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Avishai Cohen with Nitai Hershkovits – Duende

Avishai Cohen Pressebild 2013
Avishai Cohen Pressebild 2013
07.05.2012
Gemeinsam mit seinem Landsmann Nitai Hershkovits am Klavier interpretiert er hier in einfühlsamer kammermusikalischer Manier drei Jazzstandards, darunter ‘Criss Cross’ von Thelonious Monk. Dazu kommen drei ältere Stücke aus der Feder von Cohen selbst, die eine verdichtete, aufs Wesentliche reduzierte Umgestaltung erfahren. Zuguterletzt haben die beiden für ihre erste Studiobegegnung auch noch mehrere neue Kompositionen gemeinsam verfasst, in denen sie so vertraut harmonieren, als hätten sie ihr Leben lang zusammen gespielt. ‘Die Verbindung zwischen Nitai und mir war so stark, dass ich befürchtete, ein weiteres Instrument würde sie vielleicht gefährden’, merkt Cohen zu der Kooperation an. ‘Ich wollte diese kostbare Nähe nicht verlieren.’ Also blieb es beim Dialog, der sich sehr schnell zu einem geradezu telepathischen Austausch zwischen den beiden entwickelte. ‘Das Duo ist eine in hohem Maße anspruchsvolle Form … In ihr klingt vieles weiter, hat mehr Raum. Und genau das bietet meiner Meinung nach dieses Album: einen breiteren Horizont als ich ihn je zuvor fertiggebracht habe.’ In der Tat, die Beschränkung auf Stehbass und Klavier schafft eine geräumige Bühne, auf der Cohen und Hershkovits ihr geradezu blindes Verständnis in angemessener Form entfalten können. Zugleich eröffnet die minimalistische Besetzung dem Zuhörer riesige Hörräume und eine Transparenz, in der ihm kein Detail vorenthalten bleibt.
‘Nitai hörte ich zum ersten Mal in einem kleinen Café in Tel Aviv’, erinnert sich Cohen an das erste Zusammentreffen mit seinem neuen Klavierpartner. ‘Ich bemerkte gleich die Magie, die in seinem Spiel liegt, diesen besonderen Funken, den ich in meinem Leben bislang nur bei einer Handvoll Musiker gehört habe. Seine rhythmischen und harmonischen Feinheiten erinnerten mich an das, was ich lange Zeit bei anderen Pianisten vermisst und vergeblich gesucht hatte. Außerdem swingte er so höllisch, dass mir gar keine Wahl blieb. Ich musste einfach mit ihm spielen.’ Nachdem sich die beiden seinerzeit begrüßt und miteinander bekannt gemacht hatten, verbrachten sie viel Zeit miteinander. Sie spielten sich aufeinander ein, jammten unablässig, und in diesem lockeren Rahmen kehrte dann auch Cohens Lust Standards zu spielen, die er lange davor verloren hatte, allmählich wieder zurück. Aus dem anfänglichen Abtasten und einer fortschreitenden Annäherung wurden schnell eine tiefe Freundschaft und der Wunsch auch kompositorisch zusammenzuarbeiten, wie Cohen zu berichten weiß: ‘Nitai wusste schon viel über meine Musik und wollte sie unbedingt noch besser kennen lernen, was mir natürlich schmeichelte und mich zu neuen eigenen Kompositionen inspirierte. Nitais tiefes Verständnis für Tradition, kombiniert mit einem frischen und modernen Ansatz machte unsere Verbindung sehr eng, schließlich komme ich ja aus derselben Ecke. Unsere Verbindung ist so subtil, dass ich beschlossen habe, sie im Duo-Format aufzunehmen. Sie sollte so offensichtlich wie nur möglich sein.’
Seine Liebe zum Klavier entdeckte Nitai Hershkovits erst relativ spät im Alter von fünfzehn Jahren, nachdem seine Begeisterung für das Tasteninstrument einmal geweckt war, holte er das Versäumte jedoch rasch auf. Gepackt von einem enormen Eifer und großer Wissbegier studierte er das Pianospiel, Klassiklehre und Musiktheorie unter Anleitung der israelischen Komponisten und Pädagogen Dr. Menahem Weisenberg und Amir Pedorovits. Inzwischen hat der aufstrebende Nachwuchsprofi gleich vier Mal das höchst dotierte Stipendium der Israelisch-amerikanischen Musikstiftung gewonnen. Heute, mit gerade mal 24 Jahren, zählt der junge Mann in der Heimat bereits zu den gefragtesten Musikern seiner Generation. So wurde er etwa von Rockkünstlern wie Micha Shitrit, Eyvatar Banai und Berry Sacharuf engagiert. In der letzten Zeit häufen sich nun auch die Anfragen internationaler Kollegen wie Vanessa Rubin und Greg Tardy.
Avishai Cohens privater und künstlerischer Werdegang begann in der Nähe von Jerusalem. Als Spross einer musikbegeisterten Familie erblickte er 1970 in der Hafenstadt Naharija das Licht der Welt, wuchs in der landwirtschaftlichen Kooperative Sho’eva auf und erlernte dort als Kind zunächst das Klavierspiel. Im Alter von vierzehn Jahren erwachte sein Interesse für den Jazz, aus Bewunderung für Jaco Pastorius wechselte er kurze Zeit später zum E-Bass. Nach Ableistung des Militärdienstes stand dann schließlich der Kontrabass im Mittelpunkt seiner Studien. 1992 zog Cohen nach New York City, in der Weltmetropole am Hudson River fasste er nach und nach Fuß in der lokalen Clubszene, wurde Mitglied von Danilo Pérez' Trio und kooperierte mit namhaften Kollegen wie Ravi Coltrane, Joshua Redman, Roy Hargrove, Wynton Marsalis und Kurt Rosenwinkel. Mitte der 1990er Jahre dann wurde Chick Corea aufgrund eines Demotapes auf den viel versprechenden Bassmann aufmerksam, er stellte ihn sofort für sein Sextett Origin ein und gab ihm auch gleich noch einen Plattenvertrag auf seinem Stretch Label. Bis 2002 veröffentlichte das ‘Musikgenie’ (O-Ton Chick Corea) dort vier Alben, danach gründete Cohen sein eigenes Trio und sein eigenes Label RazDaz Records für Soloarbeiten und die Aufnahmen befreundeter Kollegen. Mittlerweile hat ‘Israels erfolgreichster Jazzexport’ (Jerusalem Post) auch noch die bejubelten Tonträger ‘Aurora’ und ‘Seven Seas’ auf Blue Note herausgegeben. Im Verlaufe der Jahre wurde Avishai Cohens Stilspektrum immer größer, es umfasst gegenwärtig alles von Jazz und Traditionals aus dem Ladino über Folklore des Nahen Ostens und der jüdischen Diaspora in Russland bis zu Afro-Rhythmen und Gospel. Und sogar Gastspiele bei R’n'B-Sängerin Alicia Keys und den Klassikspezialisten des Israel Philharmonic Orchestra weist die Biographie des heute in Tel Aviv lebenden Tausendsassas aus. Mit jeder neuen Albumeinspielung kommen weitere Facetten hinzu, ein ums andere Mal wird der Hörer von neuen Stilwendungen, neuen Klangzutaten überrascht.
Der ‘Jazzvisionär von globalen Ausmaßen’, wie ihn die Fachzeitschrift Down Beat nannte, überschreitet jegliche Genregrenzen, geht auf Streifzüge durch unterschiedlichste Kulturen und betritt auch mit der Duo-Arbeit ‘Duende’ wieder eine terra incognita. ‘Überraschung ist ein wichtiges Element im Leben und eine Quelle jeder Kreativität’, merkt der Grenzgänger dazu an. ‘So lange ich Musik spielen kann, wird mich mein Freiheitsdrang begleiten.’ Im Ausprobieren neuer Genres und Formate wirkt Avishai Cohen wie ein neugieriges Kind im Spielzeugladen, die künstlerische Statur des Israelis ist auf ‘Duende’ jedoch die eines reifen, gewachsenen Mannes. Nach den vielfältigen Erfahrungen der letzten Jahre sieht auch der Bassist selbst das so: ‘Je älter man wird, umso besser begreift man, worum es geht, das gilt ganz besonders auch im Jazz. Man spielt weniger Noten und verdichtet die eigene Stimme. Dieses Duo illustriert all das perfekt. Wir haben einfach nur das aufgenommen, was wir ausdrücken wollten, ohne irgendwelche Artefakte, ohne den Virtuosen rauszukehren. Wir haben mit unseren Herzen gesprochen, nicht mit unseren Fingern.’