ein besonderer Höhepunkt dieser Schaffensphase war „Trio: Sacred Thread“ (2022), auf dem Lloyd erneut mit Zakir Hussain zusammentraf.

Das Sangam-Trio schrieb Jazzgeschichte

Die Geschichte von Sangam begann bereits 2001 mit den ersten gemeinsamen Auftritten von Charles Lloyd und Zakir Hussain. Drei Jahre später komplettierte Schlagzeuger Eric Harland das Ensemble. Das 2006 bei ECM veröffentlichte Album „Sangam“ entwickelte sich rasch zu einem Meilenstein jener Musik, die sich jeder stilistischen Schublade entzieht. Statt Jazz und indische Klassik lediglich miteinander zu verschmelzen, entstand ein musikalischer Dialog auf Augenhöhe. Improvisation, Rhythmus und Spiritualität begegneten sich mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit. Obwohl das Trio in den folgenden Jahren regelmäßig auf Tournee ging, blieb ein weiteres Studioalbum aus.

Mit Zakir Hussains Tod schien dieses Kapitel endgültig abgeschlossen. Umso bewegender wirkt nun die Veröffentlichung von „Sangam & Friends“. Das Album basiert auf bislang unveröffentlichten Aufnahmen, die bereits 2009 in Mumbai entstanden, jedoch nie zu einem Album komplettiert wurden.

Die Mumbai-Sessions vereinen herausragende Musiker der indischen Klassik

Aufgenommen wurden die Stücke unmittelbar nach dem traditionellen „Abbaji“-Konzert, mit dem Zakir Hussain alljährlich seinen Vater Alla Rakha ehrte. Der legendäre Tabla-Spieler gehörte zu den wichtigsten Botschaftern der nordindischen klassischen Musik und prägte Generationen von Musikerinnen und Musikern.

Für Charles Lloyd schloss sich damit ein persönlicher Kreis. Bereits Ende der 1950er-Jahre hatte er Alla Rakha während seines Studiums an der University of Southern California kennengelernt. Später erinnerte sich Lloyd daran, durch diese Begegnung erstmals „den Ruf von Mother India“ vernommen zu haben.

Entsprechend hochkarätig war die Besetzung der Sessions. Mitwirkende wie der karnatische Sänger Vijay Prakash, Bansuri-Meister Rakesh Chaurasia, Sarangi-Virtuose Sabir Khan, Keyboarder Ranjit Barot und Sitar-Spieler Niladri Kumar erweitern den Klangkosmos des Sangam-Trios um weitere Facetten der indischen Musiktradition. Gemeinsam entsteht eine faszinierende Klanglandschaft, in der kulturelle Grenzen ihre Bedeutung verlieren.

Die besondere Atmosphäre in Mumbai

Wie intensiv diese Tage erlebt wurden, schildert Produzentin Dorothy Darr in den Liner Notes des Albums eindrucksvoll: „Indien zum ersten Mal zu erleben, war eine intensive und großartige Erfahrung. Mumbai ist ein Gewimmel von Menschen, mit vielschichtigen Klängen, prächtigen Farben und exotischen Aromen. Es hat uns auf jeder Ebene tief bewegt.“

Besonders das „Abbaji“-Konzert habe laut Darr nachhaltige Spuren hinterlassen. Die expressiven Klänge der Sarangi, die schwebenden Melodien der Bansuri, der charakteristische Ton der Sitar und die menschliche Stimme seien anschließend mit ins Nirvana Studio genommen worden, als Inspiration für eine Musik, die sich frei zwischen den Traditionen bewegt.

Archivaufnahmen vervollständigen Album „Sangam & Friends“

Der Großteil des Albums entstand an nur einem Tag im Februar 2009. Eine spätere Fortsetzung der Sessions war zwar geplant, ließ sich jedoch nie realisieren. Für die nun veröffentlichte Fassung ergänzten Charles Lloyd und Blue Note Records das Material nun behutsam um ausgewählte Archivaufnahmen.

Dazu gehört das lebensfrohe „Jai Ganga“, ebenso wie „Sam On The Ganges“. Letzterer Titel greift Charles Lloyds Komposition „Sombrero Sam“ auf, die bereits 1966 auf dem Album „Dream Weaver“ mit Keith Jarrett, Cecil McBee und Jack DeJohnette erschien. Die Neuinterpretation verbindet Vergangenheit und Gegenwart auf ebenso elegante wie spielerische Weise.

 

 

Charles Lloyd - Sangam and Friends (Col. LP + AC + WL)
Sangam & Friends (Excl. Col. LP + sign. AC + WL)
24. Juli 2026

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