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Von Lahore nach Brooklyn: einzigartiger Mix aus Sufi-Musik, Ambient, Minimal und Dub

Auf “Vulture Prince” stellt die aus Pakistan stammende Sängerin und Multiinstrumentalistin Arooj Aftab einen hypnotisierenden neuen Sound vor.
Auf Streife Im Netz: Arooj Aftab
Auf Streife Im Netz: Arooj Aftab(c) Vishesh Sharma
16.12.2021
Auf der Weltkarte der Grammys war Pakistan bislang ein großer weißer Fleck. Obwohl das Land so hervorragende und weltbekannte Künstler wie Nusrat Fateh Ali Khan und Abida Parveen, die “Königin der Sufi-Musik”, hervorgebracht hat, sprang bisher noch nicht einmal eine einzige Nominierung heraus. Insofern hat die aus Lahore stammende Arooj Aftab kürzlich Musikgeschichte geschrieben. Denn mit ihrem im April erschienenen dritten Album “Vulture Prince” und dem Song “Mohabbat” wurde sie überraschend in den Kategorien “Best New Artist” und “Best Global Music Performance” nominiert. In den USA, wo Arooj (ausgesprochen “Aaruusch” mit rundem r und weichem sch) seit 2005 zu Hause ist, hatte sie mit “Vulture Prince” schon vorher reichlich Schlagzeilen gemacht.
“Arooj Aftab, die in Pakistan geboren wurde und heute in Brooklyn lebt, trägt eine uralte Versform, das Ghazal, in den Westen”, hieß es etwa in der New York Times. “‘Mohabbat’ schlägt keine Brücke zwischen zwei Welten, sondern erschafft seine eigene.” Restlose Begeisterung herrschte auch bei den Kollegen von Pitchfork: “Auf ‘Vulture Prince’ verschmilzt Aftab die existenzielle Sehnsucht des Ghazal mit Minimal-Kompositionen, die sich aus Jazz, hindustanischer Klassik, Folk und – in einem Song – Reggae speisen, zu einem herzzerreißenden, exquisiten Dokument des Übergangs von der Trauer zur Akzeptanz.”
Jetzt hat Arooj, die ihre oftmals geradezu hypnotisierende Musik selbst als “Neo-Sufi” oder “New Sufi” bezeichnet, einen Vertrag bei Verve Records unterschrieben. Bevor sie dort ein neues Album herausbringt, wird “Vulture Prince” in Kooperation mit Aroojs bisherigem Label New Amsterdam Records erst einmal international veröffentlicht. Zu hören ist sie auf “Vulture Prince” mit einem wirklich weltumspannenden Ensemble, das Musikerinnen und Musiker aus zwölf Ländern vereint; darunter der aus Deutschland stammende Schlagzeuger Jörn Bielfeldt und die brasilianisch-libanesische Gitarren-Virtuosin Badi Assad . Einen wunderbaren Eindruck von der Musik vermittelte Arooj erst vor wenigen Tagen bei ihrem “Tiny Desk (Home) Concert”. Gemeinsam mit Darian Donovan Thomas (Violine), Shahzad Ismaily (Bass & Synthesizer), Maeve Gilchrist (keltische Harfe) und Gyan Riley (Gitarre), dem Sohn des Minimal-Music-Pioniers Terry Riley, stellte sie bei dieser Gelegenheit drei Songs aus ihrem jüngsten Album live vor. Darunter natürlich auch das Grammy-nominierte Stück “Mohabbat”. Das “Tiny Desk”-Team war von dem magischen Auftritt so angetan, dass es hinterher schwärmte: “Das ist sicherlich eine der allerschönsten Tiny-Desk-Performances.” Und da werden wir nun wirklich nicht widersprechen.
 
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